Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.07.2018


Bezirk Kufstein

„Bahntrasse muss unter die Erde“

Anrainer und Politik verlangen einen unterirdischen Verlauf der neuen Bahntrasse durchs Inntal. Bereits drei Resolutionen wurden beschlossen.

© OtterBM Martin Krumschnabel (l.) aus Kufstein und BM Hajo Gruber aus Kiefersfelde­n beim Unterzeichnen der Euregio-Resolution.Foto: Otter



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Forderung ist ganz klar: Wenn in rund einem Jahr die überarbeiteten Pläne für den Neubau der Unterinntalbahntrasse zwischen Langkampfen und Rosenheim vorliegen, „muss der oberirdische Streckenabschnitt bei uns in Morsbach vom Tisch sein“, stellt der Ortsvorsteher Josef Wagner gegenüber der TT klar. Dies hat man auch in einer Resolution verlangt. Die Bahnprojektanten hatten für die Kufsteiner eine unliebsame Überraschung parat, als sie einen langen offenen Trassenabschnitt in der Festungsstadt als eine der möglichen Varianten präsentierten. Bislang war immer eine reine Untertunnelung im Stadtgebiet im Gespräch. Geologische Bedingungen könnten dies nun verhindern. Mittlerweile hat sich auch zusätzlich zum Ortsausschuss eine Bürgerinitiative gebildet, die die Pläne bekämpfen will.

Der Slogan „Gleise unter die Erde“ ist aber nicht nur im Ortsteil Morsbach in Kufstein zu hören. Das Gleiche gilt für die Bürgerinitiative im benachbarten Langkamp­fen, der ebenfalls ein zu langes Stück der Neubautrasse oberirdisch verläuft. In diesem Fall betrifft es den Bauabschnitt Kundl–Langkamp­fen/Schaftenau, der bis 2032 in Betrieb gehen soll – sechs Jahre vor der angepeilten Eröffnung der Trasse Kufstein–Rosenheim.

Ob Kufstein oder Langkampfen oder anderswo: Die Bürgerinitiativen erhalten Unterstützung von der Lokalpolitik diesseits und jenseits der Staatsgrenze. Die Euregio Inntal hat (wie berichtet) ebenfalls eine Resolution auf den Weg nach Wien und Berlin und an die Europäische Union in Bewegung gebracht, in der u. a. verlangt wird, dass die Neubaustrecke zum überwiegenden Teil unterirdisch verläuft. Bis diese fertig ist, müsse die Bestandsstrecke so verbessert werden, dass es keine Verschlechterung für die Bevölkerung gibt. Diese befürchtet man nämlich besonders in Bayern. Daher haben auch die CSU-Kreisverbände Rosenheim Stadt und Land eine Resolution eingereicht. Deren Grundaussage: zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen an der Bestandsstrecke und ein unterirdischer Verlauf der Neubaustrecke. „Was in Österreich möglich war, sollte auch in Deutschland ermöglicht werden, da wir keine EU-Bürger zweiter Klasse sein möchten“, so die Kreisverbände.