Letztes Update am Mi, 11.07.2018 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

70 Jahre Porsche: Vom Kärntner Alukasten zum Luxuswagen

Aluminium handgeklopft, 4-Gang-Getriebe, 35 Pferdestärken: Der erste Porsche war eine Leistung für sich. Als schnittiger Sportwagen entpuppte er sich vor 70 Jahren just in Innsbruck.

© Porsche AGKein Spielzeugauto, ein Männertraum: Ferdinand Porsche hält den "356 Nr. 1" seines Sohnes Ferry in den Händen. Die Enkel "Butzi", Ferdinand Alexander Porsche (l.), und "Burli", Ferdinand Piëch, sind begeistert und entwickeln als Erwachsene den "911".



Von Deborah Darnhofer

Wir sind Porsche“, könnten Innsbrucker mit stolzgeschwellter Brust frohlocken. Zumindest ein Stück weit –, okay, eher ein Stückchen Firmengeschichte. Doch immerhin und legitim. Übertreibungen sind der Welt der Sportwagen, wo jedes Auto noch schneller, schöner und toller ist, ja auch nicht fremd. Außerdem hilft die wahre Historie, dass der (leicht übertriebene) Ausspruch nicht unter die Räder kommt.

Es war ein Straßenrennen in Innsbruck, das am 1. August 1948 den Porsche-Erfolg anlaufen ließ. Dort fuhr Herbert Kaes mit dem allerersten Porsche-Exemplar, dem „356 Nr. 1“ Roadster, eine flotte Demonstrationsrunde am alten Flughafen Kranebitten. 35 PS bei einem Gewicht von nur 585 Kilogramm und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern konnten die Rennsport-Enthusiasten überzeugen.

Der "911" hat Kultstatus. Davon ist Herbert Demanega, Präsident des Porsche Clubs Tirol, überzeugt.
- TT/Thomas Böhm

Dem ersten Rennantritt in Inns- bruck folgten unzählige Siege rund um die Welt. Der Kult um die Stuttgarter Sportwagen wuchs so schnell wie ihre PS-Anzahl. Bequem auf der einen Seite und sportlich auf der anderen Seite, so beschreibt es Herbert Demanega, Präsident des Porsche Clubs Tirol. „Es macht einfach Riesen-Fahrspaß. Man kann auf der Rennstrecke genauso fahren wie im Straßenverkehr oder auf holprigen Straßen.“

Geburt im kleinen Gmünd

Sind die flinken Flitzer mittlerweile überall anzutreffen, hat der Welterfolg im kleinen Kärntner Ort Gmünd seinen Ursprung. Von dort kommen die Familien Porsche und Piëch. Dort ließ Ferry Porsche nach Streitereien mit deutschen Autobauern 1948 den ersten eigenen Porsche bauen.

1964 lief der erste in Serie produzierte "901" vom Band. Nach einem Namensstreit mit Peugeot wurde er in "911" umbenannt und zum Inbegriff von Porsche.
- Porsche AG

Wie sein Vater Ferdinand, der sich in französischer Kriegsgefangenschaft befand und zuvor den VW Käfer entwickelt hatte, setzte Ferry beim „356“ auf einen luftgekühlten Vierzylinder-Motor im Heck. Die Aluminium-Karosserie wurde in Gmünd noch per Hand zurechtgeklopft. Am 8. Juni 1948 erhielt der Sportwagen „356 Nr. 1“ dann eine Genehmigung von der Kärntner Landesregierung. Somit war er für die Straße geboren. Heute gilt der Tag als Beginn des Auto-Imperiums. Bis zur Rückkehr nach Stuttgart rasten 54 Fahrzeuge von Gmünd aus in die Welt.

Seit 1948 bis heute blieb das Design in seinen Grundzügen unverändert. „Porsche ist seit 70 Jahren unverkennbar. Der ,356erʻ ist immer noch erkennbar in den aktuellen Modellen“, sagt Demanega. Betonte Scheinwerferbuchten, niedere Fahrzeughöhe, schlankes Heck und lange Front würden die Modelle besonders machen.

