Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Tourentipp

Immer am Kamm entlang

Für diese Rundwanderung zwischen Senders- und Fotschertal braucht man Kondition: Dafür macht man vier Gipfel, hat Wahnsinnsausblicke und eine Einkehrmöglichkeit.

© RappDer Salfeinssee ist beliebtes Kalendermotiv.



Von Irene Rapp

Grinzens – Um die Kalkkögel ist es ruhig geworden, die Erschließungspläne zwischen Schlick und Axamer Lizum sind vorerst vom Tisch. Fast unvorstellbar, dass man nur einen Katzensprung entfernt, auf der anderen, nördlichen Talseite auf einem fast durchwegs grasbesetzten Kamm unterwegs sein und die tollen Ausblicke auf die Dolomiten Nordtirols genießen kann.

Dazu steigt man kurz vor der Kemater Alm im Senders­tal rechts auf zum bekannten Salfeinssee, von dort geht es Richtung Süden über vier Gipfel samt Gipfelkreuz bis zum Kreuzjöchl, wo der Abstieg ins Senderstal erfolgt.

Von dort aus geht es entlang des Kammes bequem dahin.
- Rapp

Zugegeben: Diese Rundwanderung in den Stubaier Alpen ist mit ca. 16 Kilometern und 1000 Höhenmetern lang. Allerdings kann man auch bereits nach dem ersten Gipfel, dem Grieskogel, ins Tal absteigen und eine „Mini-Runde“ machen. Bei Schönwetter ist die lange Version zu empfehlen: Die Ausblicke sind einmalig und das Schauspiel vom teilweise erst scheidenden Winter groß.

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Den Track für die Tour finden Sie unter: go.tt.com/2JeIJTe

So kommt man hin: In Grinzens Richtung Kemater Alm abbiegen, nach wenigen Metern ist bei einem Automaten die Mautgebühr (3 Euro) zu erledigen. Kurz vor der Kemater Alm befindet sich ein großer Parkplatz, wo man Autos abstellen kann. Durch ein Gatter über den Sendersbach zunächst auf einem Forstweg in nordwestlicher Richtung hinauf. Kommt man zu einem Wegweiser, rechts auf einen Steig in den Wald abbiegen und steil aufwärts weiter.

Erreicht man die Salfeins­alm, kann man bereits das erste Mal rasten und von einer Bank vor einem Kreuz aus die Ausblicke auf die Kalkkögel genießen. Weiter zieht sich der Steig hinauf und nach rund einer halben Stunde hat man den Salfeinssee erreicht.

Das Gewässer, in dem sich bei idealen Bedingungen die Kalkkögel spiegeln, ist beliebtes Kalendermotiv. „Heuer ist er wieder größer“, erzählt Anton Bucher, Bürgermeister von Grinzens. Allerdings zeigt das Gelände, dass der See, der keinen oberirdischen Zufluss hat, früher einmal auch schon noch größer war. Im Wasser kann man viele Salamander erkennen – „wir sagen Dottermandln dazu“, erzählt eine Frau.

Man "besteigt" dabei vier Gipfel – u. a. den Breitschwemmkogel.
- Rapp

Hat man sich vom Salfeinssee losgerissen, folgt man dem Bergrücken Richtung Süden – wohl nicht ohne zuvor Fotos von einem abgestorbenen Baum zu machen, der wie verloren ganz markant in der Landschaft steht. In leichtem Auf und Ab und teilweise noch durch Wald geht es dahin, die Ausblicke auf Inntal, Fotscher- sowie Senderstal werden immer besser.

Bald hat man den Grieskogel (2140 m) erreicht, das dortige Kreuz wurde für einen Verstorbenen von seinen Bergkameraden aufgestellt. Steigt man von dieser Erhebung ab, kommt man zu einem Jöchl, hier führt links ein Steig wieder ins Tal hinunter.

Im Senderstal beeindruckt der rauschende Bach.
- Rapp

Wer weitergeht, bewegt sich nun oberhalb der Waldgrenze immer im leichten Auf und Ab dahin. Die Markierungen sind gut – darauf schaut der Wintersportverein Grinzens –, meist hat man grasiges Gelände unter den Füßen, einige wenige Male Fels und mit einigen wenigen Fleckchen Schnee ist auch noch zu rechnen.

Vom Grieskogel aus kann man bereits das Kreuz des Breitschwemmkogels (2260 m) erkennen, dann erreicht man den Angerbergkopf (2380 m). Von diesem geht es kurz bergab bzw. wieder kurz hinauf und dann steht man auf dem letzten Gipfel – dem Schaflegerkogel (2401 m), der im Winter ebenfalls gerne besucht wird. Ab jetzt bewegt man sich jedoch wirklich nur noch hinunter: Zunächst steigt man entlang einer Art kleiner Felsmauer ab zum Kreuzjöchl (Wegweiser und Wendepunkt der Runde), die Gehzeit von hier bis zur Kemater Alm ist mit 1 ¼ Stunden angegeben.

Zunächst ein wenig steiler hinab, dann über kleine Böden ins Tal. Wir haben die Wanderung am vergangenen Sonntag gemacht und da konnte man den Kampf zwischen Winter und Frühling noch gut erleben. Von überall her rannen kleine Bäche herab, an einigen Stellen war es auf dem Weg ins Senderstal daher ein wenig nass.

Bei der Kemater Alm ist die Runde dann fast vorbei.
- privat

Dass der schneereiche Winter sich laut verabschiedet, konnte man aber auch schon oben am Kamm vernehmen: Der Fotscherbach im rechtsliegenden Fotschertal war bis in eine Höhe von 2000 Metern immer wieder zu hören. Erschrocken sind wir beim Abstieg ins Senderstal über ein Schneehuhn, das vor uns aufflog: Es gackerte verschreckt – was wie wie eine verhungerte Ratsche klang – und war teilweise noch weiß, streift sich das Wintergewand erst ab.

Langsam nähert sich so das Senderstal, das zum Ruhegebiet Kalkkögel gehört. Unten rauscht der Bach gewaltig dahin, kurz geht man einmal noch taleinwärts, dann hat man die Talsohle erreicht und wandert über eine Brücke zur breiten Forststraße.

Auf dieser marschiert man bequem talauswärts, Vieh ist noch keines da, dafür liegen an einigen Stellen große Lawinenreste auf der Straße. „Heuer sind Lawinen abgegangen, die vorher 20, 30 Jahre kein Thema waren“, erzählt Bürgermeister Bucher. Bei den Lawinenresten heißt es munter drübermarschieren, dann ist auch schon bald die Kemater Alm erreicht. Den Parkplatz bzw. Ausgangspunkt erreicht man dann über die Forststraße in rund 30 Minuten. Fazit: Diese Runde ist ein Traum und mit einigen Pausen dazwischen gut zu bewältigen.

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