Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Tourentipp

Mit dem Mountainbike um den Gratlspitz: Eine knusprige Tour

Noch gleicht die Suche nach offenen Almen einer Odyssee. Fündig werden Mountainbiker auf einer Tour von Alpbach zur Holzalm, wo eine 27-Jährige in ihre erste Saison als Chefin startet.

© ChristlerOberhalb von Alpbach versteckt sich ein zauberhaftes Blumen-Plateau.



Von Matthias Christler

Alpbach — Leider nein. Nach Pfingsten. Ab Juni. Beim Ab-Telefonieren, ob dieses Gasthaus oder jene Alm offen hat, weil es einen in den Oberschenkeln juckt, geht einem bei der „Musculi auriculares", der Ohrmuskulatur, fast die Kraft aus. Doch dann, endlich hört man ein „Ja, seit Christi Himmelfahrt sind wir bereit". Monika Margreiter von der Holzalm, zentral gelegen zwischen dem Alpbachtal und der Wildschönau, klingt höchst motiviert. Das hat einen Grund: Die 27-Jährige hat die Alm von ihrer Oma übernommen und startet in ihrer erste Saison als Chefin. Und, so viel sei verraten, die Einkehr bei ihr ist ein knuspriges Erlebnis.

Auf der Strecke gibt es einige steile Abschnitte.
- Christler

So kommt man hin: Viele Wege führen zur Holzalm (1425 m), wir haben uns für eine Runde von Alpbach aus rund um die Gratlspitz hinunter nach Thierbach weiter Richtung Schatzbergalm und zurück in den Kongressort entschieden. Aber Achtung, weil die Wege von Thierbach zur Schatzbergalm noch saniert werden, muss man sich für die ganze Runde bis 28. Mai Zeit lassen. Die eineinhalb Stunden Fahrt zur Holzalm sind aber allein schon die Reise wert.

Man kommt an einem Grat vorbei, an dem sich Wiesen und Himmel aneinanderschmiegen.
- christler

Los geht's kurz vor dem Zentrum in Alpbach, Parkmöglichkeiten gibt es etwas unterhalb beim Feuerwehrhaus oder beim Parkplatz bei der Neuen Mittelschule (Einfahrt Linkskurve gegenüber vom Café Genuss). Aufs Rad geschwungen tritt man kurz Richtung Dorfkern, biegt bei der Kreuzung links ab und fährt an der Post-Alm ca 1,5 Kilometer talauswärts leicht bergauf. Rech­ter Hand wird eine kleine Siedlung, in der alle Häuser den typischen Alpbacher Holz-Stil tragen, immer größer.

Bei der nächsten Möglichkeit eine scharfe Rechtskurve machen, der Beschilderung Bischoferalm folgen, durch die kleine Siedlung radeln und nach 200 Metern vor dem Bischoferhof links auf den Schotterweg abzweigen. Ab jetzt beginnt der Spaß richtig.

Die Holzalm.
- Christler

Erstens, weil man den Weg nicht mehr verpassen kann und Zeit hat, sich umzuschauen; bei den Serpentinen tun sich tolle Blicke ins Alpbachtal auf. Zweitens, weil jetzt, wenn die Sonne schön hinheizt, knusprige 500 Höhenmeter folgen. Man lässt die Bischoferalm links liegen — einladend wäre sie, doch die Besitzer haben den Gasthausbetrieb eingestellt und vermieten es als Luxus-Chalet.

Acht Kehren später ist es geschafft und plötzlich fährt man auf einen Grat zu, wo sich Wiese und Himmel aneinanderschmiegen. Dort links halten, den Grat entlang. Wer möchte, kann das Rad kurz beiseite legen, ein paar Meter hinauf zu einem Marterl wandern und dem Frühling mit Blick ins Alp- bach- und Inntal „Guten Tag" sagen. Noch schöner wird der nächste Abschnitt am Plateau. Weil sich die Natur kräftigst ausgelebt hat, ist ein kurzer (Schiebe-)Weg talauswärts komplett zugewachsen, links und rechts blühen Abertausende Löwenzahn. Was für ein Blumenwiesen-Traum, staunt man, aber bitte nicht zu lange träumen, denn kurz darauf fällt der Weg ab — aufpassen beim Hinunterschieben.