Dabei spielte sich das Typische von Porsche lange im verborgenen Inneren ab. Die Luftkühlung sorgte für ein dunkles Rauschen, das Autoliebhabern glänzende Augen und Gänsehaut beschert. Demanega, dessen Tiroler Club 90 Mitglieder und „200 bis 300 Fahrzeuge“ hat, sieht darin den Geist der Sportwagen schnurren.

Seit einigen Jahren ginge jedoch dieser „Spirit“, wie es der Porsche-Fan nennt, verloren. Die wassergekühlten Motoren rauschen viel unscheinbarer. Daran könnten auch spezielle Audiosysteme nichts ändern. „Das Urige, das Sportliche leidet unter der modernen Technik. Früher hat man noch geschraubt und den Motor gepflegt, jetzt macht man den Deckel auf und sieht nichts außer einen schwarzen Deckel.“

Porsche-Fahrer sind selten

Die Neuerungen, inklusive Elektro- und Hybridmotoren, bringen nicht immer Vorteile und doch sind sie imstande, immer mehr Kunden zu locken. Im letzten Jahr verkaufte Porsche über 255.000 Autos. Der Umsatz stieg, Mitarbeiter konnten sich über großzügige Bonuszahlungen freuen – und die Käufer trotzdem über Exklusivität. Denn mit einem weltweiten Marktanteil von 0,3 Prozent sind Porsche-Fahrer selten.

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- Porsche AG

Neben Bewunderung würde ihnen immer wieder Neid begegnen, erzählt Demanega. Verwunderlich ist das bei aktuellen Fahrzeugpreisen um die 200.000 Euro nicht. Und doch will der Präsident des Porsche Clubs Tirol Vorurteile von der Straße räumen. „Wir im Club sind sehr zurückhaltend. Den Bleifuß haben eher BMW-Fahrer“, schmunzelt er. Proleten und Porsche eint eben nur derselbe Anfangsbuchstabe. „Wenn es den typischen Porsche-Fahrer wirklich geben sollte, dann ist er auf alle Fälle technik- und qualitätsaffin“, findet Josef Arweck, Pressesprecher des Konzerns. Er hat das Buch „70 Jahre Porsche Sportwagen“ (Delius Klasing Verlag, 39,90 Euro) verfasst – eines von etlichen Ausgaben zum 70-Jahr-Jubiläum. Angeber seien Porschefahrer keine.

Ein Kult aus drei Zahlen

Die meisten verstehen sich als „911“-Piloten. Denn das schnittige Modell wurde zum bedeutendsten Auto des Familienclans. Nach 15 Jahren löste es 1964 den „356“ ab, der mit seinem Vierzylinder-Motor nicht mehr zeitgemäß war. Die Techniker steckten dem neuen Modell, das für die Markteinführung von „901“ erst in „911“ umbenannt werden musste, sechs Zylinder unter das Heck. 130 PS konnte er anfänglich vorweisen. Dank siegreicher Rennserien und der Entwicklung des „Carrera“ brauste er dem „356“ in Prestige und Leistung schnell davon.

Der „911“ avancierte zum bekanntesten Sportwagen der Stuttgarter – und ist es noch heute. Sein tiefes Motorengeräusch klingt unverwechselbar und machte das Auto zum Kult. Auch Demanega und seine Clubkollegen verstehen sich als stolze „911“-Fahrer. Daran vermag die neue Bezeichnung der Modelle, die seit 2011 produzierten „991er“, nichts zu ändern.

Trotz der Entwicklungen bleibt ein Porsche immer ein Porsche, meinen Demanega und Arweck. Der 2019 erscheinende Elektrosportwagen „Taycan“ wird in puncto Design wieder dem 70-jährigen Vorgänger ähneln. Das Heck bleibt kurz, der Wagen schlank.

Von allzu viel Wandel scheinen auch die Fahrer nichts zu halten. Laut Arweck sind rund 75 Prozent aller je gebauten Fahrzeuge noch auf den Straßen unterwegs. Tradition verpflichtet offenbar. Tempo und das Traumauto auch.




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