Letztes Update am Di, 05.12.2017 09:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internet

Unterseekabel: Schneller Datenstrom am Meeresgrund

Unterseekabel sind auch im Zeitalter von Satelliten nicht „für die Fisch“. Spionage und Haie bedrohen die immer schnellere Internet-Verbindung.

© AFPNeuer Anschluss: Bei Sopelana (Spanien) wird ein neues Kabel verlegt.



Von Philipp Schwartze

Klick. Für uns ist es nur eine kleine Fingerbewegung. Damit schicken wir digitale Daten aber auf große Reise. Versenden wir etwa eine E-Mail in die USA, überwindet sie den Atlantik in mehreren tausend Metern Tiefe mit Lichtgeschwindigkeit. Am Meeresboden fließt der alltägliche Datenstrom.

Immer mehr Daten-Verkehr

Facebook und Microsoft haben kürzlich ein neues Unterseekabel verlegen lassen, weil immer mehr Menschen online sind. Die Datenmenge könnte sich nach einigen Schätzungen bis 2025 verachtfachen. 6600 Kilometer überwindet das neue, „Marea“ getaufte Kabel der beiden US-Unternehmen und eines spanischen Telekommunikationsunternehmens, im Durchschnitt liegt es 3300 Meter tief im Atlantik. „Marea“ führt vom US-Bundesstaat Virginia bis nach Bilbao, an die Küste Spaniens. Es ist so leistungsfähig, das man sechs Millionen HD-Videos gleichzeitig übermitteln kann, pro Sekunde sind das 160 Terabit. „Nicht die Geschwindigkeit des optischen Signals hat sich verändert, sondern die Kapazität der Übertragung“, sagt Slavisa Aleksic von der Hochschule für Telekommunikation im deutschen Leipzig. Im Labor arbeite man bereits an noch leistungsfähigeren Systemen. Zurzeit seien aber nicht die Kabel der Engpass, sondern Netzknoten-Punkte, ähnlich wie Kreuzungen im Straßenverkehr. Das Unterseekabel ist dabei die Daten-Autobahn.

Vielschichtig: Der Kern der Unterseekabel ist mehrfach geschützt.
- dpa

Der Internetnutzer bekommt von all dem nichts mit. Mehr als 300 Unterseekabel vernetzen die Welt unter Atlantik, Pazifik und anderen Meeren. Erst wenn ein Boot mit Fischernetz oder seinem Anker die Leitung durchtrennt hat, oder die Haie sich an den etwas mehr als gartenschlauchdicken Kabeln verbissen haben und damit Tausende ohne Internet sind, bemerkt man die Pulsadern der modernen Kommunikation. „In Küstennähe ist das schon vorgekommen. Da lassen sich die Kabel aber auch leichter reparieren oder austauschen als in fünf Kilometern Tiefe“, sagt Aleksic.

Um Schäden zu vermeiden, wurde etwa das „Marea“-Kabel in Küstennähe im Meeresboden versenkt, den Rest der Strecke liegt es auf dem Ozeanboden. Blitzschnell leiten die Glasfasern im Inneren des Kabels über Lichtwellen unsere Mails und andere Internet-Daten weiter.

„Die elektronischen Daten aus den Computern werden per Laser in Lichtimpulse umgewandelt und durch die Glasfaser geschickt. Am anderen Ende werden sie dann wieder in elektrische Impulse umgewandelt“, erklärt Aleksic das Prinzip. Wie bei einer Taschenlampe, die man ein- und ausschaltet. Neuere Systeme können noch viel mehr, etwa die Frequenz verändern, um mehr Daten durch das Kabel zu bekommen.

Die Kommunikation über Tiefseekabel an sich ist nicht neu. Bereits in den 1850ern wurde das erste transatlantische Kabel (TAT-1) verlegt. Es war die Telefon-Verbindung zwischen Schottland und Kanada.

Lichtimpulse „abhören“

Auch im digitalen Zeitalter triumphiert das Kabel über den Satellit. „Die Glasfaser-Übertragung ist derzeit die einzige Technologie für die effiziente Übertragung über weite Strecken. Ohne sie gäbe es kein Internet in der heutigen Form.“ Denn ein Satellit sorgt für längere Verzögerungen, bekannt etwa aus Gesprächen per Satelliten-Telefon. Auch die große Datenmenge kann er nicht bewältigen.

Zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte der 13. Nachfolger der ersten transatlantischen Telefonverbindung: Angeblich soll TAT-14, das unter anderem von den USA nach England und Deutschland führt, von Geheimdiensten angezapft worden sein. „Glasfaser ist derzeit die sicherste Verbindung. Man muss das Kabel direkt anzapfen, um an die Informationen zu gelangen“, erklärt der Telekommunikations-Experte. Bei Funk und Kupfer-Kabeln ist das nicht nötig. „Wenn sich aber jemand Zugang zu den Verbindungsstellen schafft, dann ist auch bei Glasfaser Abhören möglich.“

Eine solche Stelle des TAT-14-Kabels in Deutschland wurde zu einem der fünf bedrohtesten Terrorziele des Landes erklärt. Die Firma in der ostfriesischen Kleinstadt Norden, ehemals als Seekabelendstelle bezeichnet, darf inzwischen weder fotografiert noch von Journalisten betreten werden.

Die Mitarbeiter rücken zur Reparatur aus, falls erst das Kabel und dann der Datenstrom abreißt. Und zuhause am Computer nach dem Mausklick im Netz nichts passiert.