Letztes Update am Do, 09.11.2017 12:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stimmtherapie

Bitte möglichst deutlich sprechen

Plappermäuler und Quasselstrippen aufgepasst: Wer beruflich ein Vielredner ist, sollte lernen, mit der Stimme zu haushalten. Logopäde Georg Newesely gibt Tipps und erklärt, was bei der Stimmtherapie passiert.

© iStockIm Zweifel das Mikro nehmen! Lautes Ansprechen gegen Lärm belastet die Stimme.



Von Theresa Mair

Berufsbedingt werden immer mehr Menschen zu Dauersprechern. Als Trainer und Coach, Verkäufer, Vertreter, Telefonist, Lehrer, Schauspieler, Sänger und Moderator redet man sich den lieben langen Tag den Mund fusselig.

Je nach Beschaffenheit des Kehlkopfes und Gebrauch der Stimme kann es da mitunter brenzlig werden, und die Horrorvorstellung eines jeden Sängers wird wahr: Plötzlich ist die Stimme weg. Deshalb, sagt Georg Newesely, Studiengangsleiter für Logopädie an der FH Gesundheit in Innsbruck, gibt es inzwischen einen „gewaltigen Markt für Stimmtraining“. Die Zielgruppe jener, die lernen möchten, wie sie ihre Stimme schonend und effektvoll einsetzen können, wächst.

Ein Problem, viele Ursachen

Wenn allerdings bereits Stimmprobleme bestehen, man seit etwa zwei bis drei Wochen heiser spricht, einen Kloß im Hals spürt oder der Rachen ständig trocken ist, sollte man unbedingt zum HNO-Facharzt oder zum Phoniater gehen.

Die Bandbreite der möglichen Auslöser für Stimmschwierigkeiten ist groß: Sie können auf eine ungünstige Körperhaltung, falsche Atmung, zu viel oder zu wenig Muskelspannung zurückgeführt werden. Aber auch schwerwiegende Erkrankungen, wie eine Veränderung am Kehlkopf und den Stimmlippen oder neurologisch bedingte Krankheiten wie Parkinson sind eine mögliche Ursache. Eine einschneidende, stressige Lebens­umstellung kann genauso dafür sorgen, dass die Stimme versagt, wie ein Infekt. Es kann an der Nebenwirkung von Medikamenten, einer Reflux-Krankheit oder ungesunden Gewohnheiten wie Rauchen und Alkoholtrinken sowie einem dauernden Fehlgebrauch der Stimme liegen.

Nach der ärztlichen Abklärung kann eine logopädische Stimmtherapie das Mittel der Wahl sein. „Wer einen Sprechberuf ergreift, sollte in der Lage sein, sechs bis sieben Stunden durchgehend eine leistungsfähige Stimme zu haben“, sagt Newesely. Zu viel Kälte oder Hitze, ein trockenes Raumklima und das ständige Ansprechen gegen Lärm sind da kontraproduktiv. Wer schon Missempfindungen und

oder Halsschmerzen verspürt, sollte sein Sprechpensum herunterschrauben, „stumme“ Arbeiten verrichten oder, wenn das nicht geht, daheimbleiben. Flüstern ist keine Lösung, weil das die Stimme stark belastet.

In der Stimmtherapie lernen die Betroffenen, auf ihre Köperhaltung und -spannung sowie auf ihre Atmung (Zwerchfell- statt Hochatmung) zu achten. Der Stimmeinsatz sollte möglichst weich, die Sprechstimmlage nicht zu hoch oder tief sein. Sondern so wie jene beim genüsslichen Kauen. „Das Ziel ist eine tragfähige Stimme“, erinnert der Logopäde. Nach einem belastenden Stimmgebrauch rät er zu einer Schonzeit. Denn: Wer seine Stimme über- oder fehlbelastet, der kann Schäden an Kehlkopf oder Stimmlippen davontragen.

„Mit einem angemessenen Sprechtempo sowie deutlicher Artikulation und Betonung ist man oft besser verständlich als mit lautem Sprechen“, weiß Newesely einen weiteren Rat. Das Haushalten mit der Stimme ist wesentlich. Wie das in verschiedenen Situationen geht, lernt man in der Therapie.

Vor einer Sprecheinlage

Es ist ratsam, sich vor einer längeren Rede einzusprechen und dabei Stimmgymnastik und Summübungen einzubauen. Wenn vorhanden, immer ein Mikrophon benutzen. Wer zu Hüsteln oder Räuspern neigt, trinkt, stattdessen einen Schluck Wasser.

Georg Newesely referiert am 9. 11. ab 18 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe „GesundHeut“ an der FH Gesundheit (Innrain 98, Innsbruck) über den ökonomischen Stimmgebrauch bei Sprechberufen. Eintritt frei.




Kommentieren


Schlagworte