Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Bezirk Landeck

Neuer Radbus bringt müde Biker auf den Reschen

Der Rad-Shuttle des VVT stand in der alten Form vor dem Aus. Nun gibt es eine Lösung – erstmals ist auch die Mitnahme von E-Bikes möglich.

© ReichleIn wenigen Sekunden vom Radweg in den neuen Radanhänger. 20 Räder können so auf den Reschen transportiert werden.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Landeck, Nauders – „Das Fahrradfahren boomt – ob auf dem Weg zur Arbeit, in der Freizeit, mit Pedalkraft oder mit elektrischer Unterstützung. Und wir merken, dass auch das Bedürfnis zur Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel steigt“, betont Alexander Jug, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Tirol. Zwischen Landeck und Nauders war deshalb bereits seit mehreren Jahren ein Postbus mit speziellem Anhänger für die Drahtesel unterwegs.

Zuletzt stand jedoch ein großes Fragezeichen hinter diesem Rad-Shuttle. Es drohte das Aus. Bei der Neuausschreibung des öffentlichen Verkehrs nahm die Kraftfahrlinienbehörde nämlich auch die Strecke ins Obergricht unter die Lupe. Und die war – wie sich herausstellte – gar nicht für den Transport dieser Anhänger geeignet, sondern nur für Fahrzeuge bis zwölf Meter. „Die Busbuchten waren zu kurz“, so Jug. Der Anhänger ragte hinten in die Fahrbahn hinein und war somit eine Gefahrenquelle für den Verkehr. Man wusste gar nicht, dass solche Transporte durchgeführt wurden, heißt es auf TT-Anfrage aus der Behörde.

Gestern wurde nun eine Lösung dieses Problems vorgestellt, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Erstens besteht dank der Adaptierung von mehreren Haltestellen entlang der Strecke nun keine Gefahr mehr für den Verkehr, zweitens ist erstmals auch eine Mitnahme von E-Bikes möglich. Dafür wurde ein neuer Radanhänger angekauft, in dem 20 Fahrräder bequem und sicher Platz finden. Vorbei sind also auch jene Zeiten, als E-Biker selbst bei strömendem Regen nicht mitgenommen wurden – die TT berichtete. Der mit dem Anhänger ausgestattete Bus fährt eine reduzierte Anzahl von Haltestellen an und startet zweimal pro Tag vom Bahnhof Landeck-Zams und zweimal ab Pfunds Richtung Nauders-Mühle. Der alte Radanhänger machte die Runde früher fünfmal täglich.

Der Transport, der in der warmen Jahreszeit zwischen 10. Mai und 23. September angeboten wird, kostet fünf Euro. Eine Radmitnahme, wenn auch in limitierter Stückzahl, ist übrigens in jedem anderen Bus der Linie möglich. Dort haben jeweils fünf Platz.

„Es hat lange gedauert und war ein schwieriges Thema“, stellte RegioL-Geschäftsführer Gerald Jochum zum Projekt fest, in das auch die Tourismusverbände und Gemeinden eingebunden waren. Wenn es gut angenommen werde, müsse man die Frequenz verdichten. Potenzial gibt es angesichts der Tausenden Via-Claudia-Radwanderer genug. An so manchem verregneten Tag fuhr der Bus freilich auch leer, wie Markus Silbernagl, Betreiber der Strecke ins Obergricht, betonte. „Das Angebot muss auch erst im Kopf der Kunden ankommen.“

Ein guter Start ist dazu das neue „Fahrplanheft Terra Raetica mit Bus und Bahn“, das heuer bereits zum achten Mal in einer Auflage von 30.000 Stück erschienen ist. Von RegoL-Mitarbeiterin Waltraud Handle zusammengestellt, gibt es einen Überblick über den öffentlichen Verkehr im Grenzgebiet zwischen dem Obergricht, dem Engadin und dem Vintschgau, dazu noch Ausflugstipps zu Kultur- und Natureinrichtungen der Regionen und es informiert unter anderem auch über Reisen mit Handycap. Finanziert wurde die Broschüre, die es auch online gibt, über das Interreg-Programm Italien-Österreich und das Großprojekt Terra Raetica Mobil.




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