Letztes Update am Mi, 04.07.2018 08:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gold

Der ewige Traum vom großen Gold

Seit das erste goldglänzende Edelmetall entdeckt wurde, machen sich die Glücksritter auf die Suche. Sie finden es nicht nur an den berühmten Orten des Goldrausches, sondern auch in Alpentälern.

© iStockBeim Goldwaschen wird der goldige Sand nach winzigen, einen Millimeter großen Goldplättchen abgesucht. Großer Reichtum ist dabei aber nicht zu erwarten.



Von Philipp Schwartze

Es fasziniert so stark, wie es poliert glänzt: Gold. Der Inbegriff von Reichtum, Sieg und Aufbruchsstimmung. Wohl nie war der Traum vom schnellen Geld so realistisch wie in den 50 Jahren nach 1849. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Kalifornien Gold gefunden. Es war der erste große Goldrausch in den USA – mehr als 80.000 Menschen machten sich auf den Weg, um das glänzende Edelmetall in die eigenen Taschen zu stecken. Es folgte bis Ende des Jahrhunderts Goldrausch auf Goldrausch. In Nordamerika etwa in Colorado und im berühmten Klondike (Alaska), und auch in Australien, Neuseeland und Südafrika grassierte die Goldgräberstimmung.

Die Filmwelt erzählt heute Heldengeschichten von den schuftenden Männer mit Schaufeln. Auch wenn viele der hoffnungsvollen Goldgräber eher tragische Geschichten der Enttäuschung, der Pleite und des Ruins geschrieben haben.

Bodie (Kalifornien), gebaut im Goldrausch, ist heute eine Geisterstadt.
- iStock

Kaum jemand aber denkt bei Gold an Orte wie das Rauristal im Salzburger Land. Bereits 300 Jahre vor Klondike und Co. gab es hier Goldbergbau, der ganze Siedlungen für die Arbeiter entstehen ließ. „In den besten Jahren stammten aus dem Rauris- und Gasteinertal zehn Prozent der Weltproduktion“, sagt Siegfried Kopp, Kustos des Talmuseums Rauris. Das war 1550 bis 1560, die „Blütezeit“, wie Kopp es ausdrückt.

Kampf um das Tauerngold

Eine goldene Nase dürften sich die Arbeiter beim Goldwaschen aber nicht verdient haben. Schließlich handelten die rund 2000 Menschen in Rauris im Auftrag des Erzbischofs und mussten Anteile abgeben. Abgesehen von einigen, die illegal nach Gold suchten und sich um das Edelmetall zankten.

Mit dem Ende der bischöflichen Herrschaft endet die Geschichte des Tauerngolds – das bereits die Kelten und Römer gefunden haben sollen – im Rauris­tal aber nicht. Ignaz Rojacher tritt 1876 auf den Plan – und wenn Kopp von ihm erzählt, gerät er ins Schwärmen. Der Gaisbachtaler pachtet den Bergbau vom Land Salzburg, ehe er ihn 1880 kauft. Das verändert alles.

Nicht das Gold selbst an sich veränderte die Menschen hier, sondern seine Begleiterscheinungen. Rojacher wird nur 47 Jahre alt, bringt für den Goldbergbau aber elektrisches Licht und Telefonleitungen sowie eine Wetterwarte in das Alpental. „Einzigartig zu dieser Zeit“, wie Kopp schwärmt.

Goldwaschen als Erlebnis

Heute profitiert vor allem der Tourismus von dieser Historie. Von Donnerstag bis heute fanden erstmals die Rauriser Goldtage statt, Einheimische und Touristen konnten sich bei Wanderungen und Führungen auf die Spur des Tauerngolds machen. Siegfried Kopp war natürlich mit von der Partie, erzählte in einem Vortrag über Ignaz Rojacher und die goldene Blütezeit.

Im Rauristal kann man sich heute an drei Original-Goldwaschplätzen auf die Spuren des Tauerngolds begeben.
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Der 70-Jährige lebt die Geschichte des Goldes, die Zahlen und Geschichten sprudeln nur so aus ihm heraus. Dann überlegt er kurz, was eigentlich die Faszination Gold ausmacht. „Alles, was damit zusammenhängt. Ohne Gold wäre vieles nicht zustande gekommen.“

Auch eine Staatsmeisterschaft im Goldwaschen wie vor zwei Jahren hätte es dann wohl kaum in Rauris gegeben. Bei der Disziplin, in der sogar Weltmeisterschaften ausgetragen werden, geht es tatsächlich nicht um das Finden des Goldes, sondern nur um das möglichst schnelle Trennen des Goldsandes in seine Bestandteile.

Nachgeeifert wird den Staats- und Weltmeistern an den Goldwaschplätzen. Kopp freut sich immer über die glücklichen Gesichter dabei. „Da wird niemand reich, es ist winziger Goldstaub“, sagt er. Um viel Gold herauszuholen, 100 bis 200 Tonnen schlummern laut Kopp noch im Rauristal, müsse man die richtigen Stellen kennen – und eine Genehmigung haben. Der Traum vom großen Goldreichtum ist damit geplatzt. Aber darum geht es den Besuchern auch nicht. „Das Gold ist offensichtlich ein ganz großer Anreiz“, sagt auch der örtliche Tourismuschef, Gerhard Meister. „Ich war vor Kurzem mit Besuchern aus Belgien und den Niederlanden hier, die haben sich gefreut wie kleine Kinder.“

Glücksritter mit Metalldetektor

Daneben gibt es auch die „Hardcore-Goldfans“, die nur des Goldes wegen überall hinreisen. Auch zu ehemaligen Goldrausch-Orten der 1850er-, 1890er-Jahre brechen heute noch einige Glücksritter hoffnungsvoll mit Metalldetektoren auf, etwa nach Alaska. Der große Rausch aber hat sich von den Minen und Flüssen in die Welt der Computer verlagert. Digitale Währungen wie Bitcoins sind das neue Gold, werden mit viel Strom „gemint“ und wecken ähnliche Sehnsüchte wie das Edelmetall 1849. Der Traum lebt weiter.

Die aktuell wichtigsten Goldminen der Welt

Grasberg-Mine: 1936 wurde die Goldmine mit dem größten Goldvorkommen der Welt entdeckt. Sie liegt in Westneuguinea (Indonesien.) Rund 40 Tonnen Gold werden vom Grasberg-Vorkommen pro Jahr gefördert. Dafür wurde die Stadt Tembagapura erbaut.

Muruntau-Mine: Das meiste Gold wird in einer Wüste in Usbekistan gefördert: Die Muruntau-Mine ist 600 Meter tief und wurde 1958 entdeckt. 61 Tonnen Gold werden hier jährlich an die Oberfläche geschafft, 5300 weitere Tonnen werden noch vermutet.

Yanacocha-Mine: Die größte Goldmine des amerikanischen Kontinents befindet sich in Peru. Früher wurden hier jährlich über 100 Tonnen Gold gefördert, aktuell sind es nur noch knapp 30 Tonnen – doch eine Erweiterung der fünf Minenkomplexe ist bereits geplant.




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