Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


Burghausen

Tirolerin ist (auch) Burgherrin

Sigrid Resch ist seit 2011 Geschäftsführerin der Burghauser Touristik GmbH (BZG) und damit auch für die Vermarktung der längsten Burg der Welt zuständig.

© HörhagerImmer gut aufgelegt: Sigrid Resch und hinter ihr Stadt und Burg Burghausen. Die Salzach bildet die Grenze zwischen Österreich und Bayern.



Von Peter Hörhager

Burghausen – Tirol ist zwar auch ein „Burgen-Land“, mit der Dimension jener Anlage in Bayern, die rund 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck über der Salzach thront, können sich unsere Schlösser und Burgen nicht messen. Über eine Länge von 1051 Metern erstreckt sich die Burg von Burghausen. Es ist damit die längste Burg der Welt. Der auf einer Hügelzunge zwischen Salzach und dem Wöhrsee situierte Komplex umfasst (nie von Feinden bezwungene) Burgmauern, Dutzende Türme, sechs Burghöfe, Kapellen (die innere Schlosskapelle ist die älteste frühgotische Kirche Südbayerns), ein Zeughaus und – man lese und staune – eine Reihe von Gebäuden, die an Privatpersonen vermietet sind. 200 Burghausener wohnen auf bzw. in der Burg. Ihr Domizil fahren sie nicht mehr in/mit Kutschen an, sondern, wie die vor den alten Gebäuden geparkten Karossen belegen, mit Fahrzeugen, die wesentlich mehr Pferdestärken haben ... Die Hauptburg beherbergt unter anderem ein Foltermuseum, ein Burg- und Stadtmuseum, eine Außenstelle der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und ein Fotomuseum.

Die außergewöhnliche Lage des Burgberges führte schon in der Bronze- und Eisenzeit zu einer Besiedlung. Den Beweis lieferten Grabungen, bei denen Scherben aus der Zeit um 1500 vor Christi gefunden wurden. Dass dann auch Kelten und Römer den Standort nutzten, wusste man schon vor den jüngsten Grabungen. Die ältesten Teile der heute erlebbaren Burg stammen aus dem Hochmittelalter. Die größte Bautätigkeit erfolgte in der Zeit, als die Burg der niederbayerischen Linie der Wittelsbacher als Residenz und Landesfestung diente. Vor allem unter Herzog Georg wurde die Burganlage massiv ausgebaut und erhielt ihren heutigen Charakter.

Einer der vielen Innenhöfe der Burg.
- Hörhager

In den folgenden Jahrhunderten gab es noch einige An- und Umbauten. Als 1891 die Garnison Burghausen aufgelassen wurde, gab es sogar Pläne zum Abriss der Burg. Zum Glück für die heutigen Burghausener verhinderten die damaligen Burghausener dieses Unterfangen. Heute ist die Burg im Besitz der Bayerische Schlösserverwaltung. Und diese kann daher – siehe oben – mit der weltlängsten Burg werben.

Apropos werben: Für die Vermarktung der Burg und der Stadt Burghausen, die in diversen Publikationen stolz als „Perle an der Salzach“ apostrophiert wird, ist seit 2011 die Tirolerin Sigrid Resch zuständig. Geboren ist die quirlige Tourismusmanagerin zwar in Bozen, sie übersiedelte dann aber im Alter von acht Jahren mit Papa Karl nach Stans ins Unterinntal. Zwei Volksschuljahre hatte sie bereits in Südtirol absolviert, die restlichen zwei Jahre drückte sie in Stans die (Volks-)Schulbank. Es folgten vier Schuljahre bei den Ursulinen in Innsbruck und vier am BORG Schwaz. Nach der Matura absolvierte Sigrid Resch noch eine Buchhandelslehre, die die Basis für ihre ersten Berufsjahre bildete. Ab 1996 studierte die inzwischen zur Schwazerin gewordene Südtirolerin an der Uni Innsbruck Wirtschaftswissenschaften mit internationaler Ausrichtung. Die Lernende wurde dann Lehrerin – sie stellte ihr vielseitiges Wissen am Institut für Verwaltungswissenschaft in Innsbruck und an der Europäischen Akademie Bozen unter Beweis. Es folgten Führungsjobs beim Innsbruck-Marketing und beim Operettensommer, ehe sie dann – bei 80 Mitbewerbern – nach Burghausen geholt wurde. „Ein tolle, weil so vielschichtige Aufgabe“, schwärmt die Tirolerin. Die riesige Burg ist nämlich nicht alles, was Burghausen zu bieten hat. „Der Bogen unserer Veranstaltungen spannt sich vom Konzertsommer bis zum grenzüberschreitenden Brückenfest, von der Internationalen Jazz-Woche bis zum historischen Burgfest“, zählt sie die wichtigsten Events auf. Ihre Arbeit trägt Früchte. „Seit 2011 hat sich der Umsatz der BTG vervierfacht“, rechnet sie vor und freut sich, „dass die Tiroler nach den Oberösterreichern die zweitgrößte Besuchergruppe aus Österreich stellen“.

Sigrid Resch, flankiert von Führerinnen in mittelalterlichen Trachten, mit einer Tiroler Besuchergruppe.
- Hörhager