Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.08.2018


Freizeit

Klimageräte an heißen Tagen: Abkühlung mit Nebeneffekt

Die anhaltende Hitze erhöht den Absatz von Klimageräten: was bei der Anschaffung zu beachten ist und umweltfreundliche Alternativen, um extrem heiße Tage zu überstehen.

© iStockphotoVentilatoren verschaffen Abhilfe, kühlen aber nicht die Luft. Klimaanlagen sind wesentlich teurer, vor dem Kauf sollten Experten und möglichst auch Nachbarn befragt werden.Foto: iStock



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck, Wien – Wer derzeit bei moderaten Temperaturen tief durchatmen will, muss möglichst früh aufstehen. Und sollte dabei auch gleich die Fenster weit öffnen: Die Morgenluft ist wohltuend kühl und vertreibt auch die Hitze aus den Wohnräumen. Danach nimmt sich der an die Klimaerwärmung Angepasste die Südländer zum Vorbild und lässt die Jalousien runter. Die Wüstenhitze – der Begriff gilt ab 35 Grad und wird immer gebräuchlicher – bleibt draußen. Oder er geht wie immer mehr andere unter der Hitze Leidende zum Elektrohändler und kauft sich ein Klima­gerät. Doch dabei gibt es einiges zu bedenken, will man Ärger vermeiden.

Denn das deutliche Surren der Apparate kann die Nachtruhe der Nachbarn, die bei offenen Fenstern schlafen, deutlich stören. Das trifft vor allem auf die so genannten Splitgeräte zu, die aus einem Innen- und einem Außenteil bestehen, das an der Fassade befestigt wird. Markus Stingl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) warnt vor Schwierigkeiten vor allem in dicht bewohnten Siedlungen, die bis zum Rückbau einer teuer erstandenen Anlag­e führen können. Denn das Geräusch des Ventilators, das der Besitzer selbst nicht hört, da er während des Betriebs des Geräts die Fenster schließen muss, kann bei maximaler Kühlgeschwindigkeit einen Lärmpegel von 50 bis 60 Dezibel verursachen.

„Um auf der sicheren Seit­e zu sein“, wie der Experte meint, sollte man deshalb bei der zuständigen Baubehörd­e ein Ansuchen stellen. Die Mitarbeiter prüfen mit einem Lärmmessgerät, ob das Surren anderen Hausbewohnern zugemutet werden kann. Ein Gespräch mit den Nachbarn selbst sei natürlich auch zu empfehlen. Besonders in Innenhöfen könne das Geräusch durch die Reflexwirkung als besonders störend empfunden werden – je höher die Wohnung, umso ärger.

Bei Splitgeräten zirkuliert zwischen Innen- und Außenteil ein Kältemittel, die Wärme wird nach draußen transportiert. Sie arbeiten effektiver als die günstigeren Monoblockgeräte, die einen Abluftschlauch haben, der aus dem Fenster gehängt werden muss. Aktuell­e Tests des VKI ergaben, dass keines der geprüften Geräte ein­e Vorrichtung zum Abdichten hatte. Durch den rund 20 Zentimeter großen Spalt – so breit ist das Kunststoffrohr – gelangt dadurch wiederum Hitze nach drinnen. Und umgekehrt leider auch wieder Lärm nach draußen, der Schallleistungspegel ist bei diesen Anlagen sogar noch höher. Die getesteten Marken kosteten zwischen 350 und etwas über 1000 Euro. Splitgerät­e sind weitaus teurer, Preise von 2000 bis 3000 Euro oder mehr sind keine Seltenheit, dazu kommt die Montage durch fachkundiges Personal, das die Wand durchbrechen muss. Wer seine Wohnung nur gemietet hat, muss deshalb auch zuerst den Eigentümer um Erlaubnis fragen.

Wegen der schlechten Öko- und Klimabilanz nimmt der VKI davon Abstand, Konsumenten die Anschaffung eines Klimageräts zu empfehlen, und rät zu Alternativmaßnahmen, wie eben Außenjalousie­n, durch welche die Hitze gar nicht erst ins Wohnungs­innere dringen kann, zu Sonnenschutzfolien an den Fenstern oder entsprechender Verglasung. Allerdings könnte es dadurch im Inneren unter Umständen recht dunkel oder gar düster werden, sie sollten deshalb nur für Räume verwendet werden, die nicht ständig benutzt werden, so der VKI.

Die beste, aber auch teuerst­e Variante zum Schutz vor zu großer Sonneneinstrahlung ist eine gute Dämmung von Fassade und Dach. Sie spare nicht nur im Winter Heizkosten, sondern erhöhe auch den Wohnkomfort an besonders heißen Sommertagen. Aber auch die Natur kann helfen, indem Hausbesitzer an der Fassade einfach Wilden Wein oder Efeu pflanzen, der die Mauern im Lauf der Jahre begrünt und kühlt.

Die getesteten Anlagen erhielten übrigens keine gute Beurteilung, bei den Monoblockgeräten war „Durchschnittlich“ die beste Note, sie wurde zweimal vergeben. Die anderen drei waren „weniger zufriedenstellend“. Die Splitgerät­e schnitten durchwegs besser ab mit einem „Gut“, drei „Durchschnittlich“ und einem „Weniger zufriedenstellend“. Gemessen wurden Schall­leistungspegel, Kühlleistung und Energieeffizienz.


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