Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


Tourentipp

Wo die Natur gerade erwacht

Eulen auf den Eulenwiesen sucht man umsonst, dafür stolpert man dort derzeit über viele Frühlingsblumen: Die Wanderung oberhalb von Schönberg lebt von Idylle und Stille.

© Irene Rapp



Von Irene Rapp

Schönberg – In weiten Teilen Tirols steht seit Wochen alles in voller Blüte. In der Höhe beginnt die Natur aber erst langsam zu erwachen. Am Samstag waren wir auf den Eulenwiesen oberhalb von Gleins/Schönberg unterwegs. Dabei handelt es sich um liebevoll gepflegte Bergwiesen inmitten einer Lärchen-Landschaft, wo in diesen Tagen Krokusse, Küchenschellen, Enziane und Anemonen aus dem Boden schießen.

Blumenliebhabern wird das Herz lachen: Die Lärchen blühen ebenso wie die Küchenschellen.
- Irene Rapp

Auch das typische Frühjahrsgrün lässt sich schon blicken, wenngleich vereinzelt Schneereste erahnen lassen, dass sich der Winter hier auf rund 1700 Metern Höhe erst vor Kurzem verabschiedet hat. Die gemütliche Rundwanderung wurde auf Initiative des TVB Stubai und der Besitzer des Alpengasthauses Gleinserhof mit Wegweisern ausgeschildert, führt meist über Forstwege und gemütliche Waldwege dahin und ist somit auch für schwächere Geher machbar. Und was man nicht vermuten würde: Auch wenn man sich hier oberhalb der Transit-Gemeinde Schönberg und quasi zwischen Wipptal bzw. Stubaital bewegt, hört man keinen Verkehrslärm, zum Glück.

So kommt man hin: In der Gemeinde Schönberg der Beschilderung zum Alpen- gasthaus Gleinserhof folgen, unter der A13 durch und die schmale Asphaltstraße hinauf, bis man zu einigen Häusern und schließlich dem Gasthaus kommt. Dort gibt es einige kostenlose Parkplätze, die man benutzen kann, solange man danach auch einkehrt. Zunächst Richtung Süden in den Wald hinein, die immer noch reichlich mit Schnee bedeckte Serles hat man dabei gut im Blick.

Die beeindruckende Serles hat man bei der Wanderung immer im Blick.
- Irene Rapp

Man geht so lange geradeaus, bis man zu einem großen Platz mit Holzstößen kommt. Dort teilt sich der Weg, wir wandern links hinauf (Wegweiser). Der breite Forstweg zieht sich nun stetig ansteigend zunächst hinauf, das erste Stück des Eulenwiesenweges mag zwar ein wenig monoton sein, andererseits lässt sich hier gut abschalten.

Man hält sich immer an der Beschilderung und wenn der breite Forstweg schmäler wird und man zu einem Gatter kommt, ist man nach rund einer Stunde bei den Eulenwiesen auf rund 1700 Metern Höhe angelangt. Hier befindet man sich im Reich der Lärchen, die zwar im Herbst in leuchtendem Gold verzaubern mögen, aber jetzt in der Blüte stehen, was ebenfalls faszinierend ist. Dass es sich dabei um eine liebevoll gepflegte Kulturlandschaft handelt, erzählt Christoph Hammer vom Gleinserhof: Im Frühjahr werden die Reisigreste eingesammelt und, wenn die Bedingungen passen, abgebrannt. Im Sommer wird mit Handmäher oder händisch gemäht und das Heu für die Tiere im Herbst ins Tal geholt. „Wenn man hier nichts tun würde, wäre in ein paar Jahren alles zugewachsen.“ Die vielen Stadel beweisen, dass das wohl auch schon Hammers Vorfahren taten, auf jeden Fall lässt es sich hier gut sitzen, Blumen bewundern oder ein- fach nur in die Luft schauen.

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Den Track für die Tour finden Sie unter go.tt.com/2rh18D7

Wer auf den Eulenwiesen allerdings Eulen sucht, wird nicht fündig werden. „Dieser Begriff wurde vom umgangssprachlichen Ausdruck für Flur abgeleitet“, klärt Hammer auf. Aber dafür hört man jede Menge andere Vögel und mit ein wenig Glück sieht man sie auch.

Wenn man sich von den Eulenwiesen losreißen kann, geht man in südliche Richtung weiter, auf einem Weglein ein wenig bergab auf die nächste größere Ebene, wo eine relativ neue Hütte steht. Der „Eulen-Stadl“ lädt zum Verweilen auf Bänken inmitten der Lärchen ein, noch dazu hat der Vater von Christoph Hammer auf der Fensterbank einige kleine Fläschchen Schnaps deponiert – eine liebe Geste, die man in Maßen genießen sollte.

Beim Eulen-Stadel lässt es sich gut rasten – und Schnaps trinken.
- Irene Rapp

Auf einem Steiglein weiter bergab, ein kurzes Stück lang wird es steiler, vorbei geht es an einem Gedenkkreuz für einen an dieser Stelle Verunglückten und dann gelangt man wieder zu einem ebenen, breiteren Weg – ab hier befindet man sich auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt. Linkerhand liegt das Hochmoor „Mahder See“, auch hier befinden sich Stadel, einige davon bereits beim Verfallen.

Man hält sich nun immer auf dem breiten Weg, links rauscht ein Bächlein hinab, rechts hat man immer noch Lärchen im Blick. Wegweiser geben die Richtung vor und wenn man über ein Gatter steigen muss, gelangt man auf die Forststraße, die hinauf nach Maria Waldrast führt.

Wir halten uns rechts, es geht leicht bergab und nach wenigen Metern kommt man zu einem Steiglein, das rechts hinab in den Wald führt (Wegweiser). Hier kürzt man die Forststraße ab, geht ein kurzes Stück durch den Wald und gelangt nach wenigen Minuten wieder auf den Forstweg, der retour zum Ausgangspunkt führt. Und nicht vergessen: beim Gleinserhof einkehren!

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