Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.12.2017


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Skitour im Schmirntal: Der Fischer auf dem Berg

Im hintersten Schmirntal wartet eine Erhebung mit ungewöhnlichem Namen auf Skitourengeher: Zum Fischers Napf geht es durch schönes Gelände und bei vernünftiger Spur vorbei an lawinenträchtigen Hängen.

© Irene RappBei der Abfahrt in das breite Kar hat man die Qual der Wahl, wo soll man seine Spuren setzen?



Von Irene Rapp

Schmirn — Wie groß die Gemeinde Schmirn ist, merkt man erst, wenn man durchfährt. Da gibt es zahlreiche Weiler und bis zum Ausgangspunkt der Skitour auf Fischers Napf fährt man u.a. an der beeindruckenden Kirche vorbei und durch einen längeren Tunnel, bei einem Buswendeplatz geht es dann links hinauf zu einigen Bauernhäusern mit wenigen Parkplätzen (kostenfrei). Hier im Ortsteil Obern befindet man sich schon auf 1636 Meter Seehöhe, in greifbarer Nähe erhebt sich der Jochgrubenkopf, auf welchem heuer zu Jahresbeginn vier Schweizer Tourengeher den Tod unter einer Lawine fanden. Bei der Skitour auf Fischers Napf, die wir vergangenen Samstag machten, kann man den lawinenträchtigen Hängen gut ausweichen, trotzdem ist natürlich Vorsicht geboten und der Lawinenlagebericht (www.lawine.at) immer zu beachten.

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Los geht es hinter den Bauernhäusern. Hier befindet sich ein Check-Point der Bergrettung, wo man überprüfen kann, ob das LVS-Gerät eingeschalten ist bzw. funktioniert. „Tirolweit gibt es rund 40 solcher Stationen", erzählt Bergrettungs-Chef Peter Veider, man wolle damit vor allem die Tourengeher sensibilisieren. Allerdings hat Veider auch eine beunruhigende Erfahrung gemacht: „Die Leute sind zwar alle gut ausgerüstet und gestylt, mit einem Lawinenverschüttetensuchgerät können jedoch die wenigsten umgehen."

Zurück zur Skitour: Am vergangenen Samstag stiegen wir hinter dem letzten Haus rechts auf einen Hang hinauf und kamen bald zum Sommerweg zum Fischers Napf. Links über einem sieht man Lawinenverbauungen, man hält sich jedoch in nordöstlicher Richtung und biegt oberhalb der Stütze eines Heuaufzugs quasi ums Eck. Hinein geht es in eine kleine Schlucht, man quert den vereisten Schragenbach und kommt gleich rechts in einen etwas schwierigeren Teil. Hier geht es nämlich etwas mühsam und steil hinauf, am vergangenen Samstag hatten die herabfahrenden Wintersportler für eine rutschig-glatte Fläche gesorgt, das könnte sich nach den letzten Schneefällen jedoch schon wieder geändert haben.

Links kann man bereits den felsdurchsetzten Fischers Napf erkennen.
- Irene Rapp

Hier heißt es gute Technik anwenden und Durchhaltevermögen aufweisen, so hat man es bald geschafft und erreicht eine Hütte, wo der Seilaufzug endet. In einem leichten Rechtsbogen geht es weiter aufwärts, am vergangenen Wochenende schauten hier noch einige Erlenbüsche heraus, wenn man diese Anhöhe geschafft hat, befindet man sich auf dem ersten, großen Boden mit einigen Lärchen.

Der erste Anstieg bis zu einer Holzhütte ist ein wenig anstrengend, dann wird es leichter.
- Irene Rapp

Zunächst geht es geradeaus, dann hält man sich in dem Gelände mit vielen kleinen Gräben links und zieht weiter hinauf und links vorbei an einem auffallenden Felsblock hinauf zum nächsten Boden, wo man gerne einmal eine Verschnaufpause einlegt, auch weil der Ausblick auf die Bergkette vor einem so schön ist. Während es sich nämlich beim links vor einem liegenden Fischers Napf um eine recht unspektakuläre Erhebung handelt, ist z. B. die rechts davon platzierte Hornspitze (2650 m) optisch sehr beeindruckend.

Noch beeindruckender war, dass am vergangenen Samstag zahlreiche Gämsen auf diesen Gipfel kletterten, was sie dort wohl gesucht haben mögen? Durch das breite Kar geht es auf der linken Seite weiter hinauf bis zur Einsattelung (rechts vom Gipfel) und zum Skidepot, nur die letzten Meter sind steiler und erfordern die Spitzkehrentechnik. Hier angelangt genießt man die grandiosen Ausblicke: Im Westen sieht man u. a. Habicht und Pflerscher Tribulaun, im Osten die Anlagen des Hintertuxer Gletschers, Olperer und Hoher Riffler. Bis 1926 gehörte Hintertux übrigens zur Gemeinde Schmirn. Die Toten wurden daher über das Tuxerjoch durch das Schmirntal bis nach Steinach zum Friedhof gebracht. War das Wetter zu schlecht, wurden die Verstorbenen in Obern in einer Totenkammer aufbewahrt, bis ein Weitertransport möglich war.

Zurück zum Fischers Napf: Der Aufstieg (ohne Ski) zum Gipfel war aufgrund des wenigen Schnees nicht so ohne, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ein Muss. Bei der Abfahrt dann hatte man in dem breiten Kar jede Menge Möglichkeiten, noch frische Spuren in den Pulverschnee zu setzen, und inzwischen wird es wohl auch in Talnähe, wo mehr Schnee wünschenswert gewesen wäre, besser aussehen. Und noch ein Tipp: Im Ort gibt es ein Lawinensuchfeld, wo LVS-Sender vergraben sind. „Hier kann jeder Tourengeher das Suchen und Sondieren ausprobieren. Dafür braucht man zehn Minuten und kann möglicherweise im Ernstfall Leben retten", so Veider.

Links kann man bereits den felsdurchsetzten Fischers Napf erkennen (1), der Gipfelaufstieg ohne Ski war am vergangenen Wochenende ein wenig mühsam (2). Der erste Anstieg bis zu einer Holzhütte ist auch etwas anstrengend (3), dann wird es leichter.Foto: Rapp
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