Letztes Update am Mi, 14.02.2018 09:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Valentinstag

Die Butterseiten der Liebe in der Fastenzeit genießen

Es ist purer Zufall und für Beziehungsexperten doch ein Glücksfall: Die Fastenzeit beginnt heuer mit dem Valentinstag. Auch in der Liebe ist es manchmal ratsam, auf gewisse Dinge zu verzichten. Das haben die auf der nächsten Seite von uns aufgespürten historischen Liebespaare schon gewusst.

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Von Deborah Darnhofer

Der Valentinstag klingt fast so, fällt aber natürlich nicht immer auf einen Dienstag. Der 14. Februar ist schließlich wandlungsfähig – und heuer so stark wie selten. Statt Blumen, romantischem Essen bei Kerzenschein und Schokolade könnte es nämlich sauren Hering, dunkle Asche und Krautsuppe geben.

Der Tag der Liebenden fällt auf den Aschermittwoch, den Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit. „Der eine ist Ausdruck einer erotischen Weltzugewandtheit, überschwänglicher Freude und fröhlicher Ausgelassenheit. Der andere hingegen steht für innere Einkehr, Besinnung auf wesentliche Werte und Rückzug in die Stille“, findet Ehe-, Familien- und Lebensberater Hermann Horngacher aus Kufstein passende Worte.

Brot und (Liebes-)Spiele

Die beiden Tage könnten gegensätzlicher wohl nicht sein – Brot und Wasser statt Brot und (Liebes-)Spiele – und doch gehen sie zusammen. In Beziehungen fallen wir schließlich auch nicht automatisch auf die Butterseite. Das Liebesglück mag viele eher kurz- statt langfristig ereilen. Um es zu halten, ist (Beziehungs-)Arbeit vonnöten. Hier kommt der Verzicht ins Spiel.

Der „berauschende, überschäumende Konsum“ am Valentinstag und die „freiwillige Selbstbeschränkung, der selbst auferlegte Verzicht“ in der Fastenzeit stellen für Horngacher zwei Extreme dar: „Die Kunst im Leben und auch in der Liebe besteht darin, sich nicht in den beiden zu verlieren, sondern sie in ausgeglichener Balance zu halten.“ Ein bisschen süßer Konsum hier, ein wenig trockener Verzicht dort. Ein Zuviel und Zuwenig tut selten gut.

Deutlich wird das beim Essen wie in der Liebe. „Wer zu sehr aufeinanderpickt, läuft große Gefahr, bei einem Partner Abstoßung auszulösen, weil es ihm zu viel wird“, erklärt Horn­gacher. Der mit Nähe überforderte Partner ziehe sich dann zurück.

Der andere könnte die Reaktion falsch auffassen und das Gefühl bekommen, er muss noch mehr Nähe herstellen. „Das aber führt den anderen weiter weg.“

Horngachers Ratschlag lautet daher, lieber auf etwas gemeinsame Zeit verzichten und sich auf sich selbst besinnen. Statt der Nähe Raum zulassen, in diesem gehe der Partner dann wieder gerne auf den anderen zu und könne die gemeinsame Zeit genießen.

Blick auf den Partner richten

Nähe und viel gemeinsame Zeit kann dem einen gerade wichtig sein, dem anderen eben nicht. Ein weiterer Fastentipp schließt sich hier nahtlos an. „Auf eigene Bedürfnisse verzichten, das heißt, seine eigenen Interessen einmal nach hinten rücken“, erklärt die systemische Familientherapeutin Beate Persil-Gruber aus Lienz. Damit wird der Blick frei für die Bedürfnisse des Partners. Es ginge darum, eigene Erwartungen in den Hintergrund zu stellen.

Wenn die gemeinsame Zeit auf dem Programm steht, sollte sie nicht gleich verplant werden. Horn­gacher schlägt einen Verzicht auf das „Dabei-sein-Wollen um jeden Preis“ vor. Ihm kommen dabei vor allem Veranstaltungen und Stelldicheins in den Sinn. Wer auf jeder Hochzeit tanzen und überall dabei sein will, der sei weder bei sich selbst noch beim Partner, sondern ein „Adabei“. „Alles ist nur noch auf die Außenwirkung ausgerichtet. Die Beziehung kann mitunter zu wenig wahrgenommen werden“, gibt Horngacher zu bedenken. Die Fastenzeit kann hier eine Möglichkeit bieten. Einmal zuhause bleiben und faulenzen, rät der Beziehungsexperte. Mut zur Sofalücke quasi.

Bleibt dabei der Fernseher aus, ergibt sich Zeit für ein Gespräch, das im Beziehungs- und Familienalltag sonst gern zu kurz kommt. Aber Achtung: „In Paarbeziehungen schleichen sich oft Kommunikationsmuster ein“, weiß Heidi Dejakum, systemische Familientherapeutin aus Telfs. „Weil man sich so gut kennt, wird vorinterpretiert.“ Nach der Art: „Ich weiß, was jetzt kommt.“

Lieber persönliche Meinungen

„Du verstehst mich nie!“ oder „Du bist immer so schnell beleidigt“, vertonen sich die Vorwürfe an den Partner. Das Gegenüber fühle sich laut Dejakum dadurch aber kritisiert und angegriffen. Es reagiere postwendend mit Gegenangriffen oder Verteidigung. Das und die vorgefertigten Meinungen sind jedoch Gift für Gespräch und Beziehung. „Jeder sollte sich bewusst sein, was er sagen will und auf vorgefertigte Verallgemeinerungen verzichten.“

Lohnenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Verzicht, unbedingt Recht haben zu wollen. „Denn das entzweit und trennt die Betroffenen, statt sie zu einen“, findet Horngacher. Statt auf seinem Recht zu beharren, wäre es ratsam, sich in den anderen hineinzuversetzen und die Perspektive zu ändern.

Der Blick soll bis zum Partner reichen, aber nicht darüber hinaus. Vergleiche mit anderen Menschen und deren Beziehungen oder gar Vergleiche mit romantischen Filmliebschaften sind für den Experten gefährlich.

Den Fokus richtig einstellen

„Damit landet man in einem Die-anderen-haben-mehr oder Ich-bin-schlechter. Ich verliere die gesunde Mitte, mich und den Partner aus den Augen.“ Der Fokus sollte aber gerade auf einem selbst und auf dem Partner liegen. Mit diesem Blickwinkel fallen einem bestimmt die liebenswerten Seiten des Partners auf.

Niemals sollte nämlich auf Komplimente verzichtet werden. Die Frage „Hast du abgenommen?“ mag nach der Fastenzeit angebracht sein, andere Liebesbotschaften schmecken aber definitiv süßer.