Letztes Update am Fr, 11.05.2018 12:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Wo Autofans zu Putzteufeln werden

Wenn das Wochenende naht, pilgern stolze Autobesitzer zur Waschanlage, um den Schmutz der Woche abzuwaschen und sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Eine Ode an Schwämme, Politur und das Leben an der Waschanlage.

© Vanessa Rachlé"High Noon" am Waschpark in Götzens.



Von Philipp Schwartze und Evelin Stark

Autoputzen ist nicht gleich Autoputzen: Was manche als lästige Pflicht empfinden, der sie maximal ein- bis zweimal im Jahr nachgehen, betreiben andere schon fast exzessiv. Letztere fahren das volle Programm in Sachen Reinigung des fahrbaren Untersatzes und sind regelmäßig an Tankstellen und Waschautomaten anzutreffen. „Wir sind wie ein Jugendtreff“, sagt Elisabeth Zenleser. Sie und ihr Mann Walter betreiben seit zwei Jahren den „Waschpark“ in Götzens, der bei Schönwetter ein Paradies für Autoliebhaber zu sein scheint. Speziell junge Autofahrer würden sich bei ihnen mehrmals die Woche treffen, um ihre Autos zu reinigen und anschließend gemeinsam noch etwas zu trinken.

Dass der derzeitige Pollenflug nicht nur für die Nasen der Allergiker eine Plage ist, spüren auch die Waschanlagenbetreiber. Auch die Nasen der Autos scheinen sehr empfänglich für den Blütenstaub zu sein, weshalb sie intensiver Pflege bedürfen. Ein bisschen Nasenspray tut es da freilich nicht – da muss schon gespritzt werden. Und poliert!

Der glanzbewusste Autobesitzer kommt in vielen Fällen nicht mit leeren Händen bzw. Kofferraum zur Waschanlage. Das eigene Auto hat ja doch ganz eigene Bedürfnisse, denen deren Besitzer gerecht werden müssen. So besprüht der eine mit einem Spezialreiniger seine Felgen, während der andere ganz spezielle Putztücher hat, die seinem Auto guttun. Wieder andere schwören auf Osmosewasser, bei dem „der Schmutz dann abperlt“, so Elisabeth Zenleser.

Auch bei Martin Tanzers Car-Wasch-Paradies in der Innsbrucker Dörrstraße herrscht gerade Hochbetrieb. Fast pausenlos fah­ren an diesem sonnigen Samstagmorgen Autos – verdreckt – im Gewerbegebiet Mühau-Arzl in die Waschboxen. Idealer Putztag.

Per Hand wird gewaschen und poliert, die automatische Waschanlage ist dagegen kaum in Betrieb. „Wer es schnell-schnell will, fährt zur Tankstelle. Wer hierher kommt, schätzt, dass man ihm kein teures Programm aufschwatzen will und man so lange braucht, wie man will“, sagt der 45-Jährige aus Mutters, der zwei Wasch-Paradiese in Innsbruck betreibt. Auch er hat viele Stammkunden. „Freitagnachmittag, Samstag und Sonntag ist am meisten los. Besonders im März und April.“ Offen ist rund um die Uhr – und es soll sogar Putzfans geben, die bei Minusgraden kommen. Aber Schwamm drüber!

Der Nieputzer

Max Bauer putzt sein Auto maximal zweimal im Jahr. Es sei ein Gebrauchsgegenstand, sagt der 57-jährige Steirer. „Ich habe mein Auto nicht aus Eitelkeit, sondern es muss funktionieren und die Pferde meiner Tochter ziehen“, lacht er. Damit er beim Ein- und Aussteigen aber nicht schmutzig wird, brauche es zweimal jährlich dann doch eine Reinigung.

