Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.05.2018


TT-Tourentipp

Die andere Seite des Bergisel

Auf der „Rückseite“ des Bergisel tut sich eine faszinierende Naturlandschaft auf. Grund genug, diese kurze Rundwanderung an einem der nächsten heißen Tage als Erfrischungsprogramm einzubauen.

© Irene RappDie Sprungschanze dominiert die Szenerie: auf der Aussichtsplattform als Schatten.



Von Irene Rapp

Innsbruck – Eigentlich ist er ja kein Berg, sondern eher ein 746-Meter-Mugel. Und dennoch lernt diese unscheinbare Erhebung jeder Schüler im Geschichtsunterricht kennen als einen der geschichtsträchtigsten Orte Tirols. Apropos Geschichte: Wenn der Freiheitskämpfer Andreas Hofer 2018 durch jenen Wald gehen könnte, in dem er einst gegen die Feinde Tirols kämpfte, dann würde er staunen.

Obenauf steht die beeindruckende Skisprungschanze von Zaha Hadid, unten durch brausen viele Autos und der Zug. Nur auf der „Rückseite“ des Bergisel präsentiert sich die Szenerie noch annähernd so, wie sie vielleicht vor 250 Jahren gewesen sein mag: mit dichtem Buschwerk und einer in diesen Tagen vom Schmelzwasser geprägten tosenden Sill.

Track für die Tour:

Eine kurze Rundwanderung führt vom Kulturgasthaus Bierstindl in Wilten zunächst auf der „Panoramarunde“ und dann auf einem Steig durch die Schlucht wieder retour. Die Flucht aus der Stadt ist vor allem an heißen Tagen erfrischend.

Entlang des Sillufers fühlt man sich wie in die Wildnis versetzt.
- Irene Rapp

So kommt man hin: Ausgangspunkt ist das Kultur- gasthaus Bierstindl. An diesem vorbei geht es zunächst noch auf einem asphaltierten Weg hinauf zum Museum „Tirol Panorama“ mit dem Kaiserjägermuseum. Vorbei an der Andreas-Hofer-Statue und dem Parkplatz geht es Richtung Süden zum Waldrand. Noch ist die Autobahn gut zu hören, doch das ändert sich rasch. Auf einem zunächst breiten Weg – am Beginn und immer wieder stehen Informationstafeln – geht es leicht ansteigend zunächst in südlicher, dann südwestlicher Richtung dahin. Bald gelangt man zum ersten Highlight: der imposanten Aussichtsplattform, die weit über den so genannten Drachenfelsen hinausragt und – nicht zuletzt aufgrund des Glasbodens auf den letzten Metern – Gänsehaut-Feeling beschert. Der Blick in die Tiefe zur Sill ist beeindruckend und natürlich hängen auch schon hier in luftiger Höhe einige Liebesschlösser.

Weiter geht es leicht bergauf, bei einer Wegteilung hält man sich links. Nun geht es in einigen Serpentinen bergab bis zu einer Holzplattform, wo man u.a. schöne Ausblicke auf die Nockspitze genießen kann. Unter dem Podest führt das Steiglein dann weiter hinab, man gelangt schließlich zur Sill und einer Brücke, die über den Fluss führt.

Vor dem Kaiserjägermuseum stehend hat man einen tollen Blick auf Innsbruck.
- Irene Rapp

Auf der anderen Seite angelangt, hält man sich links, hier hat man quasi den Wendepunkt der Rundwanderung erreicht. Auf einem kleinen Steig wandert man der Sill entlang, von rechts rauscht einmal ein schöner Bach herab und links kommt man einmal an einem abgezäunten Gelände mit einer kleinen Baracke vorbei.

Dabei handelt es sich übrigens um ein Stück Land, das sich in Privatbesitz befindet, Obdachlose haben sich zumindest hier nicht niedergelassen. Nach rund zehn Minuten kommt man zu einer weiteren Brücke, auf der man wieder auf die andere Sillseite gelangt. Und nicht wundern, falls Sie Paddler auf dem Gewässer sehen, die Sill ist gerade in diesen Tagen bei den Freizeitsportlern aufgrund ihres hohen Wasserstandes sehr beliebt.

Die letzten Meter geht es nun u.a. auf kleinen Holzbrückchen dahin, dann gelangt man allerdings zu einer großen Baustelle der BBT. „Hier entsteht eine Anbindung an den Brennerbasistunnel“ weiß Andreas Wildauer, Chef des Forstamtes der Stadt Innsbruck. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es hier jedoch anders aussehen. Von neuen Wegen spricht Wildauer und dass die ganze Fläche „als ökologische Ausgleichsmaßnahme renaturiert wird“.

Das allerdings dauert noch: Die Bauarbeiten der BBT sind nämlich bis 2023 anberaumt.

Direkt am Anfang des abgezäunten Gebietes geht es gleich wieder links in den Wald hinein. Bis zu einer Holztreppe sind einige Höhenmeter zu bewältigen, in der Mitte der Treppe befindet man sich quasi gleichauf mit den Autos, die in das Bergisel-Tunnelloch brausen bzw. von diesem ausgespuckt werden.

Man hält sich weiter in nördlicher Richtung und erreicht schließlich wieder den Parkplatz beim Museum. Wer noch Zeit hat, sollte hinter dem Kaiserjägermuseum vom Pavillon aus den Ausblick auf die Landeshauptstadt genießen. Vor allem Sonnenuntergänge sind hier ein Traum!

Fazit: Die Rundwanderung erfordert mitunter Trittsicherheit, ist aber auch mit geländegängigen Kindern ein Erlebnis – und das nur einen Katzensprung von der Tiroler Landeshauptstadt entfernt.

Die Sprungschanze dominiert die Szenerie: einmal auf der Aussichtsplattform als Schatten (2), einmal beim Gang über die erste Brücke (5). Die Rundwanderung beginnt auf diesem breiten Weg samt Infotafel (1), entlang des Sillufers fühlt man sich wie in die Wildnis versetzt (3). Vor dem Kaiserjägermuseum stehend hat man einen tollen Blick auf Innsbruck.Fotos: Irene Rapp
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