Letztes Update am Di, 24.04.2018 08:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Krimiführung in Innsbruck: Betrüger, Henker und ein Doppelmord

Tatort statt Wahrzeichen: Ewald Strohmar-Mauler zeigt bei seiner Krimiführung die verbrecherischen Seiten Innsbrucks. Ein schummriger Streifzug auf den Spuren von wahren Taten und mörderischer Literatur.

© TT/Thomas BöhmEwald Strohmar-Mauler bei seiner Krimiführung in Innsbruck.



Von Philipp Schwartze

Die Nacht bricht in Inns­bruck an. Ein Mann mit Zylinder, Wams und Lederjacke steht im Licht der letzten Sonnenstrahlen des Tages neben der Annasäule, die Ledertasche neben sich abgestellt. Der Mann ist aber kein Gaukler, sondern Fremdenführer Ewald Strohmar-Mauler. Er lauscht den Glockenklängen der Kirchtürme, holt eine Taschenuhr hervor und begrüßt um Punkt 19 Uhr zu seiner Krimiführung.

Krimifan mit Erzähltalent

„Ich wollte etwas Auffälliges, um gleich zu zeigen, dass es keine herkömmliche Stadtführung ist“, kommentiert der gebürtige Wiener, der seit 2005 in Tirol lebt, sein Outfit. Es lässt ihn wie einen Erzähler aus dem 19. Jahrhundert erscheinen. Doch darauf beschränkt sich seine Führung zeitlich nicht. In eineineinhalb Stunden begibt sich der 52-Jährige im schummrigen Licht zu Schauplätzen krimineller Taten im alten Innsbruck bis zurück ins Mittelalter.

Der studierte Kulturwissenschafter legte im März 2017 die Prüfung zum Fremdenführer ab. Schon zuvor bemerkte der begeisterte Krimileser und Tatort-Fan eine Themenlücke. „In vielen anderen Städten gibt es Krimiführungen, in Innsbruck fehlte das.“ Also trug er mit Hilfe des Stadtarchivs historische Kriminalfälle zusammen, spickte sie mit Informationen über frühere Gerichtsverfahren.

Schauplätze fiktiver Morde

Immer wieder greift Strohmar-Mauler in seine Ledertasche. Dann kommt der Literaturfan durch und er liest etwa in der Altstadt Zeilen aus Joe Fischlers Roman „Veilchens Winter“ vor. „Bei der Schilderung kann man hier genau verfolgen, welches Haus gemeint ist“, sagt er am Originalschauplatz des Innsbruck-Krimis.

Auch sein eigenes Buch hat er dabei: Die mittlerweile umfassende Sammlung von Anekdoten über Henker, Mörder und Betrüger erschien unter dem Titel „Wahre Kriminalgeschichten aus Innsbruck“ (9,95 Euro).

Die Führung startet jeden ers­ten Donnerstag im Monat um 19 Uhr bei der Annasäule und kostet 15 Euro pro Person. „Knapp hundert Teilnehmer hatte ich bislang“, freut sich der Mann mit dem Zylinder, nimmt seine Tasche und verabschiedet sich in die Nacht.