- Vanessa Rachlé

Der Wochenendputzer

Daniel Dry fährt jedes Wochenende zum „Waschpark“, um dort sein Auto von oben bis unten und innen bis außen zu reinigen. Seit wenigen Monaten erst wohnt der Norddeutsche in Axams, um hier die UPS-Regionalstellen von Tirol und Vorarlberg zu leiten. „Das Auto muss schön sein am Wochenende“, sagt er bestimmt. Sonst könne man die Tage auch nicht genießen. Wie neu das Auto sei, spiele für ihn wiederum keine Rolle: Seine beiden Gefährte sind stolze 23 und 13 Jahre alt. Um deren Wohlergehen kümmert er sich jedenfalls selbst.

- Vanessa Rachlé

Die drei von der Waschanlage

„Samstag ist bei uns Autoputztag“ sagt Benno Monz (69, l.) aus Innsbruck. Zusammen mit zwei anderen Herren ist das sein Treffpunkt. „Anschließend gehen wir etwas trinken. Aber nur ein Glas – wegen des Autofahrens“, lacht er. Heute ist von den beiden aber nur Edwin Kirchner (74) aus dem nahen Neu-Rum dabei. Der ehemalige Polizist öffnet den Boden in seinem Kofferraum: Ein ganzes Arsenal an Putzmitteln kommt zum Vorschein. „Ich hab’ halt einen Fimmel, einen Vogel“, scherzt er über sich selbst, ehe er die Produkte erklärt. Von Lederpflege bis zum Duftmittel ist alles dabei. Statt des dritten Manns im Bunde ist an diesem Tag weibliche Verstärkung dabei. Monz’ Tochter Bianca Frater (46) war bereits früh als Erste vor Ort. „Mir macht das Spaß. Ich putz’ eine Stund’ oder eine halbe und treffe meinen Papa“, sagt die Hochrumerin, ehe sie sich von Kirchner ein spezielles Poliermittel zeigen lässt. „Vorher den Schmutz runterwaschen und dann einmal damit drüber – das glänzt und hebt 14 Tag’.“ In einer Woche sind Monz und Kirchner aber eh wieder da.

- Vanessa Rachlé

Der Reifenputzer

Zweimal im Jahr kommt Hans Beck aus Arzl mindestens zur Waschanlage. „Immer wenn die Reifen neu sind oder gewechselt werden“, sagt der 64-Jährige. Dann rückt er dem Bremsstaub zu Leibe. „Reifen sind wie Schuhe, die muss man putzen. Denn daran sieht man, wie sauber es jemand hat.“ Während die Reifen trocknen, gönnt sich Beck vor Ort eine Kaffee- und Rauchpause.

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Der Gruppenputzer

Dass Hannes Abfalter an diesem Tag mit seinem Audi A4 dem Waschpark einen Besuch abstattet, hat zwei Gründe: „Meine Freundin muss arbeiten und ich hatte nichts Besseres zu tun“, lacht der 23-Jährige. Normalerweise treffe er hier auch immer ein paar Freunde, mit denen er dann über Autos rede. Dass er in seinem jungen Alter bereits Audifahrer ist, begründet der Installateur aus Innsbruck damit, dass er noch bei seinen Eltern wohne.

Ist das Auto geparkt, macht sich der Innsbrucker zu allererst an die Felgen, die er sorgfältig mit seinem Spezialspray bearbeitet. Bevor er dann zum großen Wasserschlauch greift, schüttelt er den Kopf ob des vielen Staubs: „Schwarz kaffi ma nimma!“

- Vanessa Rachlé

Der Höchste

Die höchste Putzleistung bringt an diesem Tag Tranquillo Valentini (72). Mit seiner Frau Elisabeth und dem Wohnmobil will er zwei Monate nach Irland fahren. Doch vorher legen sie einen Zwischenstopp im Car-Wasch-Paradies im Gewerbegebiet Mühlau-Arzl ein. „Es ist einer der wenigen Anbieter, die eine kleine Galerie haben“, sagt Valentini, während er die Stufen selbiger hinaufsteigt, um das

Dach des Wohnmobils abzuspritzen. Gründlich geht er zweimal herum, während seine Frau innen geduldig wartet. Erst als auch die Scheiben wieder sauber sind, ist alles bereit für die Abfahrt. „Damit wir wieder gute Sicht haben“, lacht Valentini und fährt davon.

- Vanessa Rachlé



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