Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.01.2018


Bezirk Landeck

Blochziehen in Fiss: Ein Mann wie ein Bär

Alle vier Jahre verwandelt sich das beschauliche Fiss in einen Ort der Masken. Dieses Mal steht beim traditionellen Blochziehen Bärendarsteller Markus Schmid im Mittelpunkt. Und die Leitfigur überragt alle.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler TageMarkus Schmid lässt sich seine neue Maske aufsetzen.



Von Philipp Schwartze

Fiss – Markus Schmid hätte mit seinen Maßen von 2,05 Metern auch gut Basketballprofi werden können. Doch Schmid wurde vor 28 Jahren als Sohn eines begeisterten Fasnacht-Darstellers in Fiss geboren. Alle vier Jahre ziehen 400 Fisser ab 15 Jahren durch den Dorfkern der 1000-Seelen-Gemeinde, denn das Blochziehen ist traditionell den Männer vorbehalten. Eine sechs Tonnen schwere und 36 Meter lange Zirbe ziehen sie dabei, begleitet von verschiedenen verkleideten Darstellern, durch den Ort. Es ist das wohl wichtigste Ereignis für Fiss. Am 28. Jänner ist es wieder so weit. 10.000 Zuschauer werden erwartet.

Seine Körpergröße von mehr als zwei Metern macht Schmid im Bärenkostüm zu einer beeindruckenden Erscheinung.
- Foto Rudy De Moor

Der Werdegang von Markus Schmid war also durchaus vorbestimmt: Als vor zwölf Jahren ein Generationenwechsel anstand und für die Rolle des Bären ein neuer Darsteller gesucht wurde, fiel die Wahl – wenig überraschend – auf den damals 16-Jährigen. „Meine Statur hat dabei sicher eine Rolle gespielt“, schmunzelt der Fisser und ordnet die Bedeutung der Wahl für Ortsunkundige gleich ein: „Jeder hier träumt davon, beim Blochziehen mitzumachen, das ist eine Ehre.“

In diesem Jahr wird der „Riese“ besonders im Mittelpunkt stehen: Das 21-köpfige Blochzieh-Komitee, in dem auch Schmid Mitglied ist, hat den Bären zur Leitfigur gewählt. „Die wechselt jedes Mal. Der Bär war zuletzt 1994 dran“, erklärt Blochzieh-Obmann Christian Kofler. „Wer ihn verkörpert, muss die richtigen Maße für die Rolle mitbringen.“

Schmid bringt dafür mit seiner unübersehbaren Präsenz alles mit, was es braucht. Obwohl er zugibt, auch beim dritten Mal noch nervös zu sein. „Wenn man da etwas falsch macht, bekommt man das vier Jahre lang im Ort zu hören“, sagt er, ehe er in sein Kostüm schlüpft. Das geht inzwischen einfacher als die letzten Male. „Durch die 50 Jahre alte Maske hat man nicht viel gesehen, durch die neue habe ich einen faustgroßen Tunnelblick“, beschreibt er. Auch das restliche Kostüm wurde in zweifacher Ausführung neu angefertigt. „Es war immer aus Hirschwinterfell, und das wird es auch immer bleiben“, sagt der 28-Jährige, der im Sportgeschäft seines Vaters arbeitet. Dann setzt er die Bärenmaske, in die ein Helm integriert ist, auf.

Unter Mithilfe von Obmann Christian Kofler schlüpft Markus Schmid in das Bärenkostüm.
- Foto Rudy De Moor

Am großen Tag wird er sich zunächst unter die Zuschauer mischen. Knapp vier Stunden lang zieht er in dem 15 Kilo schweren Kostüm durch Fiss, nachdem ihn die Bärentreiber in seinem Versteck gefunden haben. Der Bär versucht traditionell, den Zug aufzuhalten. Ist er eingefangen, wird er vor den Bloch gespannt. „Dabei muss ich mich auf die Bärentreiber verlassen können. Aber das sind sehr erfahrene Leute“, sagt der Fisser Bär.

Sein Vater ist heuer nicht mit von der Partie. „Einer muss das Geschäft führen, aber er meinte, zumindest einer von uns müsse dabei sein.“ Sechsmal hat Schmid senior den „Schwoaftuifl“, der am hinteren Blochende tanzt und in die Gegenrichtung zieht, verkörpert. „Das wäre schon mein Ehrgeiz, es auch so oft zu schaffen. Aber ich will es jedenfalls in vier Jahren noch einmal machen, wenn ich darf“, sagt er.

In Fiss werden die Rollen nämlich nicht vererbt, sondern vom Komitee vergeben. Seit zwei Monaten weiß Schmid von seinem Bären-Auftritt. Den anschließenden Muskelkater in den Armen kennt er bereits. „Das ist, wie mit 10-Kilo-Hanteln durch die Gegend zu laufen.“

Zum Schluss wird der Bloch versteigert, der Hüne legt sein Bärenkostüm ab. „Das heißt aber nicht, dass die Feier vorbei ist“, grinst er. Am nächsten Tag werden wohl einige Fisser mit Muskelkater oder Kopfweh zur Arbeit gehen.

Vor vier Jahren war er noch im alten Aufzug vor dem Zirbenbloch unterwegs.
- Andreas Kirschner