Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.11.2017


Tourentipp

Über den Dächern von Kundl

Eine abwechslungsreiche Rundwanderung ist von Kundl ausgehend möglich: Ein Kreuzweg führt zur Brachalm auf 999 Metern Höhe, über einen Forstweg geht es wieder zurück ins Tal.

© RappIn der Bergkreuzkapelle finden sich viele Sterbebildln.



Von Irene Rapp

Kundl – In Talnähe waren wir am vergangenen Samstag unterwegs, wobei in Talnähe etwas untertrieben ist. Immerhin ging es von Kundl ausgehend auf die 999 Meter hoch gelegene Brachalm: Dabei handelt es sich um ein uriges altes Bauernhaus, von wo aus man traumhafte Ausblicke auf das Inntal hat. Der Schneefall der vergangenen Tage hat sich bei dieser Rundwanderung übrigens kaum ausgewirkt – „und auch im Winter ist der Weg hier herauf immer ausgetreten“, erzählt der Kundler Altbürgermeister Heinrich Fuchs. Denn die Einheimischen wandern gerne auf die „Brach“, wie sie dieses Fleckerl über ihrer Heimatgemeinde nennen.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter go.tt.com/2hnudfh

So kommt man hin: Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Ende des Schießstandweges in Kundl (wenn man von der Autobahn abfährt gleich einmal nach der Einfahrt in den Ort von der Bundesstraße links/südlich abbiegen). Von hier aus sieht man schon die Bergkreuzkapelle. Diese erinnert an den einstigen Bergabbau in der Gemeinde, „Knappen haben die Kapelle im 15. Jahrhundert erbaut“, erzählt Fuchs. An der rechten Seite der Kapelle führt ein unscheinbarer Weg in den Wald hinein, es geht gleich ziemlich steil bergauf. Nach wenigen Metern kann man auf den Eingang zur Kundler Klamm hinabschauen, dann erblickt man auf einer Erhebung alte Mauerreste. Auch diese haben einen geschichtlichen Hintergrund: „Die Kundlburg wurde 1160 erstmals urkundlich erwähnt“, weiß Fuchs. Ab dem 15. Jahrhundert war dieses Gemäuer allerdings dem Verfall preisgegeben. Vor einigen Jahren nahm die Gemeinde Geld in die Hand, um die letzten Reste der alten Burg zu befestigen und zu sichern.

Die nur noch im Sommer bewohnte Brachalm liegt auf einem traumhaften Platzl.
- Rapp

Weiter auf einem Steig, der Mischwald präsentiert sich herbstlich gefärbt und wenn man um ein Geländeeck biegt, ist auch der Verkehrslärm kurz weg (hier Wegweiser „Brach, Kragenalm, Besinnungsweg“). Über eine Holzbrücke, gleich danach fängt der Kreuzweg an. Immer dem Steig folgen, es geht zeitweise ziemlich steil bergauf, bei der 9. Station gelangt man auf einen Forstweg (Wegweiser). Diesem bergwärts folgen und gleich wieder links auf einem Steig in den Wald hinein. Von hier aus ist es nur noch ein kurzes Stück, dann hat man die 14. Kreuzwegstation erreicht. Gleich danach erinnert ein Kreuz mit Sterbebildln an die ehemaligen Bewohnerinnen der Brach­alm. „Bis vor rund 20 Jahren war der Hof noch ganzjährig von drei Frauen bewohnt. Die sind zum Teil jeden Tag mehrmals nach Kundl zum Einkaufen gegangen und haben alles wieder hinaufgetragen, weil es damals keine Zufahrt gegeben hat“, erinnert sich Fuchs.

Auf der Terrasse lässt es sich gut pausieren und den Ausblick genießen.
- Rapp

Um zur Brachalm zu gelangen, muss man zunächst noch über eine Wiese gehen, dann hat man das in südöstlicher Richtung liegende Haus – das auf 999 Metern liegt – erreicht. Auf der Terrasse lässt es sich gut pausieren und den Ausblick genießen. Dass das mehrere tun, zeigt ein Müllkübel mit leeren Bierdosen.

Beim Abstieg über den Hahntax-Steig heißt es aufpassen.
- Rapp

Rein theoretisch könnte man auf demselben Weg wieder ins Tal retour. Wir allerdings sind am Samstag in östlicher Richtung weitergewandert: entweder auf dem hinter der Brach­alm beginnenden Forstweg oder auf einem Weg, der hinter dem Gebäude neben einer eingezäunten Wiese in östliche Richtung führt und nach einigen Minuten in besagten Forstweg einmündet.

Auf diesem passiert man zuerst leicht bergab-, dann kurz wieder bergaufgehend einen markanten Graben. Bald jedoch geht es auf der Forststraße immer bergab.

Entweder man folgt dieser bis ins Tal oder traut sich einige Minuten, nachdem man darauf gegangen ist, auf dem „Hahntax“-Steig hinab (Achtung: Dieser Steig ist zwar beschildert, doch der Wegweiser leicht zu übersehen.) Wir sind am Samstag auf dem Hahntax-Steig ins Tal, das viele Laub zwang aber zu genauem Schauen, ob man immer richtig ist. In Talnähe zweigt der Steig dann in den Aufstiegsweg ein. Diesem bergab bis zum Ausgangspunkt folgen. Fazit: Die Rundwanderung ist abwechslungsreich und bietet mit dem Kreuzweg besinnliche Momente.

In der Bergkreuzkapelle (1) finden sich viele Sterbebildln, bald kommt man zu den Resten der Kundlburg (2), nach rund 15 Minuten beginnt der Kreuzweg.
-



Kommentieren


Schlagworte


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Büroschlaf
Büroschlaf

Verpönt und doch so schön – der Büroschlaf

Wer hat sie nicht schon verspürt, die Sehnsucht nach einem Nickerchen bei der Arbeit? Gesund wäre es jedenfalls, da sind sich die Experten einig. Aber der Bü ...

Bildergalerie
Bildergalerie

So schön ist der Herbst in Tirol: Die besten Fotos der TT-Leser

Der Herbst hält Einzug in Tirol und sorgt für ein unvergleichliches Farbenspiel. Die schönsten Fotos der TT-Leser haben wir in einer Bilder-Galerie für euch ...

Freizeit
Freizeit

Alpinmesse in Innsbruck: Für die Berge gerüstet sein

Auf der Alpinmesse in Innsbruck tummelten sich am Wochenende die Bergsportler. Präsentiert wurde u. a. ein neuartiges Suchgerät für Helikopter.

TT-Magazin
TT-Magazin

Lärchen-Zapfen für die Zukunft zupfen

Zwei Forstarbeiter ernten für ihren Einsatz nicht nur Respekt, sondern auch Hoffnung für die Tiroler Wälder: Zapfen für Zapfen pflücken sie von den Ästen. Fü ...

TT-Magazin
TT-Magazin

Wildlife-Fotowettbewerb: Der traurige Clown

Der Spanier Joan de la Malla wurde für sein Foto des Langschwanz-Makaken Timbul beim „Wildlife Photographer of the Year“ in der Kategorie „Wildlife Photojour ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »