Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.01.2018


Tourentipp

Ein wahrer Märchenwald: Skitour auf den Eggerberg

Bei angespannter Lawinensituation ins Gelände? Die Skitour auf den Eggerberg am Eingang des Obernbergtals bietet eine sichere Alternative – und schön ist sie auch.

© RappEin Traum ist die Abfahrt – vor allem wenn es im Pulver durch die Lärchenwälder geht.



Von Irene Rapp

Gries am Brenner – Einige Gipfel in den Brennerbergen kann man zum Glück auch bei angespannterer Lawinensituation ins Auge fassen. Das zeigte u.a. das vergangene Wochenende, wo unzählige Tourengeher auf den Sattelberg am Eingang des Obernbergtals gingen und auf der gegenüberliegenden Talseite nicht viel weniger auf den Eggerberg (2280 m) bzw. Leitnerberg (2309 m).

Wir wählten den Eggerberg, der alpinistisch gesehen zwar wenig Herausforderungen bietet. Dafür präsentieren sich die lichten Lärchenwälder und die Bergmähder nicht nur im Spätherbst, sondern auch im Winter als märchenhafte Kulisse. Und wenn es so wie am vergangenen Samstag möglich ist, die Tour vom Tal aus zu gehen und es dazu noch super Pulver hat, dann ist das Glück perfekt.

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So kommt man hin: Die Kehrseite der Medaille ist die Parkplatzsituation. Wenn man von Gries ins Obernbergtal abbiegt und nach Vinaders kommt, gibt es an der Straße unterhalb der Kirche zwar einige wenige Abstellflächen – diese sind allerdings (bis auf zwei Plätze) nur Gästen des Gasthauses Vinaders vorbehalten. Der Parkplatz oberhalb der Kirche wiederum ist nur für Besucher der Sattelbergalm und entlang der Straße von Nösslach nach Vinaders sind die Möglichkeiten, ein Auto abzustellen, ebenfalls begrenzt.

Am besten ist es daher, sein Fahrzeug auf den von der Gemeinde bewirtschafteten Parkplätzen am Eingang des Obernbergtals (der von den Skitourengehern auf den Sattelberg genutzt wird) abzustellen (Preis: 3 Euro pro Tag). Dann muss man zwar zu Fuß bis zum Ausgangspunkt unterhalb der Kirche von Vinaders gehen, aber besser als eine Strafe zu kassieren ist das allemal. Wenn man dort dann endlich die Skier anschnallen kann, wird man noch etwas feststellen: Selbst spuren zu müssen ist bei den Touren auf den Egger- bzw. Leitnerberg selten der Fall.

Der Eggerberg (die Erhebung in der Bildmitte) ist alpinistisch gesehen keine Herausforderung und mehr Mugl als Berg.
- Rapp

Zunächst also geht es unmittelbar gegenüber des Gasthauses Vinaders über eine steile Wiese hinauf bis zu einem kleinen Waldstück. Dieses hat man schnell durchquert, dann gelangt man auf die nächste große freie Fläche. In nordöstlicher Richtung zieht man hinauf, rechts ist der höchstgelegene Bauernhof der Gemeinde Gries zu sehen. Man hält sich links am Waldrand, bis man erstmals in den geschlossenen Wald gelangt. Hier ziehen viele Spuren hinauf, man hält sich immer in leicht nordwestlicher Richtung.

Durch mal mehr, mal weniger dichten Baumbestand geht es in mäßig ansteigendem Gelände hinauf, immer wieder kommt man an Heustadeln vorbei. Die Bergwiesen – die Eggermähder – werden nämlich zum Teil noch gemäht, in einigen Stadeln ist daher Heu gelagert. Spitzkehren sind hier so gut wie nie der Fall, das Gelände ist – wie gesagt – nicht sehr anspruchsvoll und daher auch ideal für Skitoureneinsteiger. Langsam wird es lichter, wenn man auf eine große, ziemlich freie Fläche kommt, muss man sich dann entscheiden: links hinauf zum Leitnerberg oder rechts zum Eggerberg? Beide Erhebungen kann man von hier aus schon gut sehen, zwischen beiden liegt das Eggerjoch. Bereits von hier aus kann man auch schon die Ausblicke genießen – u.a. auf Olperer und Fußstein sowie die südlichen Nachbarn wie etwa den Wolfendorn.

Dass es hier oft stürmisch zugeht, beweist das Gipfelkreuz.
- Rapp

Die Brennerberge sind allerdings für noch etwas bekannt – und zwar pfeift hier oft der Wind. Das Gipfelkreuz am Eggerberg präsentiert sich möglicherweise aus diesem Grund ein wenig schief, an den Verankerungsseilen waren schöne Eisgebilde zu entdecken. Das Gipfelgelände war auch etwas abgeblasen, während es weiter herunten guten Pulver hatte. Doch nach den letzten Schneefällen könnte sich das Bild schon wieder anders präsentieren.

Die letzten Höhenmeter hinauf geht man die Erhebung dann nicht direkt von vorn, sondern von der linken Seite her an, das Gipfelkreuz zeigt sich – leicht zurückversetzt – erst auf den letzten Metern des Eggerberges.

Aufgrund des heftigen Windes war die Gipfelrast am vergangenen Samstag daher nicht lang, wir legten eine längere Pause erst weiter herunten bei einer der Holzhütten im Wald ein (bei dieser hing an der Tür ein großer Sitzpolster, sodass man wie im Wohnzimmer Platz nehmen konnte – danke!). Die Abfahrt kann man dann genießen, die weiten Hänge präsentierten sich zuletzt noch großteils unverspurt und pulvrig. Und da das Gelände südostseitig liegt, firnt es auch früh auf.

Auf eines muss man allerdings aufpassen: an einigen Stellen – auch vom Leitnerberg und der taleinwärts nachfolgenden Rötenspitze herab – gibt es Stacheldrahtzäune, da besteht bei rasanter Abfahrt die Gefahr des Einfädelns. Und wer jetzt glaubt, dass man bei dieser gemütlichen Tour nichts getan hat, der täuscht sich: vom Tal aus legt man auf den 2280 Meter hohen Eggerberg immerhin rund 1000 Höhenmeter zurück.

Der Eggerberg (2, die Erhebung in der Bildmitte) ist alpinistisch gesehen keine Herausforderung und mehr Mugl als Berg. Dass es hier oft stürmisch zugeht, beweist das Gipfelkreuz (3). Ein Traum ist die Abfahrt (1) – vor allem wenn es im Pulver durch die Lärchenwälder geht. Fotos: Rapp
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