Letztes Update am Do, 03.05.2018 15:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Obstbaumblüten

Heiliger Birnbam, jetzt blüht uns was!

Klotzen, nicht kleckern, lautet im Frühling die Devise bei den Obstbäumen. Mit ihrer Blütenpracht erfreuen sie das Auge und tragen richtig dick auf, um Bestäuber anzulocken. Damit wir im Herbst süße Früchtchen ernten können, müssen wir den Überfliegern aber Grenzen setzen.

© iStockAuch ein alter Kirschbaum blüht im Frühling wieder auf.



Von Theresa Mair

Frühlingsgefühle haben die Natur erfasst. Wo das Auge hinsieht, spielt sie gerade alle ihre Trümpfe aus. Allen voran die Obstbäume, die sich in ihrer Werbung um Bestäuber dick aufplustern und dem Betrachter rosige Anblicke und Duftnoten bescheren.

Apfelbäume sind die einzigen, die es in der Blüte bunt treiben. Die Farben unterscheiden sich abhängig von der Sorte.
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Denn egal ob Apfel, Kirsche oder Marille, alle Obstbäume sind Rosengewächse, wie Josef Gasteiger, Obstbau-Lehrer an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Rotholz sagt. Und er weiß noch mehr. Zwar könne man allein vom Aufbau der Blüte kaum herauslesen, welche Frucht der Baum tragen wird. Aber es gibt doch Unterschiede.

"Birnen blühen immer weiß", sagt Obstbau-Experte Josef Gasteiger. Die Kelche der zwittrigen Blüten ähneln Rosen.
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„Birnen, Zwetschken und Kirschen sind immer weißblühend, beim Apfel reicht das Farbspektrum hingegen vom Weiß des Gravensteiner über das Rosa der Rubinette bis hin zum Rot des Baya Maria“, schildert er. Abhängig von der Witterung im Frühjahr blühe Steinobst aber normalerweise zwei Wochen vor den kernigen Früchtchen auf. Generell habe sich die Blütezeit seit 1975 um etwa zwei Wochen nach vorn verlagert. Es beginnt schon früher zu blühen.

Heimische, früchtetragende Kirschbäume blühen meist weiß. Die gefüllte japanische Zierkirsche leuchtet dagegen pink.
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Bei Apfel-, Quitten- und Birnbäumen, also beim Kernobst, sitzt die Blütenknospe außerdem immer am Ende des Triebes und aus einer einzigen Knospe können vier bis sechs Blüten entstehen. „Wenn diese Blüten alle von Bienen und Hummeln mit Pollen befruchtet werden, entstehen viel zu viele Früchte“, sagt Gasteiger, der gleichzeitig davor warnt, wenn einem die Blütenpracht schöne Augen macht. „Der Baum kann die vielen Esser an seinen Zweigen nur ungenügend ernähren. Die Folge ist, dass die Früchte klein bleiben. Außerdem werden die Blütenknospen für das kommende Jahr schon Ende Juni gebildet und müssen sich dann gegen die Konkurrenz der vielen Früchte durchsetzen. Sie unterliegen.“ Das heißt, dass im nächsten Jahr die Ernte mau ausfällt. Einen Hang zur Übertreibung hat auch Steinobst, wobei sich bei Marille und Co. die Blüten entlang des Zweiges befinden und aus jeder Knospe immerhin nur eine Blüte hervorgeht.

Marillenblüten verteilen sich wie bei allem Steinobst auf den ganzen Zweigen. Aus jeder Knospe entsteht nur eine Blüte.
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Fleißige Obstbauern dünnen die Bäume deshalb aus, sobald die Früchte erbsengroß sind, „damit die verbleibenden einen süßen, aromatischen Geschmack erreichen. Ein Fingerbreit Abstand von Frucht zu Frucht wäre gut.“ Wenn ein Baum 20 Kilogramm Obst trägt, dann ist das auch genug.




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