Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Tourentipp

Skitour zur Halslspitze: Lang, aber lohnenswert

Das Gebiet um die Weidener Hütte in den Tuxer Alpen bietet zig Möglichkeiten für Skitourengeher. Danach kann man in der Hütte bei Wirt Thomas Hussl richtig schlemmen.

© privatDie Anstrengung ist vergessen, sobald man auf dem Gipfel steht.



Von Irene Rapp

Weerberg – Traumtage können so aussehen: Wetter gut, unverspurte Hänge mit traumhaftestem Pulver, eine gemütliche Einkehr samt wohlschmeckendem Essen. So geschehen am vergangenen Sonntag, als wir mit den Tourenskiern auf die Halslspitze (2574 m) im Nafingtal stiegen. Zugegeben, bis man am Ziel angelangt ist, hat man viel getan: 9 Entfernungskilometer sowie 1300 Höhenmeter. Dafür entschädigte alles Nachfolgende mehr als genug: nach einer Abfahrt wie aus dem Bilderbuch kehrten wir nämlich noch auf der Weidener Hütte (1799 m) ein, wo Thomas Hussl den Gaumen zu verwöhnen weiß.

Seit zehn Jahren ist der Kolsassberger hier im Einsatz, „aber eigentlich wollte ich nie Hüttenwirt werden“, erzählt er lachend. Doch dann kam es, wie so oft im Leben, anders als gedacht. Unter der Woche wird der Kolsassberger von Kellner Iwan aus Bulgarien und Padam aus Nepal unterstützt. Von beiden schwärmt Hussl, der weiß, wie schwierig es ist, gutes Personal zu bekommen, in höchsten Tönen. Am Wochenende hilft zudem noch Ehefrau Andrea mit, die unter der Woche mit den beiden Kindern im Tal wohnt.

Zunächst geht es an der Weidener Hütte vorbei.
- Irene Rapp

So kommt man hin: In Weerberg fährt man bis Innerst und wer – vor allem am Wochenende – spät aufsteht, findet am großen Parkplatz wohl keinen Platz mehr. An schönen Wochenenden sorgen daher Männer der Freiwilligen Feuerwehr dafür, dass jeder ordentlich parkt – auch entlang der Straße – und kein Chaos entsteht (Parken: 3 €).

Zunächst geht es in einer schmalen Spur Richtung Weidener Hütte (Wegweiser) hinab zum Nurpensbach. Jetzt kann man hier noch gut mit Skiern unterwegs sein, im Frühjahr muss man die Brettln oft kurz schultern. Über eine Brücke und hinauf zu einem Forstweg, der die Rodelbahn herab von der Weidener Hütte darstellt.

Rund 7,5 Kilometer ist diese Naturrodelbahn lang, präpariert wird sie von Thomas Hussl. Die meiste Zeit geht es daher auch auf der Rodelbahn (gleich zu Beginn gibt es eine Abkürzung durch den Wald) zur Weidener Hütte. Man bewegt sich vor allem im Wald, nur langsam gewinnt man an Höhe und bis zum ersten Ziel ist man schon rund 1,5 Stunden unterwegs. Erst kurz zuvor lichtet sich das Gelände, man kommt an einigen Hütten und einem Haus vorbei und steht dann endlich vor der Weidener Hütte.

Nächster Orientierungspunkt auf der Strecke ist die Nafingalm.
- privat

Die alpine Unterkunft wird übrigens auch Nafinghütte genannt und wurde 2008 großzügig erweitert sowie saniert. „Wir sind komplett autark“, nennt Hussl ein Detail des Hüttenalltags und spricht damit eine eigene Quelle sowie ein eigenes Kraftwerk an.

Nicht nur aus diesem Grund ist bis Ende März jedes Wochenende – schlaftechnisch – ausgebucht. Von hier aus kann man nämlich sowohl als Anfänger als auch als Fortgeschrittener zahlreiche schöne Skitouren unternehmen – etwa auf das Nafingköpfl (2454 m), den Hohen Kopf (2373 m), den Rastkogel (2762 m) oder das Hobarjoch (2512 m). Und da ist es für viele angenehmer, schon direkt von der Hütte aus starten zu können.

Weiter geht es in südöstlicher Richtung und von der Weidener Hütte aus kann man das Gipfelkreuz auf der Halslspitze schon sehen. Genau gesagt steht dieses ja nicht am höchsten Punkt (dort gibt es nur einen Pfosten), sondern ein wenig nordwestlicher und so, dass man das christliche Symbol von der Hütte aus sieht. Von besagter Vorhalslspitze spricht aber niemand, wenn er hier heroben steht – und wer will, kann ja immer noch die paar Meter bis zum höchsten Punkt stapfen.

Zunächst also auf der linken Talseite zu den Gebäuden der Nafingalm, gleich dahinter, immer links haltend, über schöne, mittelsteile Hänge hinauf. Mit jedem Höhenmeter tut sich das Gelände mehr auf, die Ausblicke auf das Inntal, Tuxer sowie Zillertaler Alpen mit dem Hintertuxer Gletscher sind phänomenal. Gespurt ist hier übrigens meistens, dafür sorgen schon die Übernachtungsgäste der Weidener Hütte. Wenn man allerdings in der Früh am Parkplatz in Innerst mit gefühlten Hunderten anderen startet, kann man sich nicht vorstellen, dass man hier – am Ende des Nafingtales – auch alleine unterwegs sein kann.

Zurück zur Tour: Wir haben uns am Sonntag dem Gipfelkreuz in südöstlicher Richtung genähert, man kann allerdings auch südwestlich über einen Kamm aufsteigen. Im oberen Bereich passiert man einige interessante „Felsfiguren“, immer wieder zeigt sich auch kurz das Gipfelkreuz, doch die letzten Meter/Höhenmeter ziehen sich – und wie. Dann jedoch steht man endlich am Kreuz und kann die traumhafte Aussicht genießen.

Wenn man talauswärts schaut, kann man erahnen, wie weit man schon gegangen ist.
- Irene Rapp

Bei der Abfahrt dann hieß es auf den ersten Metern aufpassen, der Wind hatte ordentlich geblasen und es bestand Steinkontakt. Nach wenigen Metern konnte jedoch der traumhafte Pulver genossen werden, die nicht steilen und weiten Hänge lassen zig Abfahrtsmöglichkeiten zu. Genau aus diesem Grund ist diese Tour auch wenig lawinengefährdet, auf die Notfall­ausrüstung darf jedoch trotzdem nicht verzichtet werden.

Auf der Weidener Hütte dann genossen wir nepalesische Nudeln von dem gelernten Koch Hussl. Die Speisekarte ist zwar bereits jetzt umfangreich, „im Sommer sieht das jedoch noch einmal anders aus“, erzählt er. Und am Ende verrät er doch noch, warum er jetzt schon seit zehn Jahren Hüttenwirt ist: „Ich bin mein Leben lang in der Gastronomie gewesen, meine Eltern hatten ein Gasthaus, ich koche für mein Leben gern.“

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter www.tt.com/lebensart oder direkt unter go.tt.com/2C2z2i6

Zurück ging es dann wieder auf dem Rodelweg, bis zu der unübersehbaren Stelle, wo es zum Nurpensbach hinabgeht. Kleiner Wermutstropfen ganz zum Schluss: mit vollem Bauch den Gegenanstieg hinauf zum Parkplatz noch zu bewältigen, doch auch der war schnell geschafft.

Zunächst geht es an der Weidener Hütte (2) vorbei zur Nafingalm (3, eingezeichnet der Gipfel der Halslspitze). Wenn man talauswärts schaut, kann man erahnen, wie weit man schon gegangen ist (4), bis man endlich auf dem Gipfel steht (1).Fotos: Rapp
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