Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Freizeit

100 Hütten und zwei Gipfel

Die Pfundser Tschey ist ein traumhaft schönes Hochtal, wie es in Tirol kaum ein zweites gibt. Von dort lassen sich gleich zwei schöne Gipfel auf nur einer Tour ersteigen.

© SpadingerAm Rauhen Kopf erwartete einen eine Steinpyramide.



Von Peter Spadinger

Pfunds – Den meisten Oberländern ist die Pfundser Tschey bestens bekannt. „Tschey ist ein romanischer Ausdruck und bedeutet ‚Hochtal‘“, erzählt Anton Thöni, Wirt im nahe gelegenen Gasthaus Berghof. An die 100 Hütten stehen hier auf den weitläufigen Wiesen verteilt.

Die meisten davon sind Heustadel, dazwischen gibt es aber auch so genannte Kochhütten – alle privat –, wo man sich, wie der Name verrät, versorgen, aber auch übernachten kann. Im Sommer, wenn das Heu geerntet wird, aber auch die beste Zeit zum Grillen ist, herrscht hier heroben reger Betrieb. Im Winter dagegen ist eher Beschaulichkeit angesagt. Ein paar Rodler, ein paar Winterwanderer und ein paar Skitourengeher verschlägt es hierher.

Einigen Tourengehern wird der höchste Gipfel der Gegend, das Hochjoch, ein Begriff sein. Wir haben am vergangenen Wochenende zwei weniger bekannte, aber höchst interessante Tourenberge bestiegen – den Lahnkopf und den benachbarten Rauhen Kopf.

Eine Hütte neben der anderen in der Pfundser Tschey.
- Spadinger

So kommt man hin: Auf der B180, der Reschenstraße, fährt man bis Pfunds, wo man am Ortsanfang links über die Brücke in den Ort fährt, bis man zu einem Kreisverkehr gelangt. Hier links abbiegen und der Beschilderung nach Greit folgen. Etwa 1,5 Kilometer nach dem Ortsteil Greit endet die Straße. Hier gibt es ausreichend kostenlose Parkplätze.

Wir starten Richtung Südosten sanft ansteigend über freie Wiesen entlang der zahlreichen Hütten und halten gerade auf die Rinne zu, die vom Hochjoch herunterzieht. Nach etwa einem Kilometer tut sich linker Hand ein weiteres kleines Seitental auf, dem wir Richtung Osten folgen. Geradeaus entlang des Gschneierbachs steigen wir auf, wobei das Gelände nun zunehmend steiler wird. Kurz bevor ein kleines Wäldchen den weiteren Weg geradeaus versperrt, führt uns der Anstieg nach links, wo wir über kleine Lichtungen recht steil rasch an Höhe gewinnen.

Fichten und Lärchen werden weniger, immer mehr dominieren die Zirben. Bald haben wir die Waldgrenze erreicht, nur noch ein paar Zirben begleiten uns. Man erreicht wunderbares, freies, leicht kupiertes Skigelände, das einen nach etwa zwei Stunden auf den Gipfel des Lahnkopfs (2471 m) bringt.

Am vergangenen Wochenende hielt sich die Zahl der Tourengeher in dieser Gegend in Grenzen – das Abfahrtsvergnügen war daher groß.
- Spadinger

Bei wunderbarer Aussicht – man sieht hinab auf die Pfundser Tschey und hinüber ins Skigebiet Fiss-Serfaus-Ladis – kann man sich nun unter dem schönen Gipfelkreuz überlegen, ob man es hier sein lässt oder noch einen weiteren Gipfel machen möchte. Will man noch den Rauhen Kopf besteigen, hat man als Erstes eine kurze Abfahrt vor sich, auf der man ca. 30 Höhenmeter verliert. Da relativ flach und einfach, absolviert man diese am besten aufgefellt. Danach ist es eigentlich nur noch ein einziger hindernisfreier Hang, der einen hinauf zum Gipfel des Rauhen Kopfs (2695 m) bringt. Ein schönes Steinmandl signalisiert uns, dass wir den höchsten Punkt erreicht haben.

Die Abfahrt erfolgt bis zum Sattel zwischen den beiden Gipfeln entlang der Aufstiegsspur. Bei sehr sicheren Verhältnissen kann man von dort direkt Richtung Südwesten in traumhafte Hänge einfahren, die puren Abfahrtsgenuss bereiten. Ist die Lawinensituation jedoch unsicher, sollte man unbedingt wieder zurück zum Lahnkopf und entlang der Aufstiegsspur abfahren. Auch dort fährt man über wunderbares Skigelände, ist aber auf der sicheren Seite.

Auf der restlichen Abfahrt über den flacheren Teil kann man es so richtig laufen lassen und ist dann leider viel zu früh wieder zurück beim Auto. Einkehrmöglichkeiten gibt es während der Tour keine, dafür kann man in Greit im Gasthaus Berghof die Tour auf der Sonnenterrasse gemütlich ausklingen lassen. Das Gasthaus hat durchgehend geöffnet, man bekommt auch am Nachmittag ein warmes Essen, Montag und Dienstag sind allerdings Ruhetage.

Fazit: Die Tour ist nicht ganz einfach – Spitzkehren sollte man beherrschen –, bringt für gute Skifahrer aber wirklich tollen Abfahrtsspaß in einer äußerst interessanten und schönen Gegend. Und überlaufen ist die Tour auch nicht besonders.




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