Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.10.2017


Zillertal

Meisterlich Fußball mit den Händen spielen

Der Tischfußballverein Zillertal will das „Wuzzeln“ wieder mehr publik machen und veranstaltet die Staatsmeisterschaften in Fügen.

© Tischfußballverein Zillertal Bei der Volksschule in Fügen steht der Vereinscontainer, in dem jede Woche Tischfußball gespielt wird. Der junge Verein richtet ab Freitag die Staatsmeisterschaft in der Fügener Festhalle aus.Foto: Tischfußballverein Zillertal



Von Eva-Maria Fankhauser

Fügen – Rund 150 Teilnehmer kämpfen an 25 Tischen mit elf Männchen drei Tage lang darum, der Beste zu sein. Bei der österreichischen Staatsmeisterschaft im Tischfußball geht es am Wochenende heiß her. Mit schwitzigen Händen dürfen die Spieler nicht an den Tisch gehen. Höchste Konzentration ist gefordert, wenn sich die Besten der Besten messen.

„Man braucht natürlich ein gewisses Talent fürs Tischfußballspielen“, sagt Reinhard Wiege. Er zählt zu den Topspielern in der Seniorenklasse. Im Vorjahr gründete er mit anderen Tischfußballern den ersten Tischfußballverein im Zillertal. Ein guter Spieler braucht laut ihm aber nicht nur Talent. „Es gehört auch Schnelligkeit, Ausdauer und vor allem mentale Stärke dazu“, sagt Wiege. Zudem fördere das Tischfußballspielen beide Gehirnhälften gleichermaßen. „Man muss quasi beidhändig spielen, das kann man aber lernen“, erklärt der Fügener. Etwa zehn Vereinsmitglieder wuzzeln jede Woche im Vereinscontainer bei der Fügener Volksschule. „Es kommen oft auch Mitglieder anderer Tischfußballvereine vorbei“, sagt Wiege. Er spielt seit rund fünf Jahren und hat bereits unzählige Turniere bestritten. Vor Meisterschaften trainiert er bis zu zwei Stunden täglich.

Derzeit kommt das Trainieren etwas zu kurz. Denn die Vorbereitungen für die Staatsmeisterschaften in der Fügener Festhalle laufen auf Hochtouren. Seit zwei Monaten ist der Unternehmer beim Planen. „Das Schwierigste war, Sponsoren aufzutreiben und eine Location zu finden, die genug Platz bietet“, sagt Wiege. Die Festhalle sei ideal und werde bis auf den letzten Meter ausgenutzt. Hilfe erhält er vor allem von seiner Frau Monik­a. Sie übernimmt die Verköstigung der rund 150 Teilnehmer und der Zuschauer.

Am Freitag startet ab 12 Uhr die Staatsmeisterschaft. Am Samstag und Sonntag folgen ab 10 Uhr die offenen Bewerbe. Dabei erwarten die Zuschauer bei freiem Eintritt spannende Matches. Wiege selbst spielt auch. Immerhin gebe es wichtige Punkte zu sammeln. Neben Einzelspielen treten auch Zweierteams – so genannte Doppel – an den Spieltisch. „Die Finalspiele finden auf der Bühne statt und werden online live übertragen“, verrät Wiege, der sich freut, dass der junge Verein die Staatsmeisterschaft ausrichten darf. Neben den aktiven Spielern hat der kleine Verein zahlreiche Helfer und Unterstützer gefunden, damit alles klappt. Der Vereinsobmann rechnet mit rund 12.000 Euro Kosten für die Staatsmeisterschaft. Keine Kleinigkeit, aber es sei machbar.

Die Turnierleitung übernimmt der Tiroler Tischfußballbund. Auch die 25 Garlando-Turniertische werden über den Bund an den Zillertaler Verein verliehen. „Ein Tisch wiegt 140 Kilo und würde etwa 1400 Euro kosten“, sagt Wiege. Die Tische sind genormt, genauso wie die Bälle. Die Regeln sind streng, die Schiedsrichter haben Adleraugen und ohne Sportklamotten darf kein Spieler an den Tisch treten. Es werden nicht nur Teilnehmer aus Österreich erwartet, sondern auch aus Deutschland, der Schweiz und Italien.

Mit der Staatsmeisterschaft hofft der Verein nicht nur ein gelungenes Turnier auszurichten, sondern auch an Bekanntheit zu gewinnen. „Ich glaube, viele Zillertaler wissen noch gar nicht, dass es uns gibt“, sagt Wiege. Der Verein möchte den Tischfußballsport Erwachsenen und Jugendlichen zugänglich machen. Wiege könnte sich in Zukunft auch eine Jugendausbildungsstätte vorstellen. „Es geht darum, ihnen eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu bieten und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in einem Verein zu integrieren, Kontakte zu knüpfen und sich sportlich zu betätigen“, sagt er.