Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.11.2017


Alpinmesse

Erst der Wein, dann in die Wand

Ein Kletter-Star, ein Tiroler Fotograf und die wohl schwierigste Mehrseillängentour der Welt: Adam Ondra und Heinz Zak zeigen Fotos und einen Film ihres Abenteuers bei der Alpinmesse.

© Heinz ZakObwohl es nicht so aussieht, fühlt sich Adam Ondra in einer flachen Felswand wie in der "Dawn Wall" am El Capitan wie zu Hause.



Von Matthias Christler

Innsbruck — Was hat sich Heinz Zak wohl in dem Moment gedacht, als er durch seine Kamera das schmerzverzerrte Gesicht von Adam Ondra sah? Und was ist im Kopf des weltbesten Kletterers vorgegangen, der nur die Fingerkuppen vom Ring- und vom Zeigefinger an einen winzigen Griff presste, um sich in der Wand zu halten? So eine Schnapsidee! Nicht wirklich, denn der Tiroler Fotograf und Filmer Zak hat sensationelle Aufnahmen vom gemeinsamen Projekt „Dawn Wall" am berühmt-berüchtigten El-Capitan-Felsen im Yosemite Nationalpark (Kalifornien) mitgebracht. Und der Tscheche Ondra hat mit dem Rekorddurchstieg der 1000 Meter in 32 Seillängen seine Ausnahmestellung in der Kletterwelt in Stein gemeißelt. Und es begann nicht als Schnapsidee, sondern bei einem guten Glas Wein, wie Zak erzählt: „Wir haben uns vor drei Jahren bei einem Bergfilmfestival in Prag kennen gelernt, uns super verstanden, dann ein Glasl Wein getrunken und so entstand die Idee für das Projekt." Sie redeten über „Dawn Wall".

Zusammen mit Heinz Zak zog er das Projekt durch.
- Heinz Zak

Erst einmal wurde diese extreme Mehrseillängentour gemeistert, von Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson innerhalb von 19 Tagen. Ondra schaffte es vor einem Jahr in acht Tagen. Zak erinnert sich, und obwohl es auf gemeinsamen Bildern aussieht, als wäre es eine nette Klettertour gewesen, muss er schon zugeben: „Spaß war das keiner. Wenn er gesagt hat, dass er die ganze Nacht durchklettern wolle, waren das starke Ansagen, die man im Team auch aushalten muss", gesteht der 59-jährige Scharnitzer ein. Er selbst habe versucht, mit seiner Erfahrung und zwischendurch mit Schokolade für Ondra als Motivation zum Erfolg beizutragen. Die Mühen waren es wert. „Adam gibt nicht nur Vollgas, es macht Freude, ihm zuzuschauen. Der stellt die Action nicht, das kommt bei ihm authentisch rüber."

Und Ondra gibt Komplimente zurück: „Mit Heinz in der Wand zu sein, war einfach toll. Seine Erfahrung hat mir definitiv geholfen", sagt der 24-Jährige, für den sein Tiroler Kletter-Fotograf inzwischen zu mehr geworden ist. „Am Gipfel angekommen, fing es plötzlich an zu schneien, ich war so müde, aber unglaublich glücklich. Und dass ich mit Freunden dort sein hab' können, das war sehr emotional für mich und ist schwer zu beschreiben."

Das klingt wie bei vielen Sportlern, die ihren größten Erfolg erklären sollen, Adam Ondra versucht es: „Es war hart, unglaublich hart, ich musste so sehr aus meiner Komfortzone heraus wie noch nie in meinem Leben", sagt der Mann, der vor wenigen Wochen erst in einer Höhle bei Flatanger in Norwegen als erster Mensch eine 9c-Sportkletterroute bezwang.

Am Ende der Tour liegt er erschöpft am Top.
- Heinz Zak

Zwar könnte man nun behaupten, dass Ondra, der als 13-Jähriger zur Weltspitze gehörte, als 24-Jähriger in zwei Disziplinen — Sportklettern und Mehrseillängen — der beste Kletterer der Welt ist, doch er lässt das an sich abprallen. „Ich versuche nicht daran zu denken, weil es sich vielleicht großartig anhört, aber es erzeugt viel Druck."

Die Rekordzeit in der „Dawn Wall" sei ihm gar nicht so wichtig gewesen. Entscheidend war für ihn, dass er etwas geschafft hat, was er sich vorgenommen hat. Und die Emotionen auf dem Weg dahin hat Heinz Zak festgehalten: Oft blickt Ondra verbissen, wenn er sich an einem glatten Felsen festkrallt. Aber er lacht genauso und wirkt, mit einer Hand am Fels, die andere winkend, fast gelöst.

Bei der Alpinmesse am nächsten Wochenende in Innsbruck stellen Zak und Ondra den Film über ihr gemeinsames Abenteuer vor. Vielleicht gehen sie danach wieder auf ein Glas Wein und schnapsen sich eine neue Projekt-Idee aus.

Alpinmesse und Freeride Filmbase

Alpinmesse. Die Messe Innsbruck steht nächstes Wochenende am Samstag (11.11., 10 bis 19 Uhr) und Sonntag (12.11., 10 bis 17 Uhr) ganz im Zeichen der Alpinmesse. Aussteller präsentieren ihre Neuheiten, Workshops laden zum Mitmachen ein und Bergsportler wie Peter Habeler berichten von ihren Erlebnissen. Tageskarte 8 Euro, für TT-Clubmitglieder gibt es 1+1 gratis. Einer der Höhepunkte ist der Vortrag von Adam Ondra und Heinz Zak am Samstag um 19 Uhr im Forum 2. Die Multivisionsvorträge sind nicht in der Tageskarte enthalten. Infos unterwww.alpinmesse.info

Freeride Filmbase. In Kooperation mit der Alpinmesse werden am 11.11. ab 19 Uhr im Metropolkino neun Freeridefilme gezeigt. Eintritt 19 Euro, gilt auch für die Alpinmesse, Ermäßigung für TT-Club-Mitglieder. Infos unter www.freeride-filmbase.at