Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.02.2018


Innsbruck

Auktion in Amras zum höchsten Feiertag des Jahres

Den Unsinnigen feiert der Innsbrucker Stadtteil Amras auf spezielle Weise. Neben Schellenschlägern und Matschgerern ist eine Versteigerung beim Bierwirt das Highlight eines über 100 Jahre alten Brauchs.

Der Bierwirt Hannes Happ ist Organisator der jährlichen Versteigerung am Unsinnigen Donnerstag in Amras.

© Michael KristenDer Bierwirt Hannes Happ ist Organisator der jährlichen Versteigerung am Unsinnigen Donnerstag in Amras.



Von Evelin Stark

Innsbruck – „Acht Euro zum Ersten, zum Zweiten ... höre ich neun?“: So tönt es am Vorplatz des Gasthauses Bierwirt in Amras am Unsinnigen Donnerstag. Gleichzeitig werden zwei große gebrauchte Reisekoffer am Versteigerungstisch vom Auktionator dramatisch in Szene gesetzt. Das Publikum – teils verkleidet, teils nicht, aber bester Laune – steigert fleißig mit.

Hannes Happ ist Chef des Bierwirt und der Gastgeber des regen Treibens. Er ist zwar nicht mehr aktiv als Feuerwehrmann tätig, umso aktiver organisiert er aber alljährlich die große Amraser Auktion: „Ich habe das von meinem Vater übernommen, der das etliche Jahre gemacht hat“, erzählt er.

Der Unsinnige Donnerstag, so Happ, sei der höchste Feiertag des Jahres in Amras. Die Versteigerung als wichtiger Teil des sich über den Tag ziehenden Programms bringe traditionell das gesamte „Dorf“ an einem Platz zusammen. Bis 1938 war Amras nämlich noch eine eigenständige Dorfgemeinde, bevor es als Stadtteil von Innsbruck eingemeindet wurde.

Den Auktionator mimt hingebungsvoll Josef Leimsgruber.
Den Auktionator mimt hingebungsvoll Josef Leimsgruber.
- Michael Kristen

„Der Tag geht schon um 4 Uhr Früh mit den Schellenschlägern und den Matschgerern los, die durch Amras treiben“, so Happ. Bis Mitternacht gebe es dann durchgehend Faschingstreiben in den Straßen und Gaststätten.

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Und natürlich auch auf dem Platz vor dem Bierwirt: Neben dem an ein Kabarett erinnerndes Unterhaltungsprogramm von Auktionator Josef Leimgruber gibt es natürlich ganz dem Unsinnigen entsprechend Krapfen und das ein oder andere alkoholische Getränk, allein schon zum Warmhalten.

Bei der Auktion kann gekauft werden, was die Amraser Bevölkerung am Morgen gespendet hat. Es ist also durchaus möglich, dass der Nachbar das alte Bügeleisen der Frau von nebenan kauft. Oder ein ausgedientes Sofa woanders doch noch nicht ausgedient hat.

Hannes Happ ist auch derjenige, der alle Gegenstände im Auge hat und die zur Auktion stehenden Sachen so zusammenstellt, dass man auch etwas bekommt für sein Geld: Babylaufschule mit Spielsachen, Miniatur-Patscherkofelbahngondeln mit Seilzug oder etwa ein Paar gebrauchter Fahrräder.

Dass die Veranstaltung ganz nebenbei ein Riesenspaß für alle Beteiligten ist, ist nicht nur an den vielen fröhlichen Gesichtern zu sehen, sondern auch an der regen Teilnahme bei der Versteigerung der Gebrauchtgegenstände.

Der gute Zweck des Ganzen, dem der Erlös des Spektakels zukommt, wird dabei nie vergessen. „Früher hat man aus einer Not heraus Holz versteigert, damit die Feuerwehr neue Gerätschaften erwerben konnte. Das hat vor über 130 Jahren angefangen“, sagt Hannes Trenkwalder. Er ist als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Amras einer der Hauptverantwortlichen für die Veranstaltung.

Heute komme der Großteil des Geldes – wohlgemerkt einige tausend Euro – dem Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr Amras zugute. So hätte man zum Beispiel letztes Jahr neues Schuhwerk für die Jugend kaufen können, was sonst nicht möglich gewesen wäre.

Den Unsinnigen Donnerstag begehen die Feuerwehrmänner zwar nicht schon um 4 Uhr Früh, dennoch müssen sie zeitig ausrücken: „Wir fahren durch das ganze Dorf und sammeln alles ein, was die Leute vor ihre Häuser gestellt haben“, erzählt der Feuerwehrkommandant.

Inzwischen steht die traditionelle Brennholz-Versteigerung als letzter Punkt im Programm, wenn alle anderen Sachspenden aus dem Dorf bereits verkauft sind. Diese zeichnen sich mitunter durch viel Einfallsreichtum aus: „Von der Unterhose bis zu Wertgegenständen ist so ziemlich alles dabei, was wir hier versteigern“, grinst Happ. „Wir sind wie willhaben.at in live“, lacht der Bruder des Kommandanten, Michael Trenkwalder, während sein Kollege marktschreierisch einen funktionstüchtigen Kühlschrank mit zwei Weinflaschen zum Kauf anbietet. Der übliche Startpreis liegt übrigens immer bei 1 Euro.




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