Weiter geht es auf einem Forstweg, linker Hand an einem weiteren Marterl vorbei und kurz darauf bei einer Rechtskurve Richtung Holzalm. Erst fährt man etwa einen Kilometer abwärts, dann die gleiche Entfernung bergauf durch den Wald — bis eine Lichtung den Blick auf die Holzalm freigibt.

Auch ein Abstecher ins ruhige, gemütliche Thierbach lohnt sich.
- Christler

Alle Plätze sind voll besetzt. Kein Problem. Sogar für einen anderen Gast, der eine Gesellschaft von 20 Personen ankündigt, wird Platz gefunden. „Die Schnitzel sind berühmt", meint die Sitznachbarin. Als es vor einem steht, werden die Augen groß. Die Panier ist so knusprig dunkel wie die Holzfassade der Alm. Ein Genuss, der nicht von ungefähr kommt. Ein Blick in die Alm hinein verrät das Geheimnis.

Die ganze Familie hilft mit, der Opa sitzt an einem Tisch und schneidet Schnittlauch, am Herd wird gebrutzelt — über offenem Feuer bekommt das Schnitzel seine Knusprigkeit. „Das hat meine Uroma schon so gemacht, als sie die Alm jahrzehntelang geführt hat. Und meine Oma nach ihr, die in den letzten 20 Jahren Chefin war", erzählt Monika Margreiter. Seit wenigen Tagen hat die 27-Jährige die Verantwortung übernommen.

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Ewig könnte man sitzen bleiben und den Geschichten über die Alm zuhören, die ideal liegt für viele Abenteuer. Von hier aus dauert es etwas mehr als eine Stunde für eine Wanderung auf den Gratlspitz. Oder man fährt eben weiter nach Thierbach in der Wildschönau hinunter. Wie beschrieben, ist diese Variante aber erst ab dem 28. Mai zu empfehlen. Doch die Runde zu Ende zu fahren, wird sich dann lohnen.

Von der Holzalm radelt man 100 Meter abwärts und biegt rechts Richtung Thierbach ab. Nach den Gebäuden erneut rechts leicht abwärts, hier entlang eines schmalen Weges links haltend, bis es steiler wird — ein kurzer, knackiger, ja fast knuspriger Trail. Kann man fahren, muss man aber nicht, schieben empfohlen.

Hinter einem Gatter hält man sich links leicht aufwärts und erreicht bald die Asphaltstraße nach Thierbach. Es folgt eine Abfahrt bis zu einer kleinen Brücke, hier links an einer Kapelle vorbei hinauf nach Thierbach. Es ist, als würde man jetzt durch ein Land vor unserer Zeit radeln. Keine Autos, nur Spaziergänger. Rechts fällt der Blick auf die Volksschule, ein Gebäude im Landhaus-Stil, das einsam in der Wiese steht. Wenige Meter davor zweigt der Weg zur Schatzbergalm ab. Die fünf Kilometer aufwärts verlangen noch einmal alles von einem ab.

Kurz vor den letzten Höhenmetern heißt es ein letztes Mal aufpassen. Nicht ganz bis zur Bergstation der Schatzbergbahn und zur Schatzbergalm auffahren. Davor bei der Weggabelung zur Außerkotkaser- alm weiter rechts aufwärts, nach weiteren 500 Metern den Forstweg verlassen und rechts abbiegen auf einen schmalen, unscheinbaren Wanderweg.

Es folgt eine Schiebestrecke, ein Holzzaun, erneut ein Stück zum Schieben, bis man auf einem Forstweg ist und die Straße nach Alpbach erreicht. Von hier ist es ein gutes Stück, ca. fünf Kilometer, zurück in den Ort, vorbei am Kongressgebäude bis zum Ausgangspunkt — und dem Ende einer wahrlich knackigen und zwischendurch auch knusprigen Runde.

Oberhalb von Alpbach versteckt sich ein zauberhaftes Blumen-Plateau (1). Über steile Abschnitte (2) und vorbei an einem Grat, an dem sich Wiesen und Himmel aneinanderschmiegen (3), kommt man zur Holzalm (4). Auch ein Abstecher ins ruhige, gemütliche Thierbach (5) lohnt sich. Fotos: Christler
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