Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.04.2018


Freizeit

Die Burg am Wasserfall

Mötz – Mötzer Klamm – Burg Klamm – Obsteig – Mötz: Diese wildromantische Rundwanderung führt zu einsamen Flecken, Trittsicherheit ist erforderlich.

© RappDie Burg Klamm war u. a. schon in "Der Bergdoktor" zu sehen.



Von Irene Rapp

Mötz – Immer wieder erstaunt es einen, welche schönen Flecken Tirol zu bieten hat – auch in unmittelbarer Nähe von Hauptverkehrsrouten. Gleich neben der Fernpass-Strecke befindet sich etwa diese Rundwanderung, die wir am Mittwoch gemacht haben.

Ausgehend von Mötz ging es durch die Mötzer Klamm zur Burg Klamm (870 m) und über den Obsteiger Weiler Wald wieder nach Mötz retour. Eine wunderschöne Strecke, die wenig frequentiert zu sein scheint. Das merkt man u. a. an der zum Teil dürftigen Beschilderung – besonders am Anfang ist es gar nicht so leicht, den richtigen Weg zu finden – und die in die Jahre gekommenen Holzstiegen und -brücken, die durch die Klamm führen. In der Klamm ist Trittsicherheit erforderlich, da geht es einige Male steil hinab. Und nicht vergessen: ausreichend zum Trinken mitnehmen. Unterwegs findet sich zwar der eine oder andere Brunnen, aber vor allem die letzten Kilometer durch den südseitig ausgerichteten Föhrenwald können schweißtreibend sein.

Filmreif ist der Wasserfall in der Mötzer Klamm.
- Rapp

So kommt man hin: Ausgangspunkt ist das beschauliche Mötz, allerdings gibt es im Ort kaum Parkplätze. Wir haben daher das Auto beim Sportplatz geparkt (von der Autobahnabfahrt kommend gut beschildert) und sind von hier aus gestartet. Zunächst zurück ins Dorf und an der Pfarrkirche vorbei Richtung Norden in die Königsgasse. Man kommt u. a. an schmucken Einfamilienhäusern, Bauernhäusern und dem Gebäude der Feuerwehr vorbei, die Straße ist rund einen Kilometer lang, also nicht verunsichern lassen. Wenn der Asphalt endet, wandert man direkt entlang des Klammbaches am Klammweg weiter.

Immer auf der linken Seite des Gewässers dahin, nach einiger Zeit kommt man zu den allerletzten Häusern, daran vorbei in nördlicher Richtung in den Wald hinein (hier Wegweiser „Wasserfall, 30 Minuten“). Der breite Weg wird rasch schmäler, es geht über eine kleine Holzbrücke, hier startet der Klammsteig.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2EZrZbu

Nun auf der rechten Seite des Klammbaches zum Teil ziemlich steil bergauf dahin, einige Male gibt es Holztreppen, Trittsicherheit ist erforderlich. Der Bach rauscht derzeit ziemlich kräftig daher, die Gegend ist wildromantisch und naturbelassen. „Die Mötzer Klamm ist kein Müllplatz“, stand am Eingang des Klammweges auf einem Pfosten zu lesen – also bitte daran halten! Nahezu unvermittelt steht man dann vor dem Wasserfall, der einen Felsen zu sprengen und aus der darüberliegenden Burg zu kommen scheint, die Gischt ist gut zu spüren. Ein kleiner Steig führt direkt zum Wasser hinab: Ob sich hier Wagemutige eine Dusche gönnen? Gleich daneben im Fels sieht man eine eingebohrte Kletterroute. Im feuchten Gestein wird Klettern jedoch nicht so einfach sein.

Zunächst muss man durch die Klamm...
- Rapp

Noch ein paar wenige Meter geht es hinauf und dann steht man auf einer großen ebenen Fläche vor besagter Burg Klamm, die direkt an den Felsabgrund gebaut ist und größer bzw. weitläufiger ist, als sie aus der Ferne wirkt. Die Anlage wurde erstmals 1260 erwähnt und befindet sich heute in Privatbesitz, alle Gebäude sind gut erhalten und werden teilweise vermietet. „Es gibt zwei Ferienwohnungen hier“, erzählt Verwalter Christian Ruech (Tel. 05264/43107). Das Platzerl, das auf Obsteiger Gemeindegebiet liegt, hat jedenfalls Flair, strahlt Würde und Frieden aus. Und weil die Zufahrtsstraße privat ist, gibt es auch keinen Verkehr.

Weiter geht es in Richtung Westen an einem zur Burg gehörenden Fischteich samt Boot vorbei. Leicht ansteigend hinauf zur Begräbniskapelle, wo die Urnen der Mitglieder der Besitzerfamilie von Burg Klamm in die Gemäuer eingearbeitet sind. Zwischen Wiese und Wald bewegt man sich auf einem Weg, die Leberblümchen und Sumpfdotterblumen blühen. Bei einer Wegteilung bleibt man links, nach wenigen Metern geht es nicht geradeaus weiter, sondern links hinab zu einer Holzbrücke (Wegweiser Wald). Über diese drüber und leicht links hinauf in den Wald, man erreicht eine lichte Ebene mit traumhaftem Blick auf die schneebedeckten Berge im Süden und die Mieminger Kette sowie den Weiler Wald (965 m), der zu Obsteig gehört. Über den Feldweg zu den Häusern bis zum Thalerhof mit Pferdekoppel und Haflingern auf der Hausfassade.

... auf dem Weg zum Weiler Wald kann man traumhafte Blicke genießen.
- Rapp

Unmittelbar davor links abbiegen und zum Wald, durch ein Gatter in einen Föhrenwald, geradeaus und dann rechts hinauf zu einer Hütte. Hier sollte man die wenigen Meter links gehen, zu einem Platz, der „Schöne Aussicht“ heißt und es auch ist. Auf Bänken kann man den Blick auf das Mieminger Plateau genießen und die Zeit vergessen.

Zurück bis zur Holzhütte und auf dem Forstweg hinab nach Mötz. Bei den ersten Häusern links halten, weiter zur Pfarrkirche und zum Ausgangspunkt zurück. Fazit: Die Wanderung ist zwar lang, aber kurzweilig. Doch schöne Plätze zum Rasten finden sich genug.

-