Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


TT-Tourentipp

Eine unübersehbare Spitze

Die Besteigung der Inneren Wetterspitze im Gschnitztal als Tagestour ist sportlich, aber machbar. Zum Glück gibt es viele filmreife Plätze zum Ausruhen sowie die Bremer Hütte.

© privatDer Aufstieg zur Wetterspitze erfordert Trittsicherheit, aus dem Lautersee entspringt der Gschnitzbach.



Von Irene Rapp

Gschnitz – Zunächst die harten Fakten: Schon von Weitem kann man bei der Anfahrt durch das Gschnitztal das Ziel erkennen – die Innere Wetterspitze. Die markante pyramidenförmige Erhebung ist 3053 Meter hoch und wird gerne von der darunterliegenden Bremer Hütte aus begangen. Vom Tal aus sind rund 1800 Höhenmeter sowie neun Entfernungskilometer zu bewältigen, mit Fahrradunterstützung spart man sich zumindest die ersten bzw. letzten „Tal“-Kilometer.

Aber auch das muss erwähnt werden: Die Besteigung der Wetterspitze ist nur wirklich erfahrenen und trittsicheren Bergsteigern vorbehalten – einige Stellen sind ausgesetzt, einige seilversichert, einige wenige Male muss man die Hände zu Hilfe nehmen. „Vor drei Jahren wurden diese angebracht, früher gab es kaum Seilsicherungen, im letzten Jahr haben wir noch den Steig an einigen Stellen flacher gemacht“, erzählt Georg Seger, Pächter der Bremer Hütte.

Am Simmingboden mäandern Bäche dahin.
- privat

Dafür bietet dieser Berg traumhafte Ausblicke auf die Tribulaune, auf die Feuersteine, den Habicht und viele Gletscher der Stubaier Alpen. Nicht zu vergessen: Auf dem Weg hinauf kommt man an so vielen schönen Platzerln vorbei, dass weniger Konditionsstarke auch schon von der Tour auf die Bremer Hütte begeistert sein werden.

So kommt man hin: Im Gschnitztal quasi bis zum Tal- ende fahren, bis zum Gasthof Feuerstein beim Mühlendorf. Gleich dahinter gibt es einen Parkplatz, wo das Auto abgestellt werden kann. Wir sind von dort mit dem Mountainbike weitergeradelt, auf einer asphaltierten Straße zur Laponesalm (1472 m) und dann noch wenige Meter auf einem Schotterweg. Rechter Hand zweigt dann der Weg hinauf in den Wald ab zur Bremer Hütte bzw. Wetterspitze. Von hier an ging es zu Fuß weiter.

Zunächst steil hinauf in den Wald. In zahlreichen Serpentinen gewinnt man an Höhe, links rauscht der Gschnitzbach ins Tal, der Wald wird weniger, dafür werden – zumindest war das am vergangenen Samstag der Fall – die Heidelbeeren mehr. Die Früchtchen veranlassten zum ersten Stopp und schmeckten traumhaft.

Die Bremer Hütte lädt zur Einkehr ein.
- irene rapp

Hat man die erste Geländestufe der Tour hinter sich gebracht, erreicht man den wunderschönen Simmingboden, der Filmkulisse sein könnte. Der Gschnitzbach mäandert lieblich durch die ebene Fläche dahin, weiter hinter stürzt er dramatisch über Felsen herab und darüber befindet sich der Lautersee, den man erst sehen kann, wenn man die Wetterspitze besteigt. Überhaupt rauscht es hier überall, weiter hinten auf der Ebene findet sich der Simmingsee. Früher weideten noch Schafe hier, jetzt allerdings scheint aufgrund fehlender Beweidung alles zuzuwachsen.

In südwestlicher Richtung fällt dann ein markanter Rücken auf, der den Weiterweg zur Bremer Hütte darstellt. Die Markierung ist super, wie überhaupt auf der ganzen Tour, man gewinnt an Höhe und staunt über den Schnee, der hier noch liegt bzw. die Gletscher. Apropos Gletscher: Der Rücken, auf dem man sich bewegt, wurde auch von Gletschern geformt und trägt den Namen Mitteregg.

Nach rund 2,5 Stunden Fußmarsch von Lapones aus hat man dann die Bremer Hütte erreicht – die Bremer Stadtmusikanten begrüßen einen als Figur auf der Terrasse der alpinen Unterkunft (2411 m).In der Hütte erwarten einen Anni und Georg Seger. Seit acht Jahren sind die langjährigen Hüttenwirte aus Steinach hier im Einsatz, davor u. a. auf der Glungezerhütte und dem Hallerangerhaus. Zum Team auf der Hütte gehören auch zwei Enkel der Segers, „zwei Mädchen aus dem Tal und unser Nepalese“, erzählt Georg.

Die Wetterspitze kann man von Weitem sehen.
- privat

Nach einer Erfrischung – den traumhaften Schmarrn gab es erst beim Rückweg – geht es weiter: Zwar könnte man beinahe von der Terrasse aus in einen weiteren kleinen See springen, doch die Wetterspitze ruft. Zunächst durch und über Blockwerk kurz taleinwärts, bei einem Wegweiser rechts hinauf (Zeitangabe für die Besteigung der Wetterspitze 2,5 Stunden). Man hört Murmeltiere, von den vielen Steinböcken, die laut Seger im Umfeld der Hütte leben, sieht man leider nichts.

Zunächst gewinnt man unschwierig an Höhe, spätestens ab dem Zeitpunkt, wo man auf den Lautersee blicken kann (dem auf dem Wegweiser angeführten Aussichtspunkt), wird es felsiger. Hier am Ostgrat ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt, dann quert man jedoch in die Südflanke, wo es wieder leichter wird. Die letzten Meter heißt es dann noch einmal, die Hände einsetzen und dann steht man auf dem relativ großen Gipfelaufbau mit dem Holzkreuz.

Am Gipfel rastet es sich auch gut.
- privat

Wie gesagt, der Rundumblick ist atemberaubend. Gleich im Süden befindet sich die italienische Grenze, davon zeugt ein Zollhäuschen, das gut zu sehen ist und sich im Besitz der Bundesforste befindet. Auch ein paar Seen kann man noch erblicken und die Äußere Wetterspitze, die „große Schwester“ der Inneren.

Zurück ging es dann auf demselben Weg. Lediglich eine kleine Variante haben wir eingebaut: Unterhalb der Bremer Hütte nahmen wir den Weg zur Innsbrucker Hütte abwärts und wanderten auf einem Steig den Simmingboden wieder talauswärts am wunderschönen Simmingsee – mit viel Schilf – vorbei.

Tourentipp online.

Den Track für die Tour finden Sie unter www.tt.com/lebensart oder direkt unter https://go.tt.com/2KEd2hX

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