Letztes Update am Mo, 23.07.2018 16:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Videospiel „Fortnite“

Der tanzende König der Insel

Eine Insel, 100 Spieler – und am Ende des royalen Kampfes tanzt nur noch einer: Das Videospiel „Fortnite“ begeistert Millionen, seine Tänze schaffen es bis in die Realität.

© AFPFrankreichs Antoine Griezmann jubelte im WM-Finale vor einer Woche mit dem "Take the L"-Move. L wie Loss, also Niederlage. Mit dem mit Daumen und Zeigefinger gedeuteten L wird der Verlierer verhöhnt, ein Fuß ist in die Luft gestreckt.



Von Philipp Schwartze

Mehr als 78.000 Zuschauer im Moskauer Luschniki-Stadion und viele Millionen mehr vor den Fernsehern sahen im WM-Finale vergangenen Sonntag den Torjubel von Antoine Griezmann. Das auffällige Tänzchen mit einem Bein in der Luft und einem über der Stirn gedeuteten L stammt aus dem Videospiel „Fortnite“. Über 125 Millionen Menschen weltweit zocken es derzeit – darunter Stars wie eben auch Griezmann.

- Epic Games

Zu wahren Stars der virtuellen Szene sind dagegen die Erfinder der verschiedenen Tanzeinlagen geworden. Der 16-jährige Russel Horning erfand etwa den „Backpack-Kid“-Move und durfte anschließend mit US-Sängerin Katy Perry auftreten. Dabei führte er den „The Floss“-Move aus und stahl dem Popstar die Show – spätestens seitdem gehen die Bewegungen, die die Spielfiguren ausführen können, um die Welt.

Doch die so populären Tänze, die es aus der virtuellen Welt in die Realität geschafft haben, spielen bei dem so genannten „Battle-Royale“-Spiel, dem königlichen Kampf, nur eine untergeordnete Rolle: Bevor die Comic-Spielfiguren ihre Arme und Beine schwingen und die Hüften kreisen lassen, geht es um etwas ganz anderes: „100 Spieler springen über einer Insel ab und versuchen, als Letzte zu überleben“, erklärt Nikolaus Staudacher vom „Spielraum“ am Wiltener Platzl das simple Spielprinzip. „Das funktioniert. Es ist inzwischen das meistgespielte Spiel bei uns“, sagt der 38-Jährige. Der Hype hat auch Tirol erreicht, war Thema auf Schulhöfen und in Internetforen. Das war aber gar nicht abzusehen, wie Staudacher verrät. „Die erste Version mit Vampiren war ein Rohrkrepierer, dann hat man die jetzige Version rausgebracht.“

Die zu Fäusten geballten Hände werden an den ausgestreckten Armen vor und hinter dem Körper hin- und herbewegt. Die Hüfte wippt mit.
- Epic Games

Die ging rasch durch die Decke, noch ehe bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland überhaupt der Ball rollte. Gründe für den Erfolg gibt es laut dem Spiele-Experten gleich mehrere. „Das Spiel ist kostenlos und dank der Comic-Grafik bereits ab zwölf Jahren freigegeben. Das schafft ein breites Publikum“, sagt er. Das Battle-Royale-Spielprinzip ist der aktuell wohl größte Trend im Reich der Videospiele.

Doch nur Kämpfen ist heute oft nicht mehr genug: Bei „Fortnite“ kann man Fahrzeuge bauen und sich auf vielfältige Art kreativ ausleben. Events, an denen sich die Spielwelt verändert, werden groß angekündigt. Dann sitzen alle gebannt vor den Konsolen, auch in Wilten. „Das ist neu im Spielesektor, dass nicht ein Spiel hergestellt wird und es zwei Jahre später einen Nachfolger gibt. Stattdessen wird das bestehende Spiel immer weiterentwickelt“, sagt Staudacher.

Neulich war für 19.30 Uhr solch ein Großereignis angekündigt. „Sechs Jungs waren schon eine halbe Stunde vorher bei mir im Spielraum. Dann ist im Spiel eine Rakete gestartet, die die komplette Spielwelt verändert hat“, berichtet Staudacher.

Tanzparty auf dem Schlachtfeld

„Die Jungs, die bei mir spielen, wollen vor allem gewinnen. Aber vor dem Spiel reden sie auch über die Tänze.“ Manchmal wird auf den Spiele-Servern auch gleich am Anfang wie wild getanzt – ehe der Kampf ums Überleben startet.

Auch im Basketball findet „Fortnite“ seine Fans. „Ich verfolge den Sport recht viel. Da reden sie in Interviews in den USA jetzt auch oft von Fortnite.“ Basketball-Star LeBron James gibt es sogar als Spielfigur. „Sicher trägt der Tanz-Jubel der Sportler zur Popularität bei, die sind schließlich Idole für die Jungen“, meint Staudacher. Nachsatz: „Bei so vielen Fortnite-Spielern wundert es mich nicht, dass auch Sportler darunter sind.“ Sogar Weltmeister.


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