Letztes Update am Mi, 01.08.2018 08:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimakrise

„Plant for the Planet“: 15 Milliarden Bäume in elf Jahren

Die Idee eines neunjährigen Jungen trägt rund um den Globus Früchte. Felix Finkbeiner aus Bayern rettet die Welt, indem er Bäume pflanzt.

© Plant for the PlanetFelix Finkbeiner aus Bayern.



Von Evelin Stark

Mit neun Jahren wollte er die Welt retten. Jetzt ist er 20 und hat vor Kurzem das deutsche Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Felix Finkbeiner hat mit seiner Organisation „Plant for the Planet“ in elf Jahren 15 Milliarden Bäume gepflanzt und hat nicht vor, damit aufzuhören.

Im Volksschulalter bereits die Welt vor dem Klimawandel retten zu wollen, ist ganz schön ambitioniert. Bei Felix Finkbeiner hat es mit einer Schulaufgabe begonnen: „Ich sollte ein Referat über die Klimakrise halten. Bei der Recherche las ich von Wangari Maathai, die mit Frauen in Afrika in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Ich dachte: Wenn wir Kinder in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen, können wir auf eigene Faust etwas gegen die Klimakrise unternehmen“, erzählt der gebürtige Bayer.

Prinz Albert (Monaco) und Felix pflanzen Bäume.
- Plant for the Planet

Inzwischen hat er sich kaum verändert, zumindest, wenn man nach all den Interviews, Reden und Fernsehauftritten geht, die er im Alter von neun Jahren im Bayerischen Fernsehen, mit zehn vor dem Europaparlament oder mit 13 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hingelegt hat. Ja genau, mit 13, in New York. Fink­beiners Ziel ist unverändert: 1000 Milliarden Bäume sollen global gepflanzt werden. Vor elf Jahren sollte es noch eine Million sein. Die Vermillionenfachung seines Zieles mag größenwahnsinnig wirken. Dabei stand die Verbreitung seiner Idee immer schon im Zentrum: „Unsere Klassenlehrerin und Schulleitung ließen uns das Referat vor anderen Klassen und Schulen halten. Da haben viele Kinder von der Idee erfahren“, erzählt Finkbeiner.

Plötzlich seien auch Kinder von anderen Schulen dabei gewesen und hätten sich einen Wettkampf geliefert, wer die meisten Bäume pflanzt. „Geholfen hat auch, dass schon beim ersten Baumpflanzen ein Journalist dabei war und über uns berichtet hat“, so der Student. Später habe er auf einer internationalen Kinderkonferenz einen Vortrag gehalten und gefragt, wer verspreche, in seinem Land eine Million Bäume zu pflanzen. Kinder aus über 100 Ländern kamen spontan auf die Bühne. Damit war seine Stiftung „Plant for the Planet“ geboren.

Die erste Spende für die Klimarettung sammelte Felix von seinen Eltern. Wenig später übertrug ihm die Umweltabteilung der Vereinten Nationen deren „Billion Tree Campaign“. Heute führt „Plant for the Planet“ diese UNO-Kampagne weiter und verfügt auf der Welt über sechs Büros, das größte in Tutzing, mit über 110 Mitarbeitern. Aber der Großteil der Arbeit soll in den Ländern des Südens jenseits der Büros gemacht und organisiert werden.

Das Kind Felix Finkbeiner demonstriert für die Zukunft der Erde.
- Plant for the Planet

Auf der Internetseite der Organisation lassen sich für je einen Euro Bäume in Campeche (Mexiko) finanzieren. „Jeder Baum bindet im Durchschnitt zirka zehn Kilogramm CO2 im Jahr und wirkt so der Klimakrise entgegen“, ist dort zu erfahren. Auf gut 13.000 Hektar sollen bald schon zehn Millionen Bäume stehen, wo bislang Gestrüpp wuchs.

Nach wie vor spielen Kinder – neben den Bäumen – eine große Rolle bei „Plant for the Planet“. Ob sie die Welt verändern können? „Na klar! Aber natürlich brauchen auch wir Hilfe von Erwachsenen. Wir müssen sie also überzeugen, uns zu helfen. Das gelingt uns meistens ziemlich gut, weil sie verstehen, dass es um unsere Zukunft geht“, erklärt der inzwischen selbst Erwachsene.

Der Trick dabei: „Wer will, dass Erwachsene einem zuhören, darf nicht lange reden, sondern muss direkt etwas tun. Dann müssen sie nämlich reagieren.“ Ein weiterer Trick sei, sich mit anderen Kindern zusammenzutun: „Wenn man einem Wirtschaftsboss sagt: ,Ich bin Felix. Bitte spenden Sie Geld, damit ich Bäume pflanzen kann’, sagt der: ,Danke, kein Inter­esse’. Wenn ich aber sage: ,Mein Name ist Felix und ich vertrete 100.000 Kinder in Deutschland, die etwas gegen die Klimakrise unternehmen wollen. Wir brauchen Ihre Hilfe, um Bäume zu pflanzen’, dann muss er mich ernst nehmen.“

So hat Felix Finkbeiner bereits von seinen ersten Bäumen weg gelernt, wie er seine Wurzeln am besten ausbreitet, um fruchtbaren Boden für seine Organisation zu schaffen. Dass er es sogar geschafft hat, seine Inspirationsquelle von damals persönlich kennen zu lernen, bringt ihn ins schwärmen: „Am schönsten war es, mein Vorbild zu treffen: Die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai aus Kenia. Leider ist sie 2011 verstorben. Wir Kinder und Jugendliche versuchen, ihre Idee fortleben zu lassen.“ Dass sie wächst, sei den Kindern zu verdanken.