Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.06.2018


Freizeit

Auf drei Gipfeln und 360 Kilometer im Sattel

© APAVittorio Messini (l.) und Simon Gietl schafften Ortler, Drei Zinnen und Großglockner sowie die Strecken dazwischen mit dem Rad in zwei Tagen.



Drei Nordwände in Süd- und Osttirol sowie die Strecken dazwischen mit dem Rennrad in weniger als 48 Stunden — das war der Plan von Simon Gietl und Vittorio Messini. 7300 Höhenmeter, 360 Radkilometer und 47 Stunden später erreichten die Alpinisten nach ihrer Extremtour über den Ortler, die Drei Zinnen und den Großglockner ihr Ziel in Kals.

Am Sonntag waren der Südtiroler Gietl und der seit seiner Kindheit in Osttirol lebende Italiener Messini in Sulden zum Ortler aufgebrochen. Nach einer Abfahrt mit Skiern fuhren sie auf ihren Rennräder über Bozen zu den rund 246 Kilometer entfernten Drei Zinnen. Ihren Plan, die Nordwand der Großen Zinne zu erklimmen, machte das Wetter zunichte, weshalb sich die beiden kurzerhand für die kleine Zinne entschieden. Nach 117 Rad-Kilometern erreichten sie schließlich den Fuß des Großglockners, der die letzte Herausforderung ihres „North3-Projekts" darstellte.

Am Dienstag gegen 19 Uhr kamen die Alpinisten im Zielort Kals am Großglockner an. „Ich werde wohl erst in den nächsten Tagen realisieren, was wir da geleistet haben", meinte Gietl. Die Zeichen standen nicht immer günstig. „Bereits nach drei Stunden dachten wir das erste Mal an einen Abbruch", erzählte er. Am Ortler habe es gestürmt und sie seien sich nicht sicher gewesen, ob sie die Abfahrt finden würden. Bis auf den „ganz kleinen Schönheitsfehler", wie er den verhinderten Aufstieg bei der Großen Zinne nannte, ging ihr Plan auf.

Bereits 1991 hatten Bergsteiger Hans Kammerlander und Bergführer Hans-Peter Eisendle das Projekt „Von Nord nach Nord" in Angriff genommen. Sie durchstiegen die Nordwände des Ortler und der Großen Zinne in 24 Stunden und legten die Etappe dazwischen am Rad zurück. Daran hatten Gietl und Messini Anleihe genommen, sie wollten aber „noch eins drauflegen". (APA)