Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.07.2018


Exklusiv

Holzerhütte in Scharnitz ist nun Museum

Aus altem Holz geschnitzt ist das neue Besucherzentrum in Scharnitz. Mit einem Trifterfest wurde die originale Holzerhütte aus dem Gleirschtal gestern eingeweiht.

© Thomas Boehm / TTStaunen über die Geschichte der Holzbearbeitung beim „Trifterfest“ am Samstag zur Eröffnung des Musums.



Scharnitz — Dort, wo die Holzerhütte heute steht, zogen die Arbeiter früher die Holzbloche aus dem damaligen Ländsee und ganterten sie zu Stößen, bevor sie mit dem Zug abtransportiert wurden. Die Holztrift im Karwendel durch die Gleirschklamm reicht nach Aufzeichnungen von 1976 des ehemaligen Scharnitzer Dorfchronisten Philipp Sprenger bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Der Quad war auf der Forststraße unterwegs.Symbolfoto: iStock
- Anton Mair

Zeitzeugen, heute alle im Seniorenalter, erinnern sich, wie sie als Kinder auf den treibenden Stämmen herumgesprungen sind. Und an die gefährliche Arbeit mit groben, großen Werkzeugen, die im jetzigen Museum ausgestellt sind.

Wenn sich die Stämme in der engen Klamm verkeilten, schossen die Holzer mit Gewehren so lange darauf, bis einer brach. Die Brücke erzitterte jedes Mal, wenn das Schleusentor aufgeschlagen wurde — und so manch ein junger Bub von damals denkt noch mit Gänsehaut zurück, wie es war, wenn das Wasser des aufgestauten Gleirschbachs unter ihm durchschoss. Als Zimmerer Alois Seelos vom Abriss der Holzerhütte hörte, kaufte er die Hütte. Einen Monat lang räumte er sie gemeinsam mit seiner Tochter aus, mit Freunden und Traktoren bauten sie die Hütte dann ab. Die Einzelteile bewahrte Seelos bei sich auf, sortierte und reinigte sie. Zwei Jahre lang dauerte dieses Zwischenlager, 2017 hatte Seelos dann die Genehmigung, die Hütte im Karwendelpark in Scharnitz neu zu errichten. Geblieben ist alles originalgetreu. Die Hütte ist nun ein Museum und wurde am Samstag feierlich mit dem so genannten „Trifterfest" eröffnet. (thm, TT)

Die Arbeit im kalten Wasser und in der engen Klamm war für die Holzer beschwerlich und gefahrenreich.
- Anton Mair



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