Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.05.2018


“World Fair Trade Day“

Der Faire Handel ist ihr täglich Brot

Am 17. Mai wird der „World Fair Trade Day“ international gefeiert. Der älteste Weltladen Österreichs in Innsbruck widmet sich an diesem Tag dem Thema Flucht.

© Rudy De MoorNachhaltig produzierte und fair gehandelte Produkte aus allen Ecken der Welt gibt es im Innsbrucker Weltladen. Thomas Fuchs (l.) und Helene Bürkle (r.) sind Vorstandsmitglieder des Vereins.



Von Evelin Stark

Innsbruck – Fairer Handel und faires Handeln gehören zusammen. Deshalb engagieren sich seit mehr als vier Jahrzehnten die insgesamt 90 Weltläden in Österreich dafür, dass ihre angebotenen Waren von der Produktion bis zum Verkauf unter fairen Bedingungen entstanden sind. Ebenso fair werden sie verkauft. Zehn Weltläden sind in Tirol.

Die „ARGE Weltläden“ ist die Dachorganisation aller Weltläden. Sie fördert die Kooperation zwischen den einzelnen Weltläden und hat es sich zur Aufgabe gemacht, in der Öffentlichkeit entwicklungspolitische Zusammenhänge aufzuzeigen. Zwischen 7. und 20. Mai finden deshalb unter dem Motto „World Fair Trade Day“ oder schlicht Weltladentag bundesweit Veranstaltungen zum Thema Flucht und Fairer Handel statt.

Der Innsbrucker Weltladen hat sich den 17. Mai als Aktionstag zum „World Fair Trade Day“ ausgepickt. „Wir planen Impulsreferate, die zu jeder vollen Stunde stattfinden“, sagt Helene Bürkle, Obfrau des „Vereins zur Förderung des Fairen Handels“, dem Betreiber des Weltladens.

Zwischen 10 und 18 Uhr werden auf die Straße gemalte Fluchtwege den Weg in den Weltladen weisen, um auf den Schwerpunkt des Tages hinzudeuten. Flucht und Solidarität stehen inhaltlich auf dem Programm, Köstlichkeiten aus den Ländern des Südens begleiten die Aktion.

Der Weltladen Innsbruck in der Universitätsstraße 3 war übrigens der allererste Österreichs. Er wurde vor 41 Jahren gegründet. „Wir sind seit der Gründung am selben Standort“, sagt Thomas Fuchs, Vorstandsmitglied des Vereins. Damals wie heute sei der Grundgedanke des Weltladens gewesen, auf den Wert von Produkten und Fairen Handel aufmerksam zu machen.

„Bei uns soll die Welt erfahren werden können“, sagt Bürkle. Man könne über die verschiedensten Produkte aus den Entwicklungsländern hineinschnuppern in deren Welt und sich guten Gewissens ein Stück davon mit nach Hause nehmen.

Zudem arbeiten alle 15 Personen, die über die Woche verteilt den kleinen Laden betreuen, ehrenamtlich, also ohne Bezahlung. Damit sei gewährleistet, dass der Weltladen Monat für Monat über die Runden kommt.

Bürkle selbst hat sich bereits mehrmals auf den Weg zu den Produktionsländern des Fairen Handels gemacht, um sich davon zu überzeugen, dass der Faire Handel tatsächlich funktioniert. Ihre Reisen führten sie hauptsächlich nach Lateinamerika, wo sie die Kaffeeproduktionen der Kleinbauern besuchte.

„Den Preis für den Kaffee bestimmen die Bauern dort selbst“, erzählt sie. Der Handelspartner – in vielen Fällen die österreichische Fairtrade-Organisation EZA – dürfe daran nicht feilschen. Somit sei gewährleistet, dass es mehr Stabilität bei den Kleinbauern gebe.

Die Pensionistin wird in ihrem Impulsreferat am Weltladentag von ihren Eindrücken berichten: „Wir wollen aufzeigen, dass es trotz des Klimawandels auch in Ländern wie Mexiko möglich ist, die Ressourcen im eigenen Land zu nutzen.“

Weltläden erfüllen als Fachgeschäfte des Fairen Handels ein Stück weit den Auftrag, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Fairer Handel einen Sinn hat. Sie beweisen täglich aufs Neue, dass eine andere Art der Weltwirtschaft – abseits der vorherrschenden einseitigen Marktwirtschaft – möglich ist. Fuchs: „Es muss den Menschen bewusst gemacht werden, dass es funktionieren kann.“

Fairer Handel

ARGE Weltläden: Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Weltläden vertritt seit 1982 die Interessen der österreichischen Weltläden. Sie hat 90 Mitglieder. Infos: www.weltladen.at

WFTO (World Fair Trade Organization): Die WFTO ist das mittlerweile größte globale Netzwerk, das Fairhandelsorganisationen aus dem Norden und Süden umfasst. Die Arbeit der „ARGE Weltläden“ und der Weltläden ist deren Standards verpflichtet.

FAIRTRADE Österreich: Der Verein Fairtrade Österreich kennzeichnet Waren mit einem Siegel (grün-blaues Yin-Yang-Zeichen auf schwarzem Hintergrund), die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Bildergalerie
Bildergalerie

So schön ist der Herbst in Tirol: Die besten Fotos der TT-Leser

Der Herbst hält Einzug in Tirol und sorgt für ein unvergleichliches Farbenspiel. Die schönsten Fotos der TT-Leser haben wir in einer Bilder-Galerie für euch ...

Freizeit
Freizeit

Alpinmesse in Innsbruck: Für die Berge gerüstet sein

Auf der Alpinmesse in Innsbruck tummelten sich am Wochenende die Bergsportler. Präsentiert wurde u. a. ein neuartiges Suchgerät für Helikopter.

TT-Magazin
TT-Magazin

Lärchen-Zapfen für die Zukunft zupfen

Zwei Forstarbeiter ernten für ihren Einsatz nicht nur Respekt, sondern auch Hoffnung für die Tiroler Wälder: Zapfen für Zapfen pflücken sie von den Ästen. Fü ...

TT-Magazin
TT-Magazin

Wildlife-Fotowettbewerb: Der traurige Clown

Der Spanier Joan de la Malla wurde für sein Foto des Langschwanz-Makaken Timbul beim „Wildlife Photographer of the Year“ in der Kategorie „Wildlife Photojour ...

Bezirk Kitzbühel
Bezirk Kitzbühel

Bäuerinnen laden zum Schmankerlfest in Hopfgarten

Hopfgarten i. Br. – Zum bereits zweiten Mal veranstalten die Hopfgartner Bäuerinnen und Bauern sowie die Landjugend am morgigen Kirchtags-So...

Weitere Artikel aus der Kategorie »