Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Freizeit

,,Body Rafting“ in Isel, Drau oder Soca: Sie brennen für das wilde Wasser

Vier Rettungsschwimmer aus Osttirol und Deutschland suchen beim „Body Rafting“ in der Isel, Drau oder Soca (SLO) das Abenteuer – sie bereiten sich wie Skifahrer im Slalom vor und halten zusammen wie die Seilschaft am Berg.

© Seekers



Von Matthias Christler

Lienz – An ihre Haut lassen diese Sportler nur Wasser und Neopren, jedenfalls, wenn alles so läuft wie geplant. Wenn nicht, machen „Body Rafter“, zu Deutsch Wildwasserschwimmer, mit dem einen oder anderen Felsen Bekanntschaft. In einer Bewertung über die Körperbeanspruchung dieser jungen Sportart könnte man ihr glatt 10 von 10 blauen Flecken geben.

- Seekers

„Ja, auf einige davon kommt man im Wasser schon“, sagt der 25-jährige Lienzer Nicolas Moser, der mit Dominik Pargger, Luca Scherzer (ebenfalls aus Osttirol) und Kevin Vogel (Deutschland), den Film „Seekers of the Element“ gedreht hat. Ihre Suche nach dem Element wird am 25. August am Filmfest St. Anton gezeigt.

Im Film sieht man zuerst einen Schwimmer, der seine Bahnen in einem Becken zieht und sich später in ein tosendes Wasser traut. Verkürzt stellt das den Weg dar, den das vierköpfige Team genommen hat. Moser erzählt, dass zwei von ihnen im Alter von etwa 13 Jahren beim Herz­jesu-Schwimmen, das von der Wasserrettung Osttirol organisiert wird, zum ersten Mal so richtig bewusst mit dem Element in Kontakt gekommen seien. Mit Fackeln in der Hand durften sie in Lienz durch die Isel schwimmen. So haben sie Feuer gefangen – einerseits für die Wasserrettung, andererseits für das Wildwasser. „Ich bin zwar lange auch im Becken geschwommen, aber irgendwann zählst du dort nur noch die Fliesen“, sagt Moser.

Aber nicht jeder, der ein bisschen kraulen kann, sollte sich das zutrauen, was man im Film von den vier Männern sieht. „Privat würde ich das niemandem empfehlen. Die meisten, die das machen, kommen wie wir von der Wasserrettung oder vom Rafting.“ Und die wissen, welche Gefahren lauern (Verblockungen, Unterströmungen) und wie man sich darauf vorbereitet.

- Seekers

Bevor Moser und seine Kollegen im April vor zwei Jahren in die Soca in Slowenien sprangen, hatten sie im Winter davor eine Erkundungstour unternommen, Stellen bei Niederwasser überprüft, Pegelstände verglichen und sich ungefähr die Wege zwischen den Felsen überlegt.

Als sie wiederkamen, schauten sie sich die Abschnitte erneut an und schwammen diese ein paar Mal, bevor es ans Filmen ging. Sie prägten sich ein, wie die Haupt- und Nebenströmung verläuft oder wo unter Wasser eine Verblockung gefährlich sein könnte. Fast wie Slalomfahrer vor einem Durchgang gingen sie die Strecke im Kopf durch, an welchem Stein sie links vorbei müssen, an welchem rechts.

Das Wasser hatte um die acht Grad Celsius und trotz des fünf Millimeter dicken Neoprenanzuges und der Anstrengung durchs Kraulen forderte die Kälte nach ein paar Stunden ihren Tribut. Doch auch bei bester Vorbereitung und Kondition kann etwas schiefgehen. „Völlige Kontrolle ist reine Illusion“ und „Der Fluss macht die Gesetze“ heißt es im Film. Und das wird so auch gezeigt. In einer Szene schwimmt Moser voraus, kurz gefolgt von Luca Scherzer. „An einer Stelle, die wir 5- oder 10-mal geschwommen sind, hat es mich wie erwartet rechts an dem Stein vorbeigetrieben. Luca aber ist mit dem Fuß hängen geblieben.“ Ein „Einfädler“, der aber ungleich gefährlicher sein kann als beim Slalom im Schnee. Scherzer wurde unter Wasser gezogen. Es dauerte mehrere Sekunden, bis er sich befreien konnte.

