Letztes Update am Di, 07.11.2017 15:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Buch

Tiroler Bergseen: Mehr als nur eine Kraftquelle

Daheim ist Josef Steiner selten, dafür zieht es ihn zu sehr zu den Bergseen Tirols. 230 präsentiert der 78-Jährige nun in einem Buch, welches er in Eigenregie herausgegeben hat. Vor allem aus einem Motiv: „Diese Gewässer haben mir immer Kraft gegeben.“

© RappDer Lichtsee oberhalb von Obernberg präsentiert sich in Herbststimmung.



Von Irene Rapp

Bevor man sich mit dem Buch von Josef Steiner beschäftigt, ist es wert, sich mit der persönlichen Geschichte des Birgitzers zu befassen. Denn beides ist miteinander verknüpft – oder, wie es der 78-Jährige mit eigenen Worten beschreibt –, „diese Wanderungen zu den Seen waren mein Leben“.

Josef Steiner wiederum präsentiert seinen neuen Führer – mit Stolz.
- TT/Rudy De Moor

Aufgewachsen ist Steiner allerdings nicht in Nord-, sondern Südtirol. In Taufers im Münstertal, als eines von acht Kindern auf einem kleinen Bauernhof. Schon früh war er mit dem Vater auf den Almen unterwegs. „Und schon da hat mich jedes Bachl fasziniert.“ Als Erwachsener ging er nach Nordtirol, arbeitet u. a. 35 Jahre lang im Bauhof der Stadt Innsbruck. Er heiratete, fünf Kinder kamen auf die Welt. Dann starb die Frau und Steiner zog die noch kleinen Kinder mit Hilfe der ältesten Tochter gemeinsam auf.

Josef Steiner wiederum präsentiert seinen neuen Führer – mit Stolz.
- TT/Rudy De Moor

Vor allem in der Zeit waren seine geliebten Wanderungen „seelischer“ Natur. „Der Gipfel war mir nie so wichtig. Ich bin meist nur zu einem See gegangen und habe dort abschalten und meine Ruhe sowie neue Kraft finden können. Diese Wanderungen waren mein Leben.“

Den schönsten See davon zu benennen, fällt ihm dementsprechend schwer. Alle waren Kraftquellen, doch der Obernbergersee „schon ein ganz besonderes Platzl“.

Der schönste, der unheimlichste

Aber auch der Rifflsee in St. Leonhard im Pitztal hat es ihm angetan oder der auf 2300 Metern Seehöhe gelegene Hundstalsee nahe der Gemeinde Oberperfuss. Während man Ersteren bequem mit der Gondel erreicht, wird Zweiterer nur nach einer langen Bergtour sichtbar – „das ist eine anstrengende, aber schöne Tour“, sagt Steiner.

Ganz anderes empfand er es hingegen, als er den Drachensee bei der Coburger Hütte oberhalb von Ehrwald besuchte. Für ein gutes Foto wollte der Birgitzer um das Gewässer herumgehen, „doch dann musste ich umdrehen. Ich hatte das Gefühl, etwas zieht mich in das Wasser hinab“. Zum Glück blieb es bei diesem Einzelerlebnis und die positiven Eindrücke überwogen.

Gründe also genug, 2001 einen Teil seiner Touren in Buchform herauszubringen. „Wandern zu Bergseen rund um Innsbruck“ (Tyrolia-Verlag) lautete der kleine Führer, der 2004 in zweiter Auflage erschien. Seit wenigen Wochen liegt ein wesentlich umfangreicheres Werk des Birgitzers in den Buchhandlungen auf. Der Titel: „Nordtiroler Seenwanderungen. 145 ausgewählte Touren zu den schönsten Seen in Tirol“. Und weil Steiner diesmal zwar die Zusage eines Verlages hatte, dieser jedoch absprang, hat er sein neuestes Werk ganz einfach im Eigenverlag herausgebracht.

„Ja, ich weiß. Das ist ein Risiko“, gesteht der 78-Jährige. Immerhin flossen rund 15.000 Euro in diesen Traum Steiners. „Aber ich hatte ja alle Daten schon in der Schublade, dort nützen sie jedoch niemandem. Ich will das einfach unter die Leute bringen“, nennt er sein Motiv.

Ein anderer Mensch

Herausgekommen ist ein 303 Seiten umfassendes Buch, in dem 230 Seen in Nordtirol (einige davon u. a. im grenznahen Bayern und in Vorarlberg) vorgestellt werden. Zu allen davon ist Steiner mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist und zu zahlreichen finden sich im Buch (Preis: 25 Euro) Sagen oder geschichtliche Fakten. „Ich rede viel mit Einheimischen, da erfährt man viel“, erzählt Steiner. Fotos und Kartenmaterial ergänzen die Tourenbeschreibungen. Und wahrscheinlich hofft Steiner, dass es jedem Seenwanderer nach einer dieser Wanderungen so geht, wie es ihm immer ergangen ist. „Wenn ich wieder heimgekommen bin, war ich ein anderer Mensch.“


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