Letztes Update am Do, 08.02.2018 09:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Opernball

Zeremonienmeister vor Opernball: „Dirty Dancing ist mein Lebensfilm“

Roman E. Svabek hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Zeremonienmeister des Wiener Opernballs erzählt von seinen Aufgaben und Herausforderungen.

© APAElegantes Flair im Ballsaal der Staatsoper.



Roman E. Svabek hat eine steile Karriere hingelegt. Der 42-Jährige erlernte ursprünglich einen technischen Beruf, bevor er zum Zeremonienmeister des Wiener Opernballs ernannt wurde. Der zweifache Vater führt mit Ehefrau Elisabeth, die diplomierte Tanzmeisterin ist, eine Tanzschule am Alsergrund in Wien.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Ball, den Sie organisiert haben?

Meinen ersten Ball habe ich als junger Tanzlehrer im Kursalon Hübner im Wiener Stadtpark ausgerichtet. Das war sehr aufregend, obwohl ich nur zwölf Paare koordinieren musste – am Opernball sind es 180! Seit damals habe ich eine Art Notfallkoffer zusammengestellt, in dem sich wichtige Utensilien befinden: Nähzeug und doppeltes Klebeband sind ein absolutes Muss. Damit kann ein heruntergerissener Saum wieder justiert werden. Wir verwenden weißen Flüssig-Tipp-Ex, um Flecken auf Kleidern zu kaschieren. Kreislauftropfen brauchen wir auch oft, denn das Lampenfieber unter den Tanzenden ist meistens groß.

Verraten Sie, wie die Liebe zum Tanzen bei Ihnen entstanden ist?

Ein Frack ist für Roman Svabek Arbeitskleidung.
- Tanzschule Svabek

Ganz einfach: Wenn man als Mann gut tanzen kann, dann hat man viele Freundinnen. Die Liebe zu den Frauen hat mich also zum Tanzen gebracht. Ich habe schon als Jugendlicher die Tanzschule Elmayer besucht. Bald durfte ich dort assistieren. Später habe ich eine Musical-Ausbildung mit Step, Jazz- und Ballett-Tanz absolviert und bei zahlreichen Step-Shows im Metropol-Theater mitgewirkt.

Wie sind Sie schließlich zum Zeremonienmeister des Wiener Opernballs geworden?

Ich wurde 2008 von der Staatsoper gefragt. Der mittlerweile verstorbene Klaus Mühlsiegel, ein großartiger Tanzmeister der alten Schule und einer meiner Lehrer, war zuvor 27 Jahre lang für die Opernball-Choreographie zuständig. Schließlich habe ich diese große Aufgabe übernommen.

Welche konkreten Aufgaben haben Sie als Zeremonienmeister beim Opernball?

Ich bin im Vorfeld für die Konzeption und schließlich für die Koordination der Eröffnung zuständig. Die Tanzpaare, das Ballett, der ganze Ablauf müssen reibungslos funktionieren. Da ist Disziplin gefragt.

Wie konzipieren Sie die Dramaturgie bei der Eröffnung?

Für mich ist die Konzeption der Choreographie etwas Einzigartiges. Jedes Jahr lasse ich mir etwas Neues einfallen. Natürlich gibt es Fixpunkte: Der Walzer und auch der Einzug selbst können vom Ablauf her nicht geändert werden. Deshalb arbeite ich an der Choreographie. Diesmal ist sie schneller, dafür aber stationär. Das bedeutet, die Paare bewegen sich nur innerhalb eines Quadratmeters.

Zur Inspiration höre ich Musik. Alle Ideen entstehen in meinem Kopf, es gibt keine Aufzeichnungen. Ich probiere verschiedene Tanz-Settings mit den Paaren aus. Meine langjährige Erfahrung hilft mir dabei sehr.

Sie verantworten die Auswahl der Tanzpaare. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Es gibt natürlich Teilnahmebedingungen: Man darf nicht jünger als 17 und nicht älter als 24 Jahre alt sein. Im Idealfall sollte man den Linkswalzer beherrschen, das heißt aber nicht, dass man ihn schon perfekt können muss. Man kann alles lernen, aber eben rechtzeitig (lacht). Es gibt klare Regeln. Absolute Pünktlichkeit! Wer einmal zu spät kommt, fliegt raus.

Was werden die Debütantinnen heuer tragen?

Das weiße Kleid ist wie jedes Jahr ein Muss. Die Swarovski-Tiara wird diesmal ein besonderes Prunkstück sein. Sie wurde von Dolce&Gabbana designed.

Werden Sie den Stargast von Richard Lugner, Schauspielerin Melanie Griffith, zum Tanz bitten oder haben Sie an diesem Abend ohnehin keine Zeit zum Tanzen?

Der Opernball ist für mich ein Arbeitstag. Ich werde an diesem Abend nicht vom Orchestergang wegkommen, weil ich auch alle drei Quadrillen ansagen muss. Frau Griffith werde ich deshalb gewiss nur von der Ferne sehen. Meine Frau koordiniert unser vierzehnköpfiges Team. Ich hoffe trotzdem, dass sich ein kurzer Walzer mit ihr ausgehen wird.

Welchen Tipp würden Sie einem Mann geben, der eine Frau zum Tanzen auffordert und dabei plötzlich feststellen muss, dass die Dame gar nicht tanzen kann?

Hier ist Einfühlungsvermögen gefragt. Man tanzt immer das, was der Schlechtere von beiden kann. Wenn die Dame gar nicht tanzen kann, dann empfehle ich vorher einen Abstecher an die Bar.

Hatten Sie auch mal eine „Dirty Dancing“-Phase?

Es ist mein Lebensfilm! Dieser Kinoklassiker war der Auslöser, warum ich angefangen habe zu tanzen. Der Film vermittelt ein wunderbares Lebensgefühl. Natürlich habe ich die berühmte Hebefigur leidenschaftlich einstudiert: im niederösterreichischen Florian-Berndl-Bad am Bisamberg in Korneuburg.

Das Interview führte Gerlinde Tamerl


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