Letztes Update am Mo, 11.06.2018 12:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rallye

Diese Frau wirbelt viel Sand auf

Veronika Grabher ist heuer ihre zweite Rallye durch die marokkanische Wüste gefahren. Dabei hat sie eine größere soziale Ader als Diesel im Blut.

© Aicha de GazellesMit dem Auto unterwegs in den Dünen: beim Rallyefahren überschreitet Grabher dauernd Grenzen.



Von Theresa Mair

Den Lippenstift hat Veronika Grabher immer dabei – auch bei 50 Grad Hitze, im Kampf mit ihrem Toyota Landcruiser, der sich in den Sand eingewühlt hat. „Wir sind ja Frauen“, sagt die Lustenauerin lachend. Manche sagen lieber „wilde Weiber“. Denn 165 Zweier-Teams wirbeln jedes Jahr bei der Frauen-Rallye „Äicha des Gazelles“ Staub in der marokkanischen Wüste auf. Grabher war heuer zum zweiten Mal dabei.

In Erfoud, im Gebiet zwischen Atlas-Gebirge und algerischer Grenze, ging es am 22. März los: neun Tage, 2000 Kilometer über Hügel, Berge, berghohe Dünen, karge, steinige, sandige Landschaften, an Nomadensiedlungen vorbei, durch abgelegene Dörfer bis nach Essaouira am Atlantik.

Veronika Grabher und ihre Teamkollegin mussten ihr Auto öfter ausgraben.
- Aicha de Gazelles

Für die europäischen Teilnehmerinnen begann das Abenteuer bereits am 18. März in Nizza, wo sich alle trafen, um mit der Fähre von Sète nach Tanger überzusetzen. „In Frankreich kennt jedes Kind die ,Äicha des Gazelles‘. Wenn wir in Marokko an einem Hotel vorbeikommen, sind wir die Heroes. Die Leute sagen Danke für das, was man für ihr Land tut.“

Es ist nicht nur das Abenteuer, das Grabher juckt. Es ist auch nicht das Prestige der Grund, weshalb sie sich die Wüstenstrapaz antut – auch wenn Pauline, Tochter von Stéphanie von Monaco, und Jazmin Grace, Tochter von Fürst Albert, mitfahren.

Für die 54-Jährige ist es eine Familiensache – der karitative Hintergrund der Rallye steht für sie im Vordergrund. Ihr Großvater war ein marokkanischer Soldat, der in der französischen Armee diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in Bregenz stationiert. Noch bevor seine Tochter – Grabhers Mutter – auf die Welt kam, wurde er nach Vietnam versetzt.

Dort verlor sich seine Spur. 2015 fand Grabher eine Verbindung zu ihren marokkanischen Wurzeln. Sie lernte einen Onkel ihrer Mutter kennen. „Nach der Zusammenführung mit der Familie habe ich eine Verbundenheit mit dem Land und den Menschen dort gefühlt. In knapp zweieinhalb Jahren war ich fünfmal in Marokko“, schildert sie. Davon zweimal für die Rallye, einmal für eine Erkundungsfahrt und einmal zum Training.

Veronika Grabher (l.) und ihre Teamkollegin 2018, die Französin Céline Vega Roiatti.
- Aicha de Gazelles

Dabei ist ihr Talent als Auto-Schrauberin enden wollend. „Als ich eine junge Frau war, hätte mich das Rallye-Fahren schon einmal interessiert, aber es war ein Tabu in Österreich. Dann ist es bei mir in Vergessenheit geraten.“ Bis sie in Marokko, wo sie sich im Süden des Landes bereits für Frauen und Kinder engagierte (www.beyondlimit.at), von der „Äicha des Gazelles“ hörte.

„Die Rennleitung hat einen Non-Profit-Verein namens ,Cœur des Gazelles‘. Wenn die Rallye kommt, fährt immer ein ehrenamtliches Ärzteteam mit in die entlegenen Gegenden und versorgt die Leute.“ Ohne die Rallye gäbe es diese Helfer nicht, die zudem über Bildung aufklären, Waisenhäuser bauen und die Leute dazu motivieren, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Die Teilnehmerinnen bringen zudem Kisten voller Kleider mit.

Grabher war begeistert, ihr Mann weniger. Doch dann unterstützte er sie moralisch und finanziell. Nach drei Wochen Bedenkzeit meldeten sie und Sybille Klingler sich 2017 als erstes österreichisches Team für die Rallye an, bei der nicht das schnellste Team gewinnt, sondern jenes, das die Strecke auf dem kürzest möglichen Weg zurücklegt – ohne GPS-Unterstützung.

„Es gibt Frauen, die in den Dünen weinen, die sind fix und fertig. Manchmal hab ich mir schon gedacht. Was mach ich da? Und wir bezahlen auch noch dafür!“ Etwa, als ihr heuer der Mechaniker um vier Uhr Früh sagte, dass sie nicht fahren dürfe, weil die Bremsbeläge hinüber seien. Um 11.30 Uhr, eine halbe Stunde, bevor sie disqualifiziert worden wäre, war das Auto repariert – Grabhers Team „Beyondlimit“ wurde 16. Nächstes Jahr, wenn sie eine Kollegin findet, will sie wieder Gas geben. Kontakt: „Beyondlimit“ Tel. 0699/10016489.




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