Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 27.05.2018


Freizeit

Crossfit: Sag nicht nur Krafttraining dazu

Man nehme einen Topf, schmeiße Gewichtheben, Gymnastik, Seilklettern, Liegestütze und Ausdauersport hinein und rühre alles um: Das ist CrossFit, ein nicht unumstrittener Trend.

© verschLisa Lettner aus Innsbruck.



Wer erinnert sich nicht gerne zurück: an den Beginn der Turnstunde in der Schule, wenn der Lehrer die motivierendsten aller Wörter aussprach: „Zirkeltraining, schnell, aufbauen!" Wir erinnern uns, aber gerne?! Na ja. Doch es muss Menschen geben, die nichts lieber machen, als von Station zu Station zu hecheln und bei schweißtreibenden, quälend anstrengenden Übungen, an ihre Grenzen zu gehen. Die Besten Europas aus dieser besonderen Gattung Sportler trafen sich am vergangenen Wochenende in Berlin bei den CrossFit Games.

Es war das wohl größte Zirkeltraining der Welt, nur noch härter, viel härter. CrossFit ist eine ganzheitliche Trainingsmethode, manche bezeichnen es als neue Fitnessbewegung, bei der Sprints, Eigengewichtsübungen, Turnen und Gewichtheben kombiniert werden. Zu den regionalen Vor­ausscheidungen in Berlin für den Hauptwettbewerb im August, quasi der CrossFit-WM, qualifizierte sich auch die 27-jährige Innsbruckerin Lisa Lettner.

Tirolerin beißt sich durch

Sie erzählt von dem Wettbewerb, bei dem sie Platz 27 von 40 Frauen erreichte, als wäre es ein netter Ausflug gewesen: „Es hat richtig Spaß gemacht, ich habe mich nicht verletzt und mein Bestes gegeben." Das klingt, als genieße sie CrossFit geradezu. Ja, und deswegen trainiert sie täglich nach ihrer Arbeit als Zahnärztin. „Ich gehe direkt danach hin und trainiere so zwei Stunden. Während der Workouts muss man sich schon quälen, aber die Wettbewerbe gemeinsam mit den anderen sind wirklich ein Spaß."

Die Burgenländerin Vanessa Wagner.
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Doch CrossFit hat den Ruf, mit hohem Verletzungsrisiko verbunden zu sein. Sportwissenschafter kritisieren auch, dass manche Anhänger sich Videos auf YouTube­ anschauen und dann die komplexen Übungen selbst ausprobieren. Von dem rät Lettner ab. „Für die Workouts braucht man schon eine Anleitung von einem Trainer. Es sollte von Anfang an richtig gemacht werden." Sie hält sich seit fünf Jahren bei „CrossFit Innsbruck" am Stadlweg fit. Jedes Studio braucht eine Lizenz vom Mutterunternehmen in Santa Cruz.

Populär wurde der Sport durch jene, die ihn betreiben. Die kanadischen Streitkräfte tun es, die dänische Leibgarde oder auch Marcel Hirscher stählen so im Sommer ihre Muskeln.

Ab auf die Zillertaler Alm

Und wenn etwas zum Trendsport wird, kann Red Bull nicht weit sein. Der Konzern hat offenbar das Potenzial erkannt und geht noch einen Schritt weiter, indem man beim „Red Bull Almauftrieb" CrossFit mit einem anderen Trend, Trailrunning, kombiniert. Die Workouts finden am 9. Juni auf einer 6 Kilometer langen Strecke hinauf zu einer Alm bei Mayr­hofen statt. Mit dabei wird auch die Burgenländerin Vanessa Wagner (27) sein. Sie ist neben Lettner eine der stärksten Österreicherinnen beim CrossFit. In Berlin trat sie in einer Teamwertung an.

Sie hat das Hobby zum Beruf gemacht, trainiert andere und nimmt selbst an Wettkämpfen teil. Dementsprechend definiert ist auch ihr Körper. „Es gibt sicher Leute, die das nicht verstehen, aber es ist für mich ein unglaublich interessanter Sport, bei dem man auslotet, wie weit man Körper und Geist treiben kann, bevor man aufgibt. Das ist eine unglaublich spannende Erfahrung." Lettner stimmt ihr zu: „Mir geht es weniger um das Aussehen, sondern um die Leistung." Sie selbst hat übrigens früher gerne an der Turnstunde teilgenommen: „Ich war zwar nicht bei den Besten dabei, aber es hat mir immer Spaß gemacht." Spaß macht es ihr immer noch, und bei den Besten der Welt ist sie nun auch dabei.

- crossfitgames



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