„Ich hab’ das gesehen und für mich fühlte es sich an wie eine Ewigkeit.“ Hätte es noch länger gedauert, wären er oder die zwei anderen Teammitglieder zu Hilfe geeilt.

Rein ins „Vergnügen“. Die Rettungsschwimmer Nicolas Moser, Dominik Pargger, Luca Scherzer und Kevin Vogel stellen im Film „Seeker of the Element“ ihre Leidenschaft Wildwasserschwimmen vor.Fotos: SOTE
- Seekers

Sie sind weiterhin eben auch mit Herzblut Rettungsschwimmer. So sehr, dass sie einmal wortwörtlich auf der Suche nach sich selbst waren. Vor etlichen Jahren, erzählt Moser, seien sie in Osttirol in einem Fluss gewesen und ein Passant glaubte an einen Unfall. Die Rettungskräfte wurden alarmiert. Das bekamen Moser und seine Freunde mit. Sie machten sich auf die Suche nach den im Wasser Treibenden, bis sie draufkamen, dass sie selbst die Gesuchten waren. Inzwischen melden sie ihre Sprünge ins Wasser den örtlichen Behörden.

Neben dem Neoprenanzug und Rettungswesten gehören für Wildwasserschwimmer ein Wurfsack und Messer zur Grundausstattung. Aber das Wichtigste: Alleine gehen nur Verrückte ins wilde Wasser. Wichtig ist das Team. Moser vergleicht es mit einer Seilschaft am Berg: „Man kommt alleine voran, aber du hast immer Kameraden als Back-up, die dir helfen können.“

Diese Kameradschaft wird von den vier Freunden im Film mit einem Fackelzug im Wasser, wie damals bei den Anfängen in der Isel, gefeiert. Ihre Reise durch das wilde Wasser der Soca mündet für sie im Mittelmeer. Ein paar blaue Flecken lassen sich für dieses Abenteuer schon verkraften.

Programm Filmfest St. Anton

Termin. Unter dem Motto „Berge – Menschen – Abenteuer“ lädt das 24. Filmfest vom 22. bis zum 25. 8. nach St. Anton am Arlberg ins ARLBERG-well.com. An den vier Abenden werden ab jeweils 20 Uhr insgesamt 24 Filme gezeigt, 15 davon als Premiere. Die Macher bzw. Protagonisten sind als Bühnengäste vor Ort und sprechen über ihre Filme.

Tickets. Abendkarte 15 Euro. Ermäßigt 12 Euro (TT-Club, Österreichischer Alpenverein, SchülerInnen und StudentInnen). Wochenkarte 45 Euro. Kinder bis 12 Jahre freier Eintritt. Die Tickets erhält man online unter www.filmfest-stanton.at, an der Abendkasse im Arlberg-well.com oder im Informationsbüro des Tourismusverbandes St. Anton.

Programm. „Seekers of the Element“ von den Osttiroler Wildwasserschwimmern wird am Freitag, den 24. 8., in einer 21-minütigen Version gezeigt. Der Samstagabend steht ganz im Zeichen der Extrembergsteiger. Hansjörg Auer präsentiert seinen Film „No Turning Back“. Wolfgang Nairz, Peter Habeler u. a. blicken in „Zurück zum Everest“ auf die geschichtsträchtige Besteigung 1978 zurück. Wiederum Nairz und Oswald Oelz besprechen Reinhold Messners Film „Ama Dablam. Drama am heiligen Berg“. Das weitere Programm finden Sie unter www.filmfest-stanton.at


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