Letztes Update am Do, 08.02.2018 12:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fasching in Tirol

Wie viel Narrenfreiheit verträgt der Fasching?

Ausgelassenes Feiern gehört auch in Tirol zum Fasching. Die Polizei will mit verstärkter Präsenz präventiv für Sicherheit sorgen. Abseits des Gesetzes gibt es aber auch moralische “Straftaten“, etwa bei der Wahl des Kostüms.

© Andreas Rottensteiner / TTDer Fasching lockt auch in Tirol wieder zigtausende "Narren" zu Feierlichkeiten in den Ortschaften.



Von Jasmine Hrdina

Innsbruck — Der Fasching steuert am unsinnigen Donnerstag wieder auf seinen alljährlichen Höhepunkt zu. Krapfen, Kostüme und Konfetti haben in den kommenden Tagen wieder Hochsaison, aber auch Ausgelassenheit und Frivolität werden temporär salonfähig. Während sich die Jüngsten unter uns in ihre Helden verwandeln und ihrer Fantasie freien Lauf lassen dürfen, werden Tausende Erwachsene wieder zu Kindern. Doch wie viel Narrenfreiheit verträgt der Fasching?

Die Polizei wird in den kommenden Tagen jedenfalls in allen Faschingshochburgen Tirols wieder verstärkt Präsenz zeigen, um für die Sicherheit des feiernden Volkes zu sorgen. In Kufstein etwa findet das bunte Treiben am Faschingsdienstag mit einer Open-Air Veranstaltung im Stadtzentrum seinen Höhepunkt. „Wir haben gesetzliche Vorgaben, an die werden wir uns halten. Da hilft auch eine Verkleidung nicht", kündigt Bezirkspolizeikommandant Walter Meingassner an.

Polizei setzt auf Prävention durch Präsenz

Bis Dienstag seien mehr Beamte im Einsatz, als sonst. Eine genaue Zahl dürfe er aus strategischen Gründen nicht nennen. Auch Zivilbeamten mischen sich unter das Partyvolk. Aber wie erkennt man potentiell gefährliche Personen, etwa Attentäter, unter all den Piraten, Rittern und Donald Trumps? Meingassner: „Das sind speziell geschulte Beamte mit viel Gespür und Erfahrung. Die merken, wenn etwas nicht stimmt." Gröbere Zwischenfälle hätte es in den vergangenen Jahren allerdings nie gegeben.

Wir suchen die besten Faschings-Kostüme der Tiroler!

Die Narren treiben es in den kommenden Tagen im ganzen Land wieder bunt. Schickt uns eure Faschingsbilder an forum@tt.com (Querformat und mit Ortsangabe).

Auch in Imst blickt Bezirkspolizeikommandant Hubert Juen auf 15 Jahre ohne große Probleme zurück. "Raufereien gibt es aber, wie bei Zeltfesten im Sommer, auch im Fasching." Auch hier setzt die Polizei auf Prävention vor Ort: "Dass jemand im Fasching ein Glas zu viel trinkt, lässt sich nicht vermeiden. Durch unsere Präsenz wollen wir aber im Vorfeld verhindern, dass sich Menschen alkoholisiert ans Steuer setzen oder körperlich aneinander geraten." Freilich werde es auch in ganz Tirol wieder mehr Verkehrskontrollen geben. "Dass sich jemals jemand hinter einer Maske versteckt hat, um eine Straftat zu begehen, daran kann ich mich nicht erinnern", resümiert Juen.

Kreativität zwischen "legitim" und "moralisch verwerflich"

Traditionelle Feierlichkeiten wie Fasching oder Halloween sind ja bekanntlich vom Verhüllungsverbot ausgenommen. Der Freiheit, sich für einen Tag in jemand anderen zu verwandeln, sind also zumindest gesetzlich keine Grenzen gesetzt. Oder doch? Was, wenn sich jemand als „Burka-Frau" verkleidet? „Wenn es eine arabisch sprechende Frau ist, wird man das sicher anders behandeln müssen, als wenn es sich offensichtlich um eine Kostümierung handelt", so Meingassner. Neben den rechtlichen sind da aber noch die moralischen Aspekte.

Nach heftiger Kritik wurde das Wort "Flüchtling" aus der Bezeichnung des Kostüms gestrichen.
- Screenshot Amazon

Manch Elterngeneration zeigte anno dazumal bei spontanen Einladungen ihrer Kinder auf Faschingsparties Kreativität und zauberte aus längst ausgedienten Hemden prompt ein „Bettler"-Kostüm, mit etwas Schuhcreme im Gesicht wurde man schnell zum „Neger". Heute undenkbar und gesellschaftlich wohl kaum toleriert. Doch eben solch ein Kostüm sorgte jüngst für einen Shitstorm in den sozialen Medien: Über den Online-Großhändler Amazon konnte man ein Kostüm mit der Bezeichnung „Flüchtlingskind" für knapp 20 Euro erstehen.

Ein blauer Pullunder, braune Cordhose und Baskenmütze bzw. ein beiges Kleid mit Bubikragen, weiße Socken und Sandalen, ein Koffer - das „Historisches Kostüm 1. bzw. 2. Weltkrieg" gibt es für Buben und Mädchen. Mittlerweile hat der Anbieter den Zusatz „Flüchtling" gestrichen, wer unter diesem Begriff sucht, findet aber immer noch dasselbe Kostüm.

Mit seinem "Nazi"-Kostüm schaffte es Prinz Harry im Jänner 2005 auf die Titelseite mehrere Zeitungen und erntete heftige Kritik.
- Getty Images North America

Auch Verkleidungen wie „deutscher Soldat" werden angeboten. Dass Kriegs-Kostüme aber nicht immer für eine kollektive Beifallsbekundung sorgen, musste auch Prinz Harry feststellen: 2005 gelangten Bilder einer privaten Kostümparty an die Öffentlichkeit, die den jungen Adeligen als Nazi verkleidet zeigten: Braune Uniform, schwarz-rot-goldene Flagge und Hakenkreuzbinde am Arm. Der öffentlichen Aufschrei damals war groß, Prinz Harry zeigte sich reuig.

<a href="https://polldaddy.com/poll/9934455/">Wie viel Narrenfreiheit verträgt das Faschings-Kostüm?</a>

An Fasching als Nazi durch Tirol zu marschieren, davon rät Sabine Reinthaler, Pressesprecherin der Polizei Tirol, jedenfalls ab: „Eindeutige Symbole wie Hakenkreuz oder SS-Zeichen fallen definitiv unter das Verbotsgesetz." Unabhängig vom Gesetz, sei die Wahl eines Kostüms ohnehin eine Frage der Moral, betont Reinthaler. "Zeit der Narren" ist eben nicht gleichzusetzen mit Zeit der Idioten.