Letztes Update am Di, 08.05.2018 09:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tauben

Der gehasste schlaue Fuchs in der Luft

Tauben verblüffen mit ihrer Intelligenz und sind das Symbol für Frieden und Liebe, im christlichen Glauben stehen sie für den Heiligen Geist. Trotzdem werden sie vielfach gehasst und verschmäht. Ein Vogel mit einem Imageproblem.

© iStock(Symbolfoto)



Von Evelin Stark

Fuchs wird sie ja eigentlich selten genannt, die schlaue Taube. Als „Ratte der Lüfte“ kennt man sie schon eher. So oder so wird man diesen Vögeln nicht gerecht, auch wenn man schlichtweg von einer Taube spricht. Weltweit gibt es rund 300 Arten. Zeichnung und Farben gehen weit über Weiß und Grau hinaus. Viele Menschen sehen in ihnen schöne Vögel und lieben ihr Gurren. Züchter geben sich große Mühe und legen viel Herzblut in die Erhaltung ausgewählter Schönheiten. Nur mit der gewöhnlichen Stadttaube tut der moderne Mensch sich offenbar schwer.

Tauben verblüffen viele Wissenschafter mit geistigen Höchstleis­tungen. Studien aus Japan und den USA beschäftigen sich seit Jahren mit den Vögeln und damit, dass ihre fingerspitzengroßen Gehirne ganz ähnlich funktionieren wie die menschlichen. Ein Forscherteam der Universiät Iowa (USA) hat zum Beispiel vor drei Jahren herausgefunden, dass Tauben natürliche und künstliche Objekte erkennen und kategorisieren können. Die getesteten Vögel waren in der Lage, 128 Fotografien zu unterscheiden und in 16 Kategorien zu unterteilen. In einer anderen Studie lernten Tauben anhand von Mustergemälden, sogar Werke von Monet und Picasso zu unterscheiden.

Ein anderes wissenschaftliches Team von der Kyoto Universität in Japan hat erst kürzlich festgestellt, dass Tauben nicht nur ein phänomenales visuelles Gedächtnis haben, sondern um ihre Stärken und Schwächen wissen. In deren Test, der vor einem Computerbildschirm mit einer Tastatur bestehend aus einigen Symbolen stattfand, drückten die Taubenschnäbel immer dann auf die Hilfe-Taste, wenn sie wussten, dass sie eine Aufgabe nicht schaffen würden.

Warum die Vögel auf der visuellen Ebene so glänzen, ist leicht nachvollziehbar: Sie nützen diese Fähigkeiten in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie finden winzige Samen und Krümel auf grobkörnigem Untergrund und ihr Gedächtnis hilft ihnen dabei, den Weg zu finden. Die Vögel merken sich markante Wegpunkte, um sich gut orientieren zu können.

Dass Tauben ortstreu sind und immer wieder an ihre Brutplätze zurückkehren, mag vielleicht ein schöner Charakterzug sein, es macht die Vögel aber gleichzeitig zu der Plage, als die sie oft im städtischen Raum gesehen werden. Nicht dass sie selbst schuld wären, denn ungenutzte und vernachlässigte Dachböden bieten den Vögeln seit jeher unkontrollierbare Brutplätze. „Tauben bekommen das ganze Jahr immer wieder Junge“, weiß Christina Skupien vom Tierschutzverein Tirol. Gibt es also einen freien Platz, vermehren sie sich in rauen Mengen. Um zu verhindern, dass sich Tauben an öffentlichen und privaten Gebäuden heimelig fühlen, gibt es Spezialisten, die sich speziell der Taubenabwehr im städtischen Raum widmen.

Andreas Dolp und Peter Panagl sind die selbst ernannten „Tauben-Profis“ im Raum Tirol. Die Firma mit Sitz in Innsbruck bietet Taubenprävention vom Feinsten. „Wir sind ausgebildete Industriekletterer und arbeiten viel vom Seil aus oder mit Arbeitsbühnen“, sagt Dolp. Netze, Gitter, Dornen und Elektrosysteme sind in ihrem Angebot und sollen helfen, die als lästig empfundenen Tiere von Dächern und Gebäudenischen fernzuhalten. „Die kultivierte Haustaube ist nicht dumm und sehr geschickt“, weiß der Profi. Ein großer Teil seiner Arbeit sei es deshalb, sich in die Taube hineinzudenken und zu überlegen, wie sie sich verhalten würde.

Solche Taubenabwehrsysteme sieht Skupien wiederum kritisch: „In unser Tierheim werden laufend Tauben gebracht. Einige sind verletzt, andere schlüpfen erst bei uns“, sagt sie. Die Tiere würden sich an Klebestreifen und falsch angebrachten Dornen verletzen.

Dass es nur einen einzigen Taubenschlag in Innsbruck – am Dach der Neuen Mittelschule Olympisches Dorf – gibt, nennt Skupien als großes Problem, da nicht genügend Platz für alle Tauben der Stadt wäre. Ein weiteres Problem: „Die städtische Umgebung ist insgesamt schwierig. Die Tauben werden nicht älter als zwei bis drei Jahre, weil sie jeden Müll fressen und deshalb erkranken“, so die Tierschutz-Expertin. Ihr Überlebenswille sei stärker als der Ins­tinkt, der ihnen sagt, Fleisch und Abfälle nicht zu fressen.

Schade eigentlich, dass die Taube ihre Intelligenz nicht dafür nutzen kann, sich ein angenehmeres Zuhause zu suchen. Aber vielleicht helfen die Erkenntnisse der Wissenschaft über sie, dass sie nicht mehr als „Ratte der Lüfte“, sondern als äußerst gelehriger Vogel mit Sinn für Kunst, Bilder und Mengen gesehen wird, der zudem treu ist.




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