Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


Bezirk Schwaz

Der Traum vom Fliegen: „Aufgeben tu‘ ich niemals“

Es war ein harter Rückschlag, als Martin Knapp seinen Traumjob als Pilot aufgeben musste. Jahrelang hat er an seinem Traum trotzdem weitergearbeitet und ist nun stolz, im eigenen Flugsimulator um die Welt zu fliegen.

© Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Weerberg – Die Triebwerke röhren laut. Pilot Martin Knapp setzt die Kopfhörer auf, um den Funk vom To­wer zu hören. Klick, klick, klick. Schnell legt er einige Schalter um. Klack, klack, klack. Drückt verschiedene Knöpfe, dass einem der Kopf schwirrt. Die Armaturen sind voller Anzeigen, Zahlen, seltsamer Zeichen und blinkender Lichter. Routiniert checkt Knapp die Sauerstoffversorgung, tippt die Route in den Flugcomputer ein und sieht nach der Druckregelung. Heute geht es von Wien nach Innsbruck. Ein etwa 45-minütiger Flug. Via Funk kommt die Starterlaubnis und dann rollt die Boeing 737-800 auch schon auf die Startbahn. Wenige Minuten später ist Knapp in der Luft und voll in seinem Element. Er liebt es zu fliegen und ist fasziniert von der Technologie.

Doch sein Traum vom Flugschein ist vor zehn Jahren geplatzt. Er hatte schon alles unterzeichnet und die Theorieprüfung abgelegt, als ihn plötzlich ein Arzt aufgrund seiner schwachen Hornhaut für untauglich erklärte. Trotzdem sitzt er heute als Pilot im Cockpit und fliegt rund um die Welt. Und zwar im selbst gebauten Flugsimulator. Nimmt man als Co-Pilot neben Knapp Platz, hat man das Gefühl, in einem echten Flugzeug zu sitzen. Bis ins kleinste Detail hat er die Boeing nachgebaut. Rund siebeneinhalb Jahre hat der Weerberger in seinem Keller getüftelt, gebaut, geplant, gehämmert, gelötet, geschraubt und Softwares entwickelt. Was daraus geworden ist, lässt einen staunen. Sogar eine eingebaute Hydraulik simuliert Flugturbulenzen.

Turbulent war auch die Zeit, nachdem er seine Flugkarriere vorerst an den Nagel hängen musste. Eine Linienmaschine wird er nie fliegen. „Aufgeben tu’ ich niemals“, sagt er mit ernster Stimme. Knapp ist ein Kämpfer. Er hat nicht aufgegeben und ist stolz auf sein Werk. Die Unterstützung seiner Familie und vor allem seiner Frau war dabei Gold wert. Sohn Daniel hat schon etliche Flug- und Arbeitsstunden mit ihm absolviert.

Zwölf Bildschirme, jede Menge Massivholz und Stahl wurden verbaut. Unzählige Meter Kabel türmen sich im Keller des 44-Jährigen. Das Besondere ist, dass er fast alles selbst gemacht hat. „Das war einfach mein Ding. Ich bin da schon ein Tüftler. Mein Job ist sehr kommunikativ und ich habe viel mit Leuten zu tun. Bei diesem Projekt konnte ich einfach für mich sein“, sagt Knapp im TT-Gespräch, während er eine Schleife über Salzburg fliegt.

- Fankhauser

Rund 150 Flugstunden hat er in seinem Simulator absolviert. „Mehr als die meisten Piloten vor ihrem ersten Flug schaffen und mir ist noch immer nicht langweilig“, sagt Knapp. Besonders herausfordernd waren die System- oder Feinabstimmungen. Etwa, dass die Bildschirme, die als Cockpitfenster fungieren, auch ein reales Bild liefern und alle Monitore zusammenpassen. Jede Zusatzsoftware hat seinen Traum noch realer gemacht – von der Geräuschkulisse, Echtzeit-Wetter bis hin zu einer Auswahl an 23.000 Flughäfen weltweit.

Auf einer Höhe von 28.000 Fuß darf auch der Co-Pilot einmal das Steuer übernehmen. Knapp dirigiert jeden souverän durch die Wolken. Vieles hat sich der Weerberger selbst beigebracht. Oft saß er stundenlang vorm Computer, um verschiedene Technologien zu verstehen und für sein Cockpit zu adaptieren. Die lange Bauzeit hat ihm viel Spaß bereitet, auch wenn es ab und zu einmal einen Durchhänger gab. Aber die Motivation ist immer geblieben: „Das Fliegen taugt mir einfach voll. Da bist du einfach mal weg, kannst alles ausblenden.“

Dass aus dem Traumjob nichts geworden ist, sieht Knapp mittlerweile positiv: „Es ist mein Hobby geworden, wo ich mir meinen Traum vom Fliegen erfüllen kann und dann fliege, wenn ich Lust dazu habe.“ Seit Kurzem teilt er seinen Traum auch mit Kindern. Übers EKiZ Schwaz können Termine für einen Flug im nachgebauten Cockpit gebucht werden. „Es ist erstaunlich, wie schnell Kinder sich am Steuer wohl fühlen. Es macht mir Spaß zu sehen, mit welcher Freude sie das Fliegen ausprobieren“, sagt Knapp.

Martin Knapp verbringt viel Zeit in seinem Flugsimulator. Seine Frau Regina und Sohn Daniel haben ihn tatkräftig unterstützt, damit sein Traum vom Fliegen wahr wurde.Fotos: Fankhauser
- Fankhauser