Letztes Update am So, 12.08.2018 07:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Badeseen

Möserer See: Aug’ in Aug’ mit den alten Fischen

Der fünfte Teil der Serie „Tiroler Badeseen“ führt auf das Seefelder Plateau zum Möserer See. Mitten im Naturschutzgebiet gelegen, geht man hier mit Rindviechern auf Tuchfühlung und mit den Enten baden.

© TT/Julia HammerleVerena und Julia Gattringer genießen die Ruhe am Möserer See.



Von Theresa Mair

Von der Ferne dringt in ihrem dumpfen, warmen Ton die Friedensglocke herüber und erzeugt eine fast meditative Stimmung. In der Nähe bimmeln die Kuhglocken. Eine Kuhherde macht einen Abstecher an den idyllischen Möserer See.

Bei Julia und Verena Gattringer auf der Decke wird gekichert. Gerade noch konnten die Schwestern das Backgammon-Spiel abräumen, bevor die sturen Rindviecher sich ihren Weg über die Decke gebahnt hätten. Gelassen haben sich die Frauen einen neuen Baum am Seeufer gesucht, um die orange Hängematte zu befestigen.

Ein seltenes Bild: Boot fahren dürfen auf dem Möserer See nur die Fischer.
- TT/Julia Hammerle

Jetzt sitzen sie im Schneidersitz auf dem wurzeligen Waldboden und stellen die Spielsteine neu auf. „Das Spiel habe ich für unseren Vater zum Geburtstag gekauft und ihm noch nicht gegeben. Jetzt wären schon fast die Kühe drübergestiegen und nun sieht er es auch noch in der Zeitung“, sagt Julia Gattringer und kann sich vor Lachen kaum noch halten.

Zuflucht der Innsbrucker

Sie kommt oft aus Innsbruck hierher nach Mösern, meist allein, um die Seele baumeln zu lassen. „Es ist ein Natursee, der so schön im Wald liegt, und es ist einer der wenigen im Umkreis, für den man keinen Eintritt bezahlt. Wenn es unten im Inntal heiß ist, dann ist es hier ein bisschen kühler“, schwärmt die gebürtige Oberösterreicherin von ihrem Lieblingssee in der Umgebung.

Die Kuh gehört am See dazu. Olivia und Laura haben keine Angst vor Rindviechern.
- TT/Julia Hammerle

Ein paar Meter weiter hat es sich Großfamilie Zangerl mit Decken, Klappstuhl und Proviant gemütlich gemacht. „Wir spazieren um den See und die Kinder haben auch immer etwas zu tun. Sie waren Granten sammeln, haben einen Frosch gesehen und gehen schwimmen. Die Kinder sind beschäftigt, obwohl es keinen Spielplatz gibt“, sagt Mutter Zangerl. Ganz richtig ist das zwar nicht. Denn seit 2015 gibt es einen Abenteuerspielplatz am Eingang zum See neben dem Gasthaus „Möserer Seestub’n“. Doch man kommt nicht zwangsläufig daran vorbei.

Alles hier liegt etwas versteckt, behutsam in die Natur eingebettet, sogar die zahlreichen Badegäste, die sich trotz des grauen Himmels einen Badetag gönnen. Nichts trübt den Blick auf das Wasser. Auch nicht die Kühe. Sie gehören dazu, scheinen niemanden zu stören und überhaupt haben sie die älteren Rechte.

Das Weidegebiet um den See herum wird von der Gemeindeguts-Agrargemeinschaft Wildmoos-Alpe genutzt. Ein Hirt der Gemeinde schaut nach dem Rechten.

Familie Zangerl erholt sich vom Trubel der Stadt.
- TT/Julia Hammerle

Die Zangerls fahren häufig an den Möserer See, nur nicht am Wochenende. Da ist ihnen zu viel los, die Autos stehen kreuz und quer am Parkplatz und noch darüber hinaus, am Straßenrand im Parkverbot. „Am Samstag vor einer Woche hat die Polizei 100 Autos abgestraft“, sagt Christoph Schaffenrath, Leiter des Umweltbüros der Gemeinde Telfs. Immerhin gilt auch auf dem Weg zum See die Straßenverkehrsordnung.

Vor allem die Städter scheinen von dem kleinen Moorsee magisch angezogen zu werden.

So sehr, dass die Möserer den Teil nördlich des Wassers scherzhaft „Innsbrucker Bucht“ nennen, wie Raimund Horny erzählt. Der Obmann der Vereine „Kunst und Kultur in Mösern“ sowie „Mösern Gemeinsam“ ist selbst in Innsbruck aufgewachsen, bevor er ins Dorf zog. „Wer schon als Kind an den Möserer See kam, kommt auch als Erwachsener her“, hält er dem Gewässer die Treue.

Genauso wie die Karpfen, die 1990 vom damaligen Pächter der Fischereirechte eingesetzt wurden und in den 28 Jahren zu richtig dicken Fischen herangewachsen sind. „Die Karpfen sind schon eine Sehenswürdigkeit. Die Leute wissen, wo sie sind und gehen extra Fische schauen. Die kann man nicht mehr essen, dafür sind sie schon viel zu moosig“, sagt Schaffenrath. Zu den Fischen hinschwimmen dürfen sie aber nicht.

Damit Enten, Fische und die seltenen Flusskrebse, die in dem See noch heimisch sind und nicht vom aus den USA eingeschleppten Signalkrebs verdrängt wurden, nicht gestört werden, wurde extra ein Nichtschwimmerbereich mit Bojen abgegrenzt. „Und Nichtschwimmerbereich heißt nicht, dass dort jene hineingehen dürfen, die nicht schwimmen können“, erklärt Möserer-See-Fischer Markus Freiberger augenzwinkernd.

Andrea und Hanspeter Schweigl genießen den See rund um die Uhr. Sie leben und arbeiten dort.
- TT/Julia Hammerle

Fauna und Flora sollen dort ungestört wachsen und gedeihen können. Der Möserer See liegt mitten im Naturgeschutzgebiet. „Man braucht für alles, was man hier machen möchte, eine Bewilligung und die Behörde überprüft das auch“, sagt Schaffenrath.

Das heißt beispielsweise, dass der Rundweg um den See in Ordnung gehalten werden muss und die Böschungen immer begrünt sein müssen. An die Badegäste appelliert Schaffenrath, sich sparsam mit Sonnencreme einzuschmieren. „Die ARGE Hygiene kontrolliert einmal im Jahr die Wasserqualität und es zeigt sich, dass der Creme-Film im Wasser zum Problem werden kann.“

Das ist aber nicht das Einzige, was man als Badegast befolgen sollte. Ein Telfer Flurwächter kontrolliert die Einhaltung der Regeln. Es gilt z.B. ein Leinenzwang für Hunde bei einer Leinenlänge von maximal zwei Metern. Die vierbeinigen Begleiter dürfen auch nicht ins Wasser. Ein Umstand, den nicht alle Spaziergänger und Badegäste so hinnehmen. „Die Gäste sind eh vorbildlicher, aber so mancher Einheimische will sich nicht daran halten“, sagt Horny. Aufsichtsfischer Sieghard Ebenbichler hat in den vergangenen Jahren aber eine Verbesserung registriert – seit der Flurwächter seine Runden dreht.

Überhaupt lobt Ebenbichler, dass die Badenden kaum noch Müll liegen lassen. „Ich glaube, es liegt daran, dass hierher einfach naturverbundene Leute kommen. Ich finde das so schön“, sagt er, bevor er zu Freiberger und Schaffenrath in das hellblaue Ruderboot steigt.

Schaurig-schön

Es ist nur dieses eine Boot am Wasser und es gehört den Fischern vom Fischerverein Tyrol. Die Mitglieder sind nicht nur die Einzigen, die am Möserer See angeln dürfen, nur sie dürfen auch mit dem Boot hinausfahren. Schlauchboote, Stand-up-Paddles und dergleichen sind am Wasser nicht erlaubt. Für Taucher ist der Moorsee, der nur gut fünf Meter in die Tiefe reicht, ohnehin unattraktiv. Fad wird es einem in dem Seengebiet, zu dem auch der Wildmoossee und der Lottensee gehören, aber nicht.

Es lässt sich vortrefflich Schauergeschichten erzählen. Beim örtlichen Friseur erfragt man, dass die Eltern früher ihren Kindern weismachen wollten, dass eine Wasserleiche im See liege. Damit hätten sie den Nachwuchs, der nicht schwimmen konnte, vom Wasser fernhalten wollen. Vergeblich, wie man sich denken kann.

Gruselig wurde es auch, als der Möserer See als Drehort für den Mitterer-„Tatort“ „Baum der Erlösung“ ausgewählt wurde. Nicht zuletzt fanden einige Badegäste die Friedenswächter-Skulpturen etwas unheimlich. „Die haben ausgesehen wie aus einem Horrorfilm, auch wenn die Sprüche dazu schön waren“, erinnert sich Fischer Ebenbichler. Im Frühjahr wurden die Figuren, die Friedensbotschaften in den Händen hielten, entfernt. Sie lagern zwischenzeitlich bei Horny, der mit dem Kulturverein das Projekt initiiert hatte. „Ein Drittel der Leute fand sie super, ein Drittel ganz schlecht und einem Drittel waren sie wurscht“, rekapituliert er.

Hanna zeigt, welch besondere Arten in dem Naturschutzgebiet vorkommen.
- TT/Julia Hammerle

Die Aufgabe seiner Vereine sieht er vor allem darin, darauf zu achten, dass alles bleibt, wie es ist. „Wir passen auf unseren See auf, dass nichts passiert.“ Die Sorge hält er nicht für ganz unberechtigt, seit die Gemeinde Telfs das Gewässer 2008 um zwei Millionen Euro aus Privatbesitz gekauft hat und Überlegungen über die künftige Nutzung anstellte. Dass der See in einen Partyplatz verwandelt wird, wollen auch die Wirtsleute Andrea und Hanspeter Schweigl von der „Möserer Seestub’n“ nicht. „Wir möchten nicht, dass mehr Geschäft forciert wird. Wir haben nur 15 bis 20 Badetage im Jahr. Das verträgt der See gut. Wenn mehr los wäre, dann würde er kippen“, sagt der Wirt. Die Wirtin freut sich, dass die Gäs­te meist schon tiefenentspannt beim Gasthaus ankommen.

Die Veranstaltungen (www.kkim.at und www.moesern.info) der örtlichen Vereine wie Jazzkonzerte und Lesungen sowie das Eislaufen am See, das diesen Winter wiederholt werden soll, passen gut zur Natur-Atmosphäre, in der auch Action ihren Platz hat: „Heuer haben mir die Kühe schon die Blumen von den Fensterbänken gefressen“, sagt Andrea Schweigl und lacht.

Der Möserer See

Größe: 30.000 m² Fläche

Tiefe:

Maximal 5,2 m

Besitzer:

Marktgemeinde Telfs

Temperatur:

aktuell bis zu 25 Grad, im Frühjahr 14 bis 17 Grad

Liegeflächen:

zwischen den Bäumen

Eintritt:

kostenlos

Sportangebot:

schwimmen

Attraktivität:

8 von 10 Punkten – Bootfahren ist nicht erlaubt. Der ideale Platz für naturverbundene Badegäste


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