Letztes Update am Fr, 04.05.2018 15:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Dagmar Koller: „Nur die Liebe zählt“

Dagmar Koller eroberte in den 70er-Jahren als Musicalstar die Herzen ihres Publikums. Außerdem war sie die glamouröse First Lady an der Seite des Wiener Bürgermeistes Helmut Zilk. Ein Gespräch über ihr Leben.

© APABuchtipp: Michael Balgavy "Dagmar Koller. Goldene Zeiten", Verlag für moderne Kunst, 336 Seiten, 49 Euro.



Frau Koller, Sie strahlen, als wären Sie frisch verliebt. Ist das alles nur Show oder werden Sie tatsächlich von Verliebtheitsgefühlen durchs Leben getragen?

Es gibt ein Schlüsselerlebnis. Ich sang 1971 die Erzählerin in dem Musical „Sorbas“. Das war eine sehr schwere Rolle. Ich musste jeden Abend das Lied singen „Nur Liebe zählt. Wenn sie fehlt, bleibt nichts mehr“. (singt) Ich habe sehr viel geübt. Dieses Lied war mein großes Glück, denn nach diesem Auftritt wurde ich auch in Österreich für das Musical entdeckt. Ich habe mir damals vorgenommen, dieser Satz wird mein Lebensmotto, denn er ist einfach wahr. Du musst etwas hundertprozentig lieben und deine ganze Intensität in die Gestaltung deines Lebens legen, denn erst dann wird es auch schön und erfolgreich. Außerdem liebe ich die Menschen. Ich gehe auf die Straße und bekomme so viel Zuneigung. Die Leute spüren, dass ich sie mag.

Ihr neues Buch „Goldene Zeiten“ ist eine wahre Zeitreise durch Ihr Leben. Wie ist es entstanden?

Der Grafikdesigner Michael Balgavy hat mir dieses kunstvolle Buch gewidmet. Ich hatte dafür ja eigentlich gar keine Zeit. Ich hab’ immer nur zu ihm gesagt: „Hier, nimm die Kisten mit den Fotos.“ Ich persönlich hätte nur die schönsten Bilder herausgesucht. Balgavy hat aber Fotos gefunden, die ich bereits ganz vergessen hatte. Gerade deshalb bringt mich dieses Buch zum Staunen, weil es Erinnerungen wachruft, die ich längst vergessen hätte.

Erstes Autogrammfoto.
- Koller

Helmut Zilk hat Ihnen nach der ersten Begegnung einen Strauß gelber Rosen geschickt mit einem Kärtchen, auf dem der Satz „Bitte dringend um Rückruf im Büro Zilk“ geschrieben stand. Haben Sie ihn sofort zurückgerufen?

Natürlich wollte ich ihn zurückrufen. Ich wurde auch sofort durchgestellt. (lacht). Er hat sich über meinen Anruf sehr gefreut und mich zur Weihnachtsfeier in sein Büro eingeladen.

1978 Koller heiratet Helmut Zilk. Er war von 1984 bis 1994 Bürgermeister der Stadt Wien.
- Koller

Wie war diese Weihnachtsfeier?

Ich stand vor der Eingangstür und habe mich noch kurz zurechtgemacht. Was ich nicht bemerkt hatte, war, dass Helmut Zilk zufällig hinter mir stand. Er stänkerte mich mit den Worten an: „Hab’ Sie neulich in so einem Klatschblattl gesehen, da steht drin, dass Sie heiraten, aber da wird nicht einmal gesagt, wen. So a Blödsinn.“ Ich hab’ zunächst recht unfreundlich auf seine freche Bemerkung reagiert und ihm gesagt, dass ihn das überhaupt nichts anginge. Das fand er unerhört und ist gegangen.

Wie war dann der weitere Verlauf des Abends?

Er gab nicht auf und kam wieder auf mich zu. Ich hatte in der Zwischenzeit zwei Whiskys getrunken. Ich war freundlicher. Er hat mich dann wieder zu einer Feier eingeladen, gemeinsam mit der damaligen Kulturstadträtin Sandner. Ich dachte, das wäre eine große Runde, tatsächlich waren nur Frau Sandner und ich geladen. Das müssen Sie sich vorstellen! Die Kulturstadträtin hat mich mit dem Zilk verkuppelt.

Wie sind Sie sich dann nähergekommen?

Wir waren über mehrere Monate nur befreundet. Nach einem halben Jahr habe ich mich eigentlich an seine Verehrung gewöhnt. Helmut Zilk hat mich fasziniert, weil er so anders war als viele Menschen, denen ich vorher begegnet bin. Keine Spur von Neid. Er war ein sehr großzügiger Mensch. Und das in jeder Hinsicht.

Haben Sie sich über Ihre künstlerische Arbeit ausgetauscht?

Helmut Zilk hat uns Künstler sehr verehrt und unsere Leistung zu schätzen gewusst. Wir haben uns intensiv über meine Arbeit ausgetauscht. Ich habe seine Anregungen immer ernst genommen.

Haben Sie sich auf der Bühne von Anfang an wohlgefühlt?

Je größer die Bühne, desto schöner. Ich konnte bei einem privaten Umtrunk nie etwas vorsingen. Da hätte ich mich geschämt. Eine große Bühne schafft eine Distanz zum Publikum. Ich kann mich besser entfalten.

Die Fotos in dem Bildband zeigen, dass Sie bis heute sehr schlank sind. Wie gelingt Ihnen das?

Mit Disziplin. Ich war Balletttänzerin. In jungen Jahren habe ich oft gelitten, weil ich eher mollig war, d. h., ich musste fas­ten. Viel Sport mache ich nicht, allerdings absolviere ich jeden Tag mein zehnminütiges Balletttraining. Außerdem achte ich bewusst auf mein Gewicht, denn ich habe schöne Kleider, die ich schon mein Leben lang trage.

Das Interview führte Gerlinde Tamerl