Letztes Update am Mo, 12.03.2018 11:42

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Eifersucht: Wenn der Partner auf den Lockvogel fliegt

Geht sie fremd? Hat er eine andere? Quälende Fragen. Eifersucht betrifft quasi jeden. Nimmt sie nicht überhand, ist sie ungefährlich. Wer in Sachen Treue ganz sichergehen will, bucht eine Treuetesterin.

Eifersucht – wer kennt sie nicht. In diesem Fall ist sie gerechtfertigt. Ganz offensichtlich. Oft plagt sie Menschen aber unbegründet.

© iStockEifersucht – wer kennt sie nicht. In diesem Fall ist sie gerechtfertigt. Ganz offensichtlich. Oft plagt sie Menschen aber unbegründet.



Teilen Sie Ihr Leben mit einem grüngeäugten Scheusal? Höchstwahrscheinlich. So bezeichnete William Shakespeare die Eifersucht. Nicht gerade charmant, aber durchaus zutreffend. Denn an wem nagt dieses Gefühl nicht, wenn der Partner auf einer Party eine Unbekannte anlächelt oder die Freundin abends eine SMS von ihrem Chef bekommt.

Eifersucht ist an sich ganz normal. Schon sechs Monate alte Kinder verspüren sie, wenn die Eltern Geschwister bevorzugen. Vom Gefühl, wenn der Kollege im Büro früher befördert wird, ganz zu schweigen. Bedenklich wird es, wenn diese Emotion überhandnimmt. „Bekommt der Partner auf Twitter etwa ein ,Like‘, ist das nichts Besonderes. Doch wer an übersteigerter, pathologischer Eifersucht leidet, kann da eine Liebeserklärung hineininterpretieren“, sagt Harald Oberbauer, Leiter der Eifersuchtsambulanz an der Uniklinik Innsbruck.

Ein Blick in sein Smartphone

Der Facharzt für Psychiatrie hat die Anlaufstelle vor 19 Jahren ins Leben gerufen, nachdem er ein Gutachten über einen Patienten erstellen sollte, der im Eifersuchtswahn seine Frau erschlagen hat: „Das ist natürlich ein extremes Beispiel. Meist wird die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigt, weil sie sich aus Eifersucht nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren können. Sie sind verunsichert und fühlen den Zwang, ständig im Smartphone des vermeintlich Untreuen nach dem Rechten zu sehen.“ Ein Zustand, der auch Therese Kersten nicht unbekannt ist: „Ich war hochschwanger, als ich erstmals vermutet habe, dass mein damaliger Partner eine andere hat.“ Wie Sherlock Holmes ging die heute 27-Jährige auf Spurensuche, durchforstete seine Mails und Anruflisten: „Diese Zeit war sehr belastend für mich, weil ich nicht wusste, woran ich bin.“

Die schlechte Nachricht: Er ging wirklich fremd. Die gute Nachricht: Kersten entwickelte daraus eine Geschäftsidee: „Ich habe mir gewünscht, dass es jemanden gibt, der seine Treue testet. Dann hätte ich gleich gewusst, ob die Beziehung Zukunft hat.“ Kurzum gründete sie die Agentur „die Treuetester“, bei der man einen von 350 „Lockvögeln“, unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Aussehens, buchen kann. Der Auftraggeber hat die Wahl, ob der Lockvogel via SMS, Telefon oder bei einem scheinbar zufälligen Treffen, etwa im Fitnessstudio, mit dem Partner flirtet. Auch das Ziel variiert: So manchem reicht es, zu wissen, ob der Partner die Beziehung verleugnet. Andere wollen herausfinden, wie weit er geht.

Spermaspuren-Tests

Ein gewöhnungsbedürftiges Konzept. Nicht zuletzt, weil „die Treuetester“ auch Spermaspuren-Tests auf der Unterwäsche der Freundin anbieten, für 239 Euro. SMS-Tests sind dagegen ein Schnäppchen: „34 Euro für zehn Nachrichten. Springt der Partner nicht darauf an, kann man zehn weitere für 24 Euro dazukaufen.“

Der Auftraggeber dürfte so Gewissheit bekommen. Aber ist es fair gegenüber dem Partner? Fraglich. „Zum Fremdgehen überreden wollen wir natürlich niemanden“, kontert Kersten.

Und selbst wenn sich der Partner als treu erweist, muss das nicht das Ende der Eifersucht bedeuten. „Wer pathologisch eifersüchtig ist, leidet meist an einer so genannten Basisstörung: Depression, Alkoholismus, latente Homosexualität oder ein Potenzproblem. Das gilt es in erster Linie zu behandeln“, weiß der Paartherapeut. Mit der Genesung der Basisstörung sei die Eifersucht meist überwunden.

Und was, wenn die Eifersucht begründet ist? Oberbauer rät in diesem Fall zur Paarberatung: „Das fördert eine saubere Trennung, bewegt dazu, die Affäre zu beenden, oder zu akzeptieren, dass der Partner nun mal zweigleisig fährt.“ Ob Letzteres gut gehen kann? (Judith Sam)

Eifersucht, die sinnvolle Qual

Eifersucht macht Sinn – evolutionär gesehen: Männern diente sie als emotionales Warnsignal, um sicherzugehen, dass die Kinder, um die er sich kümmert, nur von ihm sind. Frauen waren eifersüchtig, um sicherzugehen, dass der Mann keine zusätzlichen Familien gründet, mit denen man die Jagdausbeute teilen müsste. Heute besteht Eifersucht laut Mediziner Harald Oberbauer, weil Menschen Sicherheit sowie Beständigkeit suchen und teils von Verlustängs­ten geplagt werden.

Der Lockvogel: Neben den Erfahrungen aus ihrem unkonventionellen Berufsalltag beschreibt Therese Kersten in ihrem Buch „Lockvogel“ (Verlag „edition a“, 240 Seiten) auch Indizien, dass der Partner fremdgeht: „Sein Handy hat plötzlich einen Entsperrcode, er versteckt es, macht Überstunden, für die er weder bezahlt wird noch Zeitausgleich bekommt, legt mehr Wert als üblich auf sein Aussehen oder verliert das sexuelle Interesse.“