Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.07.2018


Hunde

Ein gelbes Mascherl für mehr Abstand

Eine Schleife soll kranke, läufige oder unsichere Hunde vor ungewolltem Kontakt mit Tier und Mensch schützen.

© iStock(Symbolfoto)



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Wo Hunde sich begegnen, wird geschnüffelt, herumgetollt, gebellt oder vor Freude mit dem Schwanz gewedelt. Doch nicht alle Hunde schätzen diese Nähe zu Artgenossen oder gar, wenn deren Herrchen oder Frauchen zu nahe kommen. Gründe kann es dafür viele geben, für Außenstehende sind diese aber oft nicht ersichtlich.

In Schweden hat man daher 2012 die Kampagne „Gulahund“, auf deutsch „Gelber Hund“, eingeführt: Eine gelbe Schleife um Hund oder Hundeleine ist dabei kein modisches Accessoire für den geliebten Vierbeiner, sondern signalisiert allen anderen: Bitte Abstand halten. In Skandinavien hat sich dieses Zeichen seitdem rasch verbreitet. Auch in Deutschland gibt es unter dem Motto „Gelber Hund braucht Freiraum“ einen Ableger der „Gulahund“-Kampagne, über 10.000 Personen gefällt derzeit die offizielle deutschsprachige Facebookseite zu diesem Thema. In zehn Ländern läuft die international geschützte Aktion bereits.

Hierzulande will der Verein „Tierfreunde Österreich“ das gelbe Schleifensymbol nun mit der Kampagne „Gelber Hund“ verbreiten. Kranke oder verletzte Hunde, junge und in Ausbildung befindliche Vierbeiner, läufige oder verängstigte Tiere sollen damit vor stürmischen Artgenossen oder streichelwütigen Passanten geschützt werden.

Völlig ohne Worte ließen sich so Konflikte beim Gassigehen vermeiden. Als Kennzeichnung von aggressiven Hunden oder Ersatz von Maulkörben will man das „gelbe Mascherl“ bei den Tierfreunden aber nicht missverstanden wissen. Mit Postern und Flyern soll die Aktion beworben werden.

Katja Wolf vom Österreichischen Kynologenverband hält den „gelben Hund“ für eine „Superidee“. „Zusätzlich zu einer besseren Ausbildung der Hundehalter durch Training ist die gelbe Schleife begrüßenswert“, sagt sie. Nur die Schleife alleine sei zu wenig. Viel zu oft würden Hundehalter unter Training nur die Befehle „Sitz“, „bei Fuß“, oder „Platz“ verstehen. „Ausbildung ist aber viel mehr. Das bedeutet auch zu verstehen, was den eigenen Hund ängstigt“, sagt Wolf. Einige Verhaltensweisen ließen sich dann auch abtrainieren. „Alles geht natürlich nicht und genau dann ist die gelbe Schleife sinnvoll. Etwa wenn der Hund ein traumatisches Erlebnis mit einem großen schwarzen Hund hatte oder wenn er läufig ist“, sagt sie.

Oft sei das stürmische Verhalten anderer schließlich keine Absicht und Hunde brauchen auch Interaktion. „Aber wenn der Hund gerade eine Operation hatte, und ein anderer steigt ihm wieder auf den verletzten Fuß, dann kann man gleich wieder zum Tierarzt“, nennt sie ein Beispiel, wo mehr Abstand durch die gelbe Schleife helfen könnte. Noch ist die gelbe Schleife an einer Hundeleine in Österreich aber sehr selten. Weitere Infos auf der Seite von „Gelber Hund Austria“: www.gelber-hund.at




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