Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.07.2018


Exklusiv

Besondere Freundschaft: „Mich faszinieren diese mystischen Tiere“

Fotografin Bella Steger holt Tiere nicht nur gern vor die Kamera. Sie hat sich mit den Uhus Navajo und Antares einen lang gehegten Traum erfüllt.

© Bella StegerDie fünfjährige Ilvy liebt Tiere über alles. Mit ihrer Mama Bella Steger hat sie bereits verwaiste Steinmarder aufgezogen. Im März ist Uhu Navajo in die Familie eingezogen. Mit dem Greifvogel hat sich die Fotografin einen Traum erfüllt.



Von Brigitte Warenski

Bella Steger mit ihrem souveränen Navajo.
- Bella Steger

Aldrans — Schon als Kind verbrachte Bella Steger viele Stunden im nahegelegen Wald, fing Kröten wie Schlangen und beobachtete Rehe. Später teilte Steger ihr Haus mit zwei Nasenbären, drei verwaisten Steinmardern — die sie mit ihrer fünfjährigen Tochter Ilvy aufgepäppelt hat — und einem Fuchs. Auf ihren Reisen schwamm Steger mit wilden Delfinen, ritt auf Yaks, durchquerte auf Kamelen die Wüste, ging mit einem Tiger spazieren und machte ihre Liebe zu Tieren und vor allem zu Pferden letztendlich auch zu ihrem Beruf. „Mich hat es schon immer fasziniert, die Schönheit und den Charakter der Tiere, allein oder in Symbiose mit ihren Besitzern, in Bildern festzuhalten", erzählt Steger.

Ilvy und Rabe Artax waren ein eingespieltes Team, doch der Vogel wurde nach seiner Genesung wieder ausgewildert.
- Bella Steger

In ihrem Heimatort Aldrans bei Innsbruck ist die Tierliebhaberin längst bekannt, immer wieder sieht man sie mit Tochter Ilvy auf ihren beiden Pferden, begleitet von den Afrikanischen Zwerziegen „Kenya" und „Manaki", die den Ausflug in die Natur sichtlich genießen. „Auf einem dieser Ausritte haben wir heuer einen Raben mit einem verletzten Flügel gefunden", so Steger. Das Tier wurde gehegt und gepflegt, bekam den Namen Artax „und war schnell handzahm", erinnert sich die Fotografin. Doch ein Rabe liebt die Freiheit und so wurde Artax nach seiner Genesung wieder ausgewildert. „Manchmal bekommen wir im Garten Besuch von einem Raben, der auf unserem höchsten Baum sitzt und mit uns redet. Ich denk, das wird unser Artax sein", ist Steger überzeugt.

Im März hat sich nun auch ihr lang gehegter Wunsch erfüllt. „Ich habe immer schon von einer Eule geträumt, weil mich diese mystischen Tiere so faszinieren. Ich musste jedoch einige Auflagen erfüllen, bevor Navajo bei uns einziehen durfte." Steger büffelte für den vorgeschriebenen Sachkundenachweis (wie ein Falknerschein, nur ohne Jagdgenehmigung), den man für die Haltung von Greifvögeln braucht. Es wurden alle tierschutzrechtlichen Genehmigungen eingeholt, der Uhu bei der Bezirkshauptmannschaft registriert und eine große Voliere für den Greifvogel gebaut. „Unser Navajo, der eigentlich ein Weibchen ist, ist ein zweijähriger europäischer Uhu, super-lieb, sehr souverän und immer total höflich." Dass Navajo so entspannt ist, auch wenn Besuch kommt, hat mit Bella Stegers Einfühlungsvermögen für Tiere, ihr Wissen über Tiere und damit zu tun, „dass er von Hand aufgezogen wurde und daher an Menschen gewöhnt ist". Besonders stolz macht Steger, dass sie Navajo komplett vertrauen kann. Die Eule geht mit ihren messerscharfen Krallen und ihrem kräftigen Schnabel äußerst behutsam um, „sie würde nie jemandem weh tun".

Beim Ausritt werden Bella Steger und Tochter Ilvy oft von ihren Afrikanischen Ziegen begleitet.
- bella

Und weil Uhus — übrigens die größte Eulenart der Welt mit einer Flügelspannweite bis zu 1,70 Metern — nicht allein gehalten werden dürfen, teilt sich Navajo seit vier Wochen die Voliere mit dem sibirischen Uhu Antares. In den Bann seiner kugelrunden, tieforangen Augen wird man in Sekundenschnelle gezogen, aber sonst kommt der hell gefiederte Jüngling noch wie ein Baby daher. Zur Begrüßung wackelt er mit dem Kopf und gibt leise Uhulaute von sich. „Er ist verspielt, meganeugierig, aber ein totaler Charmeur, wenn er einem in die Augen sieht", weiß Steger. Mit dem Gleichgewicht hat der drei Monate alte Uhu aber noch sichtlich zu kämpfen. „Wenn er am Falknerhandschuh sitzt, tut er sich noch schwer, meine Bewegungen auszubalancieren", sagt Steger, die sich auf den abendlichen Spaziergang mit Navajo vorbereitet. Den Falknerhandschuh zieht Steger dabei an, aber nicht zum Schutz vor den Krallen, „sondern damit sich Navajo besser auf meiner Faust halten kann". Zur Sicherheit trägt der Vogel ein „Geschüh", zwei lange Riemen an den Füßen, „denn es kann ja sein, dass er durch ein aufheulendes Motorrad oder einen bellenden Hund doch einmal erschrickt und unkontrolliert wegspringt. Das will ich auf alle Fälle vermeiden."

Dreimal wöchentlich geht es unter besten Bedingungen in den Freiflug, „aber die beiden sind so faul, die bleiben am liebsten auf meiner Faust sitzen", sagt Steger lächelnd. Und hin und wieder steht Navajo auch für Fotoshootings vor der Linse, meist zusammen mit Tochter Ilvy. „Er ist da super-gelassen und ein absoluter Vollprofi", schwärmt Steger.