Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Kulturfestival Zillertal

Wiedervereinte Knödel und gierige Erben

Auftakt zum „Stummer Schrei“ am 8. Juni. Ab 2022 soll es im vorderen Zillertal dann drei Kulturfestivals geben.

© HaunSzenenfoto (mit Schauspielerin Gabriele Maricic-Kaiblinger) aus Martin Plattners Stück „Die Erben“. Premiere ist am 14. Juni in Stumm.



Stumm – Ab morgen Freitag ist wieder ein „Stummer Schrei“ zu vernehmen: Das gleichnamige Kulturfestival in Stumm im Zillertal startet in die heurige Saison, die 15. seit Gründung des Vereins im Jahr 2003. Von Blasmusik bis Klassik, von Kabarett bis Theater spannt sich der Bogen des Programms. „Bunt gemischt“, nennt Christoph Crepaz den Reigen der Veranstaltungen bis Anfang August. Der aus der Haller Crepaz-Dynastie stammende Kulturveranstalter hat 2016 in Stumm angeheuert. Zwischenzeitlich ist der 45-Jährige hauptverantwortlich für Programm und Organisation.

Dreh- und Angelpunkt des Theaterspielplans ist das Auftragswerk „Die Erben“. Der junge Tiroler Dramatiker Martin Plattner (heuer bereits mit „Ferner“ am Tiroler Landestheater vertreten) hat seinem Stück wunschgemäß viel Lokalkolorit verpasst. Es geht um Geldgier und um unbewältigte Konflikte, mit drei im Altenheim befindlichen Streithähnen im Mittelpunkt. „Es ist aber kein Bauerntheater, sondern ein Szenario, in das man sich rasch hineinversetzen kann“, erzählt Crepaz.

Premiere der „Erben“ist am 14. Juni. Künftig soll alle zwei Jahre ein neues Stück, „wenn möglich aus der Feder eines Tirolers“ (Crepaz), in Stumm uraufgeführt werden.

Fans der Tiroler Musikgruppe Die Knödel könnten einen Ausflug ins Zillertal ins Auge fassen. Diese Vorboten der neuen Volksmusik aus den 90er-Jahren finden sich nach langer Bandpause in Stumm zweimal (27. und 29. Juli), konzertierend wieder zusammen. Des Weiteren gibt es Sonntag vormittags Klassik- bzw. Jazz-Matinees zu hören (u. a. mit Organist Michael Schöch, dem Moser Trio, der Pianistin Viktoria Hirschhuber und Jakob Zimmermann, ebenfalls am Klavier).

Hauptsächlicher Veranstaltungsort ist der Festival-Stadl Dorfbäck in Stumm. Ein paar Kilometer talauswärts, in Uderns, ist beim Steudltenn Theaterfestival ebenfalls ein alter Stadl zur Theaterbühne umgebaut worden.

Zwei Festivals gibt es in geografischer Nähe damit bereits, und es werden noch mehr. Denn Christoph Crepaz verfolgt im ebenfalls nicht weit entfernten Fügen ehrgeizige Pläne. Dort soll ab 2022 ein „Musikfestival“ hinzukommen. Die ehemalige Erziehungsanstalt „Bubenburg“, heute als „Schloss Fügen“ bezeichnet, ist als Veranstaltungsort vorgesehen. Crepaz: „Und im Schlosspark ist eine Open-Air-Bühne geplant, die nach der Saison abgebaut wird.“ Beim Fügener Festival soll auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Musicals und moderner Tanz werden einen Schwerpunkt bilden, eine Akademie zur Ausbildung von Nachwuchstalenten soll kommen.

Bei dann drei Festivals im vorderen Zillertal dürfte der Überblick mitunter schwer fallen. Crepaz spricht sich daher für ein gemeinsames Vorgehen aus: Termine, Programm und Marketing sollen zwischen Uderns, Stumm und Fügen künftig abgestimmt werden. (mark)