Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Bezirk Reutte

20.000 Mittelalterfreunde und die Hürden der Neuzeit

All jene, die am Samstag und Sonntag mit dem Shuttlebus zu den Ritterspielen in die Klause gelangen wollten, bekamen einen Eindruck davon, wie es einst war, als das Burgenensemble Ehrenberg als uneinnehmbares Bollwerk galt.

© Charly WinklerUnter dem Beifall der begeisterten Besucher ging es zum Zweikampf hoch zu Ross – bis die Lanzen zerbarsten.



Von Simone Tschol

Reutte — Starkes Reisewochenende an der B179, kolonnenweise Ausweichverkehr durch den Bezirkshauptort und die Baustelle an der Brücke bei der Katzenmühle sorgten zeitweise für den totalen Verkehrskollaps. „Heuer war es extrem. Es gab Shuttlebusse, die über eine Stunde allein durch Reutte brauchten", beschreibt Burgenvereinsobmann Dietmar Koler. Für Zigtausende jedoch kein Grund, nicht beim großen Spektakel dabei zu sein.

In der Klause angekommen, landeten die Besucher nicht im Kerker — wie einst ihre kampfbereiten Vorfahren —, sondern tief im Mittelalter.

Geharnischte, Landsknechte, Bogenschützen und Gaukler füllten die Straßen und Wege, Ritterturniere und Schlachten sorgten für Action und am Mittelaltermarkt konnte alte Handwerkskunst bewundert und nach Herzenslust gefeilscht werden.

Auch wenn Veranstalter und Gastronomen bei der inzwischen 15. Auflage der „Zeitreise" längst eingespielt sind — eine Premiere waren die heurigen Ritterspiele auch für sie. Koler: „Das war heuer das erste Mal, dass es das ganze Wochenende über nicht ein einziges Mal geregnet hat."

TVB-Chef Ruepp zog Montagvormittag ein durchwegs positives Resümee: „Genaue Zahlen haben wir noch nicht. Aber ich schätze, dass es so knapp über 20.000 Gäste waren, wie die letzten Jahre." Mehr gehe — auch verkehrstechnisch — nicht. Ruepp, vom Wetterglück begeistert: „Wenn ich es mir aussuchen kann, nehme ich das Wetter nächstes Jahr wieder."

Detail am Rande: Trotz schwerer Waffen und dem ein oder anderen edlen Tropfen zu viel verlief das Fest auch heuer ohne Zwischenfälle.

Auch die kleinsten Darsteller brauchen einmal eine Pause.
- Charly Winkler
Ein Blickfang: die Legionäre beim Aufmarsch zur Parade.
- Charly Winkler
Wenn die Nacht hereinbricht, herrscht im Zeltlager in der Klause ein besonderes Flair.
- Charly Winkler