Letztes Update am Di, 05.06.2018 08:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Frischzellenkur für die eingestaubte Hausbar

Holzvertäfelte Wände, Barhocker, dicke Zigarre in der einen, Cognacschwenker in der anderen Hand. Dieses Bild der Hausbar ist längst passé. Jetzt zieht sie samt Cocktailbar-Flair und in modernem Design wieder ein.

© Mappamundi Zaffori



Von Theresa Mair

Playboy Gunter Sachs, die Schauspieler Harald Juhnke und Eddi Arent flimmern vor dem inneren Auge von Andreas Hotter auf, wenn er an eine Hausbar denkt. „Es gibt ein Bild von den dreien. Da war der Harald Juhnke noch ganz jung. Er geht hinter die Bar und mixt etwas“, sagt der Englhof-Hotelier und mehrfach ausgezeichnete Barkeeper aus Zell am Ziller. In welchem seiner über 200 Barbücher er das Foto gesehen hat, weiß er nicht mehr. Aber es ist hängen geblieben. Wenn Hotter sein Haus baut, ist er sich sicher, dass er darin eine aufklappbare Globusbar haben wird.

Die Wiener Tafelkulturistin Annette Ahrens denkt als Erstes an verbaute Wohnwände, wie sie nach dem 2. Weltkrieg en vogue waren. „Da gab es ein Kästchen, wenn man das aufklappte, war es verspiegelt und ein Licht ist angegangen“, sagt sie. In derselben Zeit seien die Cocktailgläser entstanden, die Stehpartys und der Smalltalk – „der Austausch von Nonsens“, wie sie sagt. Bereits in den 30er-Jahren habe es schon Barwagen gegeben. „Ein mobiles Möbel, mit Griff an der Seite.“ Nur gehobene Haushalte leisteten sich halbrunde Nischen im Stile des Art déco.

Der gebürtige Tiroler Florian Sammer lehrt im Studiengang Innenarchitektur & 3D Gestaltung an der New Design University St. Pölten. Auch er hat Bilder im Kopf, einerseits sind da „die Globusbar – als klassisches Element des Herrenzimmers –, Zigarre und Cognacschwenker“, andererseits Bilder der „ungenutzten Ecke“ und der „verstaubten Kellerbar“.

Letztere Assoziationen haben die Hausbar wohl verschwinden lassen. In den Wohnzimmern gruppierte man sich zunehmend um das lodernde Lagerfeuer der Nation, dem Fernsehgerät, statt um die Hausbar. Das ändert sich gerade, wie Sammer sagt. „Durch die Digitalisierung, Netflix und Co. funktioniert das Wohnzimmer nicht mehr als gemeinsamer Medienraum, jeder schaut, was er will. Alles, was sich um das Essen und Trinken, den gemeinsamen Genuss dreht, rückt im Wohnen wieder in den Mittelpunkt“, beobachtet der Experte. Die Hausbar ist Ausdruck von Gastlichkeit als Teil eines Lifestyles, der immer mehr in den privaten Raum rückt.

Es liegt in der Luft, dass sie wieder aufkommt. „Internationale Messen, wie z. B. in Mailand, zeigen, dass dafür wieder verstärkt zeitgemäße Entwürfe und unterschiedliche Produkte entwickelt und angeboten werden“, sagt er. Spannend ist für ihn, dass man durch die Bar von den Fesseln des Sofahockens befreit wird. „Durch das Stehen entsteht eine neue Art des Gesprächs.“ Durch den zunehmend beengten Wohnraum gehe die Tendenz aber mehr zu Trolleys und beweglichen Schatullen, die man verschieben kann.

Die Nachfrage ist da, bestätigt Martina Spielmann, Küchenplanerin im Möbelhaus Föger in Telfs. „Witzigerweise interessieren sich nicht die ganz Jungen dafür, sondern die 40-, 50-Jährigen, diejenigen, die die Hausbar schon von früher kennen.“ Doch gerade von den Barwägen gebe es bisher noch kaum Produkte auf dem Markt.

Für Hotter ist die Rückkehr der Hausbar eng mit dem Revival des Cocktails verbunden. „Die 80er und 90er waren das dunkle Zeitalter des Cocktails. Da wurde viel fertig gemischt verkauft, eingefärbt und mit süßer Sprühsahne verkauft. Jetzt wächst das Interesse an Cocktails wieder ungemein.“ Einflüsse aus Filmen, in denen das Cocktailtrinken zelebriert wird, sind ein Grund dafür, aber auch die vermehrte Reisetätigkeit. „Wer in Peru Pizco Sour getrunken hat, will den auch zuhause probieren. Die Leute wissen, was sie wollen, und sind bereit, für einen guten Cocktail Geld auszugeben.“ Egal, ob in der Cocktailbar oder in den eigenen vier Wänden.

Andreas Hotter.
- Englhof

Andreas Hotters Hausbar-Zutatenliste:

Hochwertige Alkoholika: Gin, Rum, Wermut, Absinth, 100 % Agaventequila, Whiskey, Fruchtlikör (z. B. Cointreau, Creme de Cassis), Campari

Trockene, große Eisstücke (Trennwände aus Eiswürfelbehältern schneiden), Zuckerwasser (1:1), Apfelessig, Marmeladen und Honig zum Süßen, Gewürze (z. B. Kardamom, Peffer), frische Kräuter, Kaffee, unbehandelte Zitrusfrüchte

Sparschäler, Aufsatzmixer, Mörser (alternativ kann man einen Flaschenhals als Stößel verwenden), Shaker (alternativ: leeres Schraubglas), Messbecher




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