Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.12.2017


Tourentipp

Geschichtsunterricht im Freien zwischen Wattens und Volders

Von Wattens nach Volders zu wandern, scheint nur auf den ersten Blick eintönig zu sein: Auf einem historischen Weg lernt man frühe Tiroler Geschichte kennen und passiert zudem eine kleine Schlucht.

© RappGleich zu Beginn der Wanderung kommt man zu der tollen Aussichtsplattform.



Von Irene Rapp

Wattens – Geschichte zum Greifen nah präsentiert diese Wanderung, die wir am vergangenen Samstag noch bei weniger Schnee gemacht haben. Gleich mehrere Punkte sprechen dafür, diesmal das Auto stehen zu lassen. Denn man hat quasi direkt beim Ausgangs- sowie Endpunkt der Tour an der Bundesstraße einen Bus (Nr. 8380, 4125, 4123). Man kann allerdings auch wieder von Volders nach Wattens zu Fuß zurückgehen, am besten nicht entlang der Bundesstraße, sondern durch das Dorf, um dem Verkehr zu entgehen. Auf jeden Fall kommt man an ganz besonderen Plätzen vorbei, bei mehr Schnee ist gutes Schuhwerk unumgänglich.

So kommt man hin: Am westlichen Ortsende von Wattens zwischen Einrichtungshaus Moriel und Kfz-Mayr Richtung Wald gehen, dort befindet sich der Beginn der Wanderung. Die Infotafel „Fitnessparcours Himmelreich“ zeigt viele Möglichkeiten auf, das leicht erhöhte Waldstück zu erkunden. Gleich geht es auf einem breiten Weg steil den Wald hinauf, bei der ersten Wegteilung links. Nun in südöstlicher Richtung auf einem Steig über ein Brücklein sowie Stufen hinauf (Wegweiser Historischer Rundwanderweg). Immer wieder hat man Ausblicke auf das Inntal, aber die werden noch besser. Zunächst gelangt man auf einen Forstweg und hält sich rechts.

Bei der nächsten Wegteilung wieder rechts (Wegweiser Himmelreich), über eine kleine Brücke und durch lichten Wald langsam hinauf. Immer wieder finden sich Wegweiser zum Himmelreich, links tut sich eine große Wiese auf, dann erreicht man eine Lichtung mit dem Fitnessparcours samt vielen Geräten. Bereits hier gibt es Infotafeln mit geschichtlichen Details, vorerst gehen wir aber noch wenige Meter in westliche Richtung, bis wir zu einer Aussichtsplattform kommen.

- privat

Wer sich auf die kühne Konstruktion wagt, hat traumhafte Blicke auf Wattens sowie das Inntal, während es unter einem ziemlich weit hinabgeht. Zurück zu den Fitnessgeräten und hinauf die letzten Meter, bis man im Freilichtmuseum Himmelreich erstmals Geschichte zum Anfassen hat. Auf der Kuppe bauten im 5. Jahrhundert vor Christus die Räter eine Siedlung. Die Umrisse der Häuser sind gut erkennbar, da die Fundamente restauriert wurden und Stahlelemente die Form der Gebäude erahnen lassen. Die hier gefundenen Gegenstände – u.a. Schmuck – sind im Museum Wattens (www.museum-wattens.at) ausgestellt. Infos gibt es allerdings auch hier auf Stelen, die in eine andere Zeit entführen.

Nun entlang eines Ringwalls hinab Richtung Westen. Auf einem Steig gelangt man erneut zu einem Fitnessparcours und dann auf eine Forststraße. Um eine Kurve herum und kurz weiter, dann führen links Treppen hinab. Über einer Siedlung geht es an den ersten Häusern von Volders vorbei, man gelangt auf eine kleine Straße. Dieser folgen, bei der Einmündung in eine bergabführende Straße links hinauf bis an das Ende der Siedlung. Hinter den letzten Gebäuden führt ein kleiner Trampelpfad Richtung Westen. Auf diesem gelangt man entlang des Waldes zum nächsten historischen Kleinod – Schloss Aschach. 1311 wurde es erstmals erwähnt, einst befanden sich darin ein Gefängnis sowie eine Folterkammer. Heute wird Schloss Aschach als privater Wohnsitz genutzt.

Die Rätersiedlung Himmelreich.
- Rapp

Links am Schloss und einem Spielplatz vorbei, man gelangt auf eine Straße und geht diese bergab. Bei der zweiten Abzweigung links hinauf (Wegweiser Schloss Friedberg). Nicht lange, dann hat man die Kapelle des Heiligen Johannes erreicht. Die folgende Etappe bot die größte Überraschung der Tour, denn man wandert zunächst entlang eines Baches auf einem breiten Weg dahin, über einem kann man Schloss Friedberg sehen. Dann wird es wilder und romantischer sowie steiler: über einige Stufen und eine Brücke gewinnt man an Höhe und dann steht man schon vor der Mauer, die sich rund um Schloss Friedberg zieht. 1268 erstmals urkundlich erwähnt, gibt es jedoch Hinweise, dass hier schon zur Römerzeit Menschen lebten. Kein Wunder, auch dieses Gebäude liegt auf einem leicht erhöhten Platz und strömt einen eigenen Charme aus. Auf Friedberg kann man übrigens heiraten und wer will, kann sich auch ein Zimmer buchen.

Auf der Zufahrtsstraße hinab, bei der Einmündung in die Landesstraße rechts abbiegen. Kurz weiter, dann bei der ersten Abzweigung links zu den Feldern. An zwei Bauernhöfen vorbei und in westlicher Richtung in den Wald. Doch hier ist man nicht lange unterwegs, dann steht man schon vor dem nächsten Stück Geschichte: Man gelangt zu einem eingezäunten Platz mit einer Kapelle sowie Gräbern, die an die Gefallenen der Weltkriege erinnern.

Über den Rafflersteig kommt man hinauf zu Schloss Friedberg.
- Rapp

An dieser Stelle wurden aber bereits Gefallene des Freiheitskampfes 1809 bestattet. Auf jeden Fall ist es interessant, die Grabinschriften zu lesen und sich des Friedens in unserem Land bewusst zu sein. Ein Stück noch weiter und rechts hinab zum letzten Highlight – der Karlskirche. Diesen schönen Rokokobau sollte man sich unbedingt ansehen. Von hier sind es dann nur noch wenige Meter hinab zur Bundesstraße zur Bushaltestelle.

Danach geht es zum Tummelplatz mit vielen Soldatengräbern.
- privat
Gleich zu Beginn der Wanderung kommt man zu der tollen Aussichtsplattform (1), nach wenigen Metern zur Rätersiedlung Himmelreich (2). Über den Rafflersteig (3) kommt man hinauf zu Schloss Friedberg (4), danach geht es zum Tummelplatz mit vielen Soldatengräbern (5).Fotos: Rapp
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