Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.04.2018


Freizeit

Viele Kilogramm Berg für ein Smartphone

Philippinische Gäste machen in Tirol auf die verheerenden Auswirkungen des industriellen Bergbaus aufmerksam.

© Div.Rina Libongen (l.) und Rolando Larracas zeigten in Ellbögen, welche Auswirkungen westliches Konsumverhalten auf ihre Heimat hat.Foto: Mair



Ellbögen – Zwei schwere Säcke stehen auf dem Tisch. Auf Etiketten steht, was drin ist: „8,5 kg Kupfererz enthalten 18 g Kupfer = 1 Smartphone“; und: „7,2 kg Golderz enthalten 0,0288 g Gold = 1 Smartphone“. Daneben liegen Kobalt, Nickel, Tantal, Silber, Zinn und Aluminium ebenso in den Mengen, die für ein Smartphone gebraucht werden. Für Mini-Erträge von Mineralien muss sehr viel Gestein abgetragen werden.

Rina Libongen und Rolando Larracas haben die Säcke von den Philippinen mitgebracht. Die Aktivisten leisten als Gäste des diözesanen Netzwerks Welthaus Bewusstseinsbildung. In Ellbögen kam am Montag keiner darum herum, seinen Elektronik-Konsum zu hinterfragen. Larracas und Libongen schilderten, dass auf fast jeder der mehr als 7500 Inseln des Pazifik-Archipels Rohstoffe vorkommen. Dass der Bergbau in den Händen von 170 Konzernen liegt, die Berge mit Stollen durchlöchern.

Die Philippinos hätten kaum etwas davon. „Ein Minenarbeiter bekommt acht Euro am Tag“, sagt Libongen. „Ein Kilo Arme-Leute-Reis kostet 70 Cent“, ergänzt Larracas. Libongen, die dem Bergvolk der Igorot angehört und in den Kordilleren vom traditionellen Goldabbau lebt, kämpft gegen Raub ihres Lebensraums durch die Minen-Multis. Denn auch Katastrophen wie Erdrutsche mehren sich. Auf Larracas’ Insel Mariduque haben giftige Abwässer einer Mine einen Fluss geflutet. Kinder und Erwachsene, die auf das Wasser angewiesen sind, wurden schwer krank. Mit einer NGO erkämpfte Larracas, dass in Mariduque 50 Jahre kein Bergbau mehr betrieben werden darf. Doch noch ist nicht alles erreicht.

Libongen und Larracas diskutieren heute um 19 Uhr an der Uni Innsbruck (Institut für Geografie, Innrain 52f, Raum 60706) mit Experten. Morgen sind sie um 7.50 Uhr im Welthaus der Diözese Innsbruck (Heiliggeiststr. 16/1) und um 19 Uhr im Gemeindehaus Buch/St. Margarethen zu Gast. Eintritt frei. (